Akzente

Litauens Vergangenheit im Spiegel aktueller Kunst

Aus Strohhalmen hat Jolanta Kyzikaite ihre Installation gefertigt. Sie nimmt damit die Form traditioneller Hochzeitsgaben auf.

Aus Strohhalmen hat Jolanta Kyzikaite ihre Installation gefertigt. Sie nimmt damit die Form traditioneller Hochzeitsgaben auf.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Aktuelle Arbeiten von elf Künstlern aus Litauen präsentiert eine Akzente-Ausstellung in den Räumen des Stadtarchivs ab dem 11. März.

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In der schon fortgeschrittenen Planungsphase für die Akzente 2017 unter dem Motto „Umbrüche“ entstand im Festivalbüro eine „verwegene Idee“, wie dessen Leiter Frank Jebavy erklärt. Auf der Suche nach thematisch passenden Ausstellungen fiel der Blick auch auf Duisburgs Partnerstadt Vilnius in Litauen. Litauen hat sich am 11. März 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum souveränen Staat proklamiert. Nach dem gescheiterten Versuch des sowjetischen Militärs, die junge Republik mit Panzern zu stürzen, votierten 1991 in einer Volksabstimmung 85 % der Litauer für die Unabhängigkeit ihres Landes. „Mit Blick auf diese friedliche Revolution der Litauer haben wir uns gefragt, was von diesem Umbruch noch in den Köpfen der Menschen ist, und ob er sich noch in der aktuellen Kunst widerspiegelt“, sagt Jebavy.

Die Voraussetzung dafür war aber eine höchst ungünstige. Jebavy: „Wir hatten keinerlei persönlichen Kontakte zur Kunstszene in Litauen.“ Dennoch ist es Max Bilitza, dem Kurator und Projektleiter der Ausstellung, mit Unterstützung von Heike Maus vom Städtischen Referat für Politik, Verwaltung und Repräsentation, eine Verbindung zur Kunstakademie in Vilnius herzustellen.

Verbindende Zitate der Künstler

Das Ergebnis ist eine Ausstellung in den ehemaligen Räumen des Museums Königsberg im Stadtarchiv, die aktuelle Arbeiten von elf Doktoranden der Akademie mit ausgesuchten Werken aus dem Archiv der Kunsthochschule miteinander vereint, 65 an der Zahl, verbunden durch Zitate der Künstler.

Eines davon dient als Titel der Ausstellung: „Ich bin in einem Land geboren, das nicht mehr existiert.“ Es wirkt wie eine Klammer, denn so unterschiedlich die Arbeiten sich auch präsentieren, so scheint es doch, dass sich die meisten Künstler, wenn nicht gar alle, an diesem Zustand abarbeiten.

Surreale Traumbilder und reale Situationen

Bei Egle Ulcickaite ist das mit am deutlichsten erkennbar. Ihre Ölgemälde zeigen Gebäude und Gegenstände, die sie auf ihrer Suche nach der Vergangenheit in verlassen Datschen gefunden hat. Bei Jolanta Kyzikaite sind es ebenfalls alte Gegenstände, die sie aber mit modernen Geräten kombiniert.

Vita Opolskyte entwirft auf der Leinwand Szenen aus surrealen Traumbildern und realen Situationen wie eine Party mit zwei gesichtslosen Mädchen, einem Mann im Theaterkostüm und einem den Betrachter böse anstarrenden Fuchs. Titel: „Immerwährende Party (du gehörst nicht hierher).“

Kritik am internationalen Kunstmarkt

Kritik am internationalen Kunstmarkt zeigt sich in den Arbeiten von Egle Karpaviciute. Ein Gemälde besteht fast nur aus einem gemalten pompösen Rahmen. Das Porträt der serbischen Performancekünstlerin Marina Abramovic, das er umschließt, ist so klein wie eine Briefmarke.

Die Suche nach der eigenen Identität findet einen verstörenden Ausdruck in den Selbstporträts, die die Zwillinge Algirdas und Remigijus Gataveckas mit geschlossenen Augen malen.

In der Mitte des Ausstellungsraumes geben ausgewählte Schlüsselwerke aus dem Archiv der Kunstakademie einen Einblick in die Entwicklung der Kunst in Litauen von den 80er Jahren bis heute.

Eröffnung und Dauer der Ausstellung

Die Ausstellung mit den Werken der litauischen Künstler wird am Samstag, 11. März, um 20 Uhr eröffnet. Danach ist die Ausstellung noch bis zum 9. April zu sehen.


Alle Künstler, deren aktuelle Arbeiten gezeigt werden, kommen zur Eröffnung. Zudem wird ein Vertreter der Kunstakademie Vilnius daran teilnehmen.

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