Loveparade-Verfahren

Landgericht zieht für Loveparade-Prozess in Messesaal um

Der zum Gerichtsraum umfunktionierte Messesaal bietet Platz für bis zu 500 Menschen.

Der zum Gerichtsraum umfunktionierte Messesaal bietet Platz für bis zu 500 Menschen.

Foto: Ina Fassbender/dpa

Duisburg/Düsseldorf.  Um die Loveparade aufzuarbeiten, tagt das Landgericht Duisburg in einem Messesaal. Der Prozess ist einer der größten der Nachkriegsgeschichte.

Vor Beginn eines der personell größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte hat das Landgericht Duisburg den Gerichtssaal für den Loveparade-Prozess in der Messe Düsseldorf vorgestellt. Das Gericht hatte die Räume seit Jahren reserviert, weil in Duisburg für das Verfahren mit zehn Angeklagten und derzeit 60 Nebenklägern nicht genug Platz war. Der Messesaal bietet Platz für rund 500 Menschen. Das Verfahren soll am 8. Dezember starten. "Wir sind startklar", sagte Gerichtssprecher Matthias Breidenstein am Samstag bei einer Begehung.

Das Verfahren startet am 8. Dezember. Aufgearbeitet werden soll das Unglück während des Techno-Festivals vor sieben Jahren mit 21 Toten und mehr als 650 Verletzten. Am 24. Juli 2010 war es an einer Engstelle zu einem tödlichen Gedränge gekommen.

Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters. Sie müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ein für die Anklage wichtiges Gutachten der Staatsanwaltschaft hat nach Angaben der "Rheinischen Post" die Vorwürfe der Opfer an die Veranstalter gestützt. Demnach wird in dem Gutachten der Verdacht bestätigt, dass massive Planungsfehler die Katastrophe verursacht haben.

Der Messesaal bietet Platz für bis zu 500 Menschen

Die zehn Angeklagten werden von 24 Anwälten verteidigt. Bisher gibt es 64 Nebenkläger, unter ihnen sind zahlreiche Angehörige und Verletzte. Sie werden von 41 Anwälten vertreten. Hinzu kommen die Vertreter der Staatsanwaltschaft und des Gerichts. Der zum Gerichtsraum umfunktionierte Messesaal bietet Platz für bis zu 500 Menschen. Etwa 360 Plätze werden voraussichtlich für Zuschauer und Medienvertreter reserviert. Bis Dezember 2018 hat die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg 111 Sitzungstermine bestimmt.

Die Beteiligten stehen unter Zeitdruck: Denn liegt bis zum 27. Juli 2020 - zehn Jahre nach der Katastrophe - kein erstinstanzliches Urteil vor, verjähren die vorgeworfenen Taten. Dass es zu einem Prozess kommen würde, stand erst nach einem juristischen Hürdenlauf fest. Das Landgericht Duisburg hatte zunächst die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt. Diese Entscheidung hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf im April 2017 aufgehoben und das Verfahren einer anderen Kammer des Landgerichts übertragen. Die Angehörigen der Opfer hatten immer wieder vehement gefordert, dass ein Gericht die Vorgänge untersucht, die zu der Katastrophe geführt hatten. (dpa)

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