Loveparade

Loveparade-Hinterbliebene wollen am Gedenktag allein trauern

Jürgen Thiesbonenkamp und Birgit Nellen (Mitte) von der Stiftung stellten die Änderungen beim Ablauf des Gedenktages am Montag in Duisburg vor  – hier mit Edith Jakubassa, deren Tochter bei der Loveparade ums Leben kam.

Jürgen Thiesbonenkamp und Birgit Nellen (Mitte) von der Stiftung stellten die Änderungen beim Ablauf des Gedenktages am Montag in Duisburg vor – hier mit Edith Jakubassa, deren Tochter bei der Loveparade ums Leben kam.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Am sechsten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe wird es an diesem Sonntag erstmals keine öffentliche Gedenkfeier in Duisburg geben.

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Der mittlerweile sechste Gedenktag für die Opfer der Loveparade-Katastrophe, der an diesem Sonntag ansteht, wird im Vergleich zu seinen Vorläufern mit einigen Änderungen aufwarten. Das teilte die Stiftung „Duisburg 24.7.2010“ gestern mit. So wird es diesmal keine öffentliche Gedenkfeier auf der Wiese neben dem Loveparade-Mahnmal in Neudorf geben. Zudem wollen Hinterbliebene und Betroffene diesmal ungestört von der Öffentlichkeit allein an der Gedenkstätte im Karl-Lehr-Tunnel trauern.

„Alles das geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern der 21 Todesopfer“, sagte Pfarrer Jürgen Widera, der im Stiftungsvorstand sitzt. Neu ist zudem, dass die „Nacht der 1000 Lichter“ verschoben wird. Bisher fand diese stets am Vorabend des Unglücks statt. Diesmal werden die Kerzen erst am Katastrophentag ab 21 Uhr entzündet.

„Die Angehörigen haben ein Recht auf Aufklärung“

Der Jahrestag wird erstmals von der Stiftung organisiert und ausgerichtet. Dies ist neben der Betreuung von Opfern und der Pflege der Gedenkstätte eine ihrer originären Aufgaben. Man habe sich in großer Runde mit Hinterbliebenen und Betroffenen ausgetauscht, wie das Gedenken diesmal gestaltet werden sollte, sagte Jürgen Thiesbonenkamp, der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums. „Über allem schwebt aber noch die traurige Tatsache, dass eine juristische Klärung der Katastrophe weiter auf sich warten lässt“, so Thiesbonenkamp. „Diese ungeklärte Situation stellt für alle Betroffenen nach wie vor eine große Belastung dar.“ Jürgen Widera ergänzte: „Die Angehörigen haben ein Recht auf Aufklärung.“

Natürlich werden alle Hinterbliebenen, aber auch alle Verletzten und Traumatisierten, die am Wochenende nach Duisburg kommen, von Kräften der Notfallseelsorge betreut. Auf Wunsch: rund um die Uhr. „Alle, die es wollen, werden während ihres Aufenthalts von einem festen Ansprechpartner begleitet“, erklärte Notfallseelsorger Richard Bannert, der am Unglückstag selbst vor Ort im Einsatz war. Die wichtige Botschaft lautet: Niemand braucht den Tag allein zu verbringen.

Neue Beleuchtung und Porträt-Keramikkacheln für die Gedenkstätte

Es wird rechtzeitig vor dem Gedenktag auch noch eine bauliche Veränderung an der Gedenkstätte geben. Darauf wies Birgit Nellen aus dem Stiftungs-Vorstand hin: In die stählerne Boden- und Wandplatte, die Thyssen-Krupp Steel in Kooperation mit HKM im Vorjahr angefertigt hatte, werden nun Keramikkacheln eingelassen. Diese zeigen ein Porträt der Verstorbenen und nennen deren Namen. Nur fünf der 21 betroffenen Eltern wollten das nicht. „Auch das war eine Idee, die aus der Elternschaft kam“, erklärte Nellen. Zudem sei noch eine neue Beleuchtungsanlage unter besagter Stahlbodenplatte installiert worden, so Nellen.

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