Kinderschutzbund

Leiterin des Duisburger Kinderschutzbundes ausgezeichnet

Ausgezeichnet: Mülheims Oberbürgermeister Ulrich Scholten überreichte Gerhild Tobergte, Leiterin des Duisburger Kinderschutzbundes, das Bundesverdienstkreuz.

Ausgezeichnet: Mülheims Oberbürgermeister Ulrich Scholten überreichte Gerhild Tobergte, Leiterin des Duisburger Kinderschutzbundes, das Bundesverdienstkreuz.

Foto: DANIEL ELKE

Duisburg.   Gerhild Tobergte, Leiterin des Duisburger Kinderschutzbundes, wurde für ihr ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

„Das Bundesverdienstkreuz, ich?“ Gerhild Tobergte konnte es erst gar nicht glauben, als sie erfuhr, dass genau ihr diese Ehre zuteilwerden soll. Mittlerweile hatte die Leiterin des Duisburger Kinderschutzbundes etwas Zeit, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Gestern war die Preisverleihung im Mülheimer Rathaus. „Die Freude ist natürlich groß. Aber die Auszeichnung gilt allen hier im Team, nicht nur mir alleine. Jeder hat hier seine Fähigkeiten“, sagt Gerhild Tobergte bescheiden. Seit 17 Jahren engagiert sich die Mülheimerin für Duisburger Kinder, seit 14 Jahren hat sie den Vorsitz inne. Längst ist sie „das Gesicht“ des Duisburger Kinderschutzbundes geworden, wie es Mülheims Oberbürgermeister Ulrich Scholten in seiner Laudatio sagte.

Eine neue Aufgabe gesucht

Gerhild Tobergte hatte sich bewusst für ein Engagement in Duisburg entschieden. Aus gesundheitlichen Gründen ist die ehemalige Lehrerin früher in den Ruhestand gegangen und hat sich eine neue Aufgabe gesucht. Sie wollte ein Projekt für Scheidungskinder aufbauen. Beim Duisburger Kinderschutzbund war das möglich. Auf das Thema ist sie noch im Schuldienst gekommen. „Ich hatte Schüler, deren Familien auseinanderbrachen. Mir fehlte aber die ausreichende Zeit, um mich um sie zu kümmern“, erzählt Gerhild Tobergte. Als sie die Zeit hatte, wollte sie genau dies tun. Angedockt wurde das Projekt an die Fachberatungsstelle des Kinderschutzbundes, die sich um Mädchen und Jungen kümmerte, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurden.

„Ja, der Einsatz hat sich gelohnt“

„2011 mussten wir leider auf finanziellen Gründen unseren zweiten Therapeuten entlassen, der sich auf die Arbeit mit Jungen spezialisiert hatte. Das war der schlimmste Tag, den ich beim Kinderschutzbund erlebt habe“, erzählt Gerhild Tobergte, die auch drei Jahre Jugendschöffin am Mülheimer Amtsgericht war. Sie konnte es nicht verstehen: „Die Gesellschaft schafft es nicht, Hilfe für Kinder, die Opfer dieser Straftaten werden, zu organisieren.“ Rund 100 Mädchen betreute die Fachberatungsstelle im vergangenen Jahr. „Die Freude war groß, als Ende 2016 die Nachricht kam, dass die Arbeit der Fachberatung für die nächsten Jahre gesichert ist. Da habe ich gedacht: Ja, der Einsatz hat sich gelohnt.“

Als die engagierte Kämpferin für die Rechte der Kinder 2005 gefragt wurde, ob sie den Vorsitz des Kinderschutzbundes übernehmen würde, „war meine erste Reaktion: Das kann ich nicht. Ich hatte noch nie Akquise gemacht. Aber dann setzte sich mein preußisches Pflichtbewusstsein durch.“ Gerhild Tobergte ließ sich überzeugen, „und ich bekam viel Hilfe“ auf der Suche nach Unterstützern.

Ihre Projektarbeit für Scheidungskinder musste sie aufgeben, auch ihren Einsatz am Steinbart-Gymnasium. „Ich bin in die 5. und 6. Klassen gegangen, um mit den Kindern über die Situation von Scheidungskindern zu sprechen, ihnen Mut zu machen. Kinder verschließen sich oft, wenn die Eltern sich scheiden lassen, haben Schuldgefühle. Ich kann die Situation nicht ändern. Aber es ist wichtig, dass sich die Kinder auch gegenseitig stützen, Verständnis entwickeln.“

„Unsere Gruppen sind nicht nur Spielgruppen“

Gerne würde Gerhild Tobergte wieder eine Gruppe für Scheidungskinder aufbauen: „Aber dazu fehlt nicht nur Geld, sondern auch jemand, der eine solche Gruppe von seinem Fachwissen her leiten kann.“ Denn eines ist ihr ganz wichtig: „Unsere Gruppen haben alle einen pädagogischen Hintergrund, es sind nicht nur Spielgruppen“, sagt sie mit Blick auf die Projekte des Duisburger Kinderschutzbundes der vergangenen Jahre: „Die Wunschomas und -opas“, die „Sprachpaten“, „Groß hilft Klein“, „Respekt für dich und mich“ und „PlusPunktDu“.

Besonders am Herzen liegt Gerhild Tobergte die Arbeit mit Flüchtlingskindern. „Ich weiß, wie sie sich fühlen. Ich bin als Kind mit meiner Mutter aus Oberschlesien geflohen und 1949 aus der DDR. Ich kenne das Gefühl, wenn man nur das hat, was man am Körper trägt. Die Dinge prägen sich ein. Mit zehn bin ich mit den Eltern aus Bayern nach Bonn gezogen, ich habe dreimal in einem Schuljahr die Schule gewechselt, musste neue Freunde suchen“, erzählt sie. Aber ihr Vater habe immer gesagt: „Lerne was du kannst. Was du im Kopf hast, kann dir keiner nehmen.“ Benachteiligten Kindern dabei zu helfen, dafür will sich Gerhild Tobergte noch lange einsetzen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben