Loveparade-Prozess

Loveparade: Ein Angeklagter lehnt Verfahrens-Einstellung ab

Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten findet die Hauptverhandlung in einem Düsseldorfer Kongresssaal statt.

Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten findet die Hauptverhandlung in einem Düsseldorfer Kongresssaal statt.

Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices

Duisburg/Düsseldorf.  Der Loveparade-Prozess wird wohl weiter gehen: Ein Lopavent-Mitarbeiter ist dagegen, dass das Verfahren vor einem möglichen Urteilsspruch endet.

Das Gericht hatte die Einstellung des Loveparade-Prozesses vor zwei Wochen vorgeschlagen, weil die individuelle Schuld jedes Angeklagten klein oder höchstens mittelschwer sei. Doch aus dem Vorschlag wird wohl nichts werden.

Der Berliner Anwalt Ioannis Zaimis erklärte am Dienstag im Prozess in Düsseldorf, sein Mandant könne sich keine Einstellung des Verfahrens vorstellen, weder ohne Auflagen noch mit einer Geldzahlung. Der Sicherheitsbeauftragte des Veranstalters Lopavent will, dass bis zu Ende verhandelt wird, ob es zu einem Freispruch kommt, einer Verurteilung oder einer Verjährung.

Gericht kann nur mit Zustimmung einstellen

Damit der Prozess eingestellt werden kann, müssen aber sowohl Staatsanwaltschaft als auch sämtliche Angeklagten zustimmen. Bis 5. Februar müssen sie sich dazu geäußert haben. Der Lopavent-Mitarbeiter ist der erste Beteiligte, der sich öffentlich dazu positioniert.

Gerichtssprecher Matthias Breidenstein erklärte auf Nachfrage, dass der Prozess theoretisch mit nur einem Angeklagten weitergeführt wird, falls alle anderen einer Einstellung zustimmten und er bei seiner Position bleibt.

Neben Planungsfehlern hält das Gericht ein kollektives Versagen vieler Personen am Veranstaltungstag mitverantwortlich für das Unglück. Als Beispiele nannte das Gericht Mitte Januar die Einrichtung einer Polizeikette auf der Zugangsrampe, nicht abgestimmte Öffnungen der Vereinzelungsanlagen sowie Entscheidungen am Veranstaltungstag entgegen vorheriger Absprachen. „Es gibt ganz viele Schuldige“, hatte der Vorsitzende Richter Mario Plein als weitere Begründung für den Einstellungsvorschlag genannt.

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg gab es am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände ein so großes Gedränge, dass 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt wurden. Seit Dezember 2017 läuft gegen sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters ein Strafprozess. Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten findet die Hauptverhandlung in einem Düsseldorfer Kongresssaal statt. (fp/mit dpa)

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