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Lions-Club finanziert Stipendien für Kinder in Marxloh

Freuen sich über das Stipendium: Dirk Duschke, Detlev Birnstiel, Lena Wiewell, Christoph Herrmann (Lions) und René Krüger (Verein).

Foto: Udo Milbret

Freuen sich über das Stipendium: Dirk Duschke, Detlev Birnstiel, Lena Wiewell, Christoph Herrmann (Lions) und René Krüger (Verein). Foto: Udo Milbret

Duisburg.   Der Lions Club Duisburg fördert die Schwestern Houda und Asisa ein Jahr langin einem Projekt des Vereins „Tausche Bildung für Wohnen.

Was ist nicht schon über Marxloh geschrieben worden: vermüllt, dreckig, gefährlich, ein Schandfleck. Neulich berichtete der große Moritz von Uslar, Reporter der „Zeit“, über „Deutschlands bekanntestes Problemviertel“. Lena Wiewell wollte das so nicht stehen lassen – und schrieb dem Reporter einen Leserbrief. Dieser bemühte sich tatsächlich noch einmal nach Duisburg, zog für drei Tage in ihre WG und blickte „auf die Sonnenseite Marxlohs“. „Danach entstand ein differenzierterer Bericht“, sagt Lena Wiewell. Schließlich sind es Initiativen wie ihre, die den Stadtteil nach vorne bringen.

Kostenloser Wohnraum für junge Bildungspaten

Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Verein „Tausche Bildung für Wohnen“, den es seit 2012 gibt, stellt kostenlosen Wohnraum für junge Bildungspaten zur Verfügung, die sich im Gegenzug um benachteiligte Kinder des Stadtteils kümmern. So wie die Schwestern Houda und Asisa. Die Acht- und Neunjährigen haben nun ein Stipendium bekommen, das ein Jahr die Finanzierung ihrer Nachhilfe und anderer Aktivitäten sichert.

Die Patenschaft für das Projekt „Ich will Stipendium“ hat der Lions Club Duisburg übernommen. Denn auch die Lions-Mitglieder Detlev Birnstiel und Dirk Duschke kennen diesen und die vielen anderen Negativ-Berichte über Marxloh – und wollten gerade deswegen den Verein unterstützen. „Wir wollten uns für den Standort stark machen und einen Beitrag leisten, dass Armut nicht gleichzeitig Bildungsarmut bedeutet“, sagen sie. Daher fördern sie Houda und Asisa nun mit je 2400 Euro im Jahr. Der Betrag wird durch alle Lions aufgeteilt. „Wir wollen Vorbild für andere sein, ebenfalls ein solches Stipendium zu übernehmen.“ Denn die Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket reichen nicht aus und sind mit viel zu hohem bürokratischen Aufwand verbunden, um die Arbeit zu finanzieren. „Die Stipendien geben uns und den Kindern einfach mehr Planungssicherheit“, sagt Lena Wiewell.

Die 19-jährige Aylin Ustabas und der 22-jährige Alex Klein kümmern sich als Bildungspaten um die Mädchen. „Zweimal in der Woche lernen wir hier in der Tauschbar für anderthalb Stunden zusammen“, sagen sie. „Mathe, Deutsch oder Englisch“, schieben die Schwestern hinterher. Beide Paten sind als Bundesfreiwillige übers Bistum angestellt und nutzen das Jahr, um sich beruflich zu orientieren. Alex wird im Anschluss eine Ausbildung als Erzieher beginnen, Aylin ein Studium „Soziale Arbeit“. „Dabei wollte ich vorher eigentlich Industriekauffrau werden“, sagt sie. Die Arbeit mit den Kindern habe ihr aber so viel Spaß gemacht, dass sie sich umorientiert habe.

Anlaufpunkt im Stadtteil

Die Mädchen sind froh, dass sie einen Anlaufpunkt haben, sich dort auch mit anderen Kindern treffen können. „Wir lernen nicht nur, sondern machen auch Ausflüge und Feiern“, erklären sie und die Paten. Die Tauschbar ist für sie ein Ort zum Lernen, aber auch ein geschützter Raum im „Problemstadtteil“, in dem sie sich frei und sorglos bewegen können. Nicht nur die Kinder selbst profitieren davon, durch sie als Hebel auch ihre Eltern, Geschwister und Freunde. Das hat am Ende auch der „Zeit“-Reporter erkannt.

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