Flüchtlinge

Land schließt Duisburger Asyl wegen Unstimmigkeiten

Gemeinsam inspizierte Einrichtungsleiterin  Zehra Yilmaz  (li.) Mitte 2015 mit Vertretern vom DRK-Verband und der IPG das Landesasyl.

Foto: Lars Fröhlich

Gemeinsam inspizierte Einrichtungsleiterin Zehra Yilmaz (li.) Mitte 2015 mit Vertretern vom DRK-Verband und der IPG das Landesasyl. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Das Asyl in Neumühl läuft Ende 2016 aus. Das Land begründet dies mit sinkenden Flüchtlingszahlen und mit Streit unter den Betreiberpartnern.

Das Landesasyl im ehemaligen Neumühler St. Barbara-Hospital bleibt nach der vom NRW-Innenministerium verfügten Schließung zum Jahresende als „kalte Reserve“ erhalten, falls die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen sollten. Die jetzt dort lebenden 250 Asylsuchenden werden nun kurzfristig auf andere Einrichtungen verteilt. Hinter den Kulissen gibt es aber offenbar Konflikte.

Bis zu 800 Flüchtlinge lebten zwischenzeitlich in der zentralen Unterbringung des Landes nach Erstbezug Ende 2015. Nun gehen die Flüchtlingszahlen spürbar zurück. Doch Dagmar Groß, Sprecherin der Düsseldorfer Bezirksregierung, begründet die Schließung der Flüchtlingsunterkunft auf WAZ-Anfrage nicht allein mit den sinkenden Zahlen: „Letztlich ausschlaggebend“ für die Aufgabe des Duisburger Standortes sei, „dass es in jüngster Zeit Unstimmigkeiten zwischen dem Generalunternehmer und seinen Servicepartnern gab“. Um was es geht, sagt Groß nicht.

Schließung wegen des Ärgers vor Ort

Die offenbar überqueren Partner vor Ort in Neumühl sind noch das Berliner Immobilien-Unternehmen IPG als Betreiber der Einrichtung und Eigentümer der Immobilie sowie der Landesverband Nordrhein des DRK. Die Düsseldorfer Bezirksregierung beeilt sich zu betonen, dass sie „weder mit der IPG noch mit dem DRK Probleme“ habe. Zugleich betont Groß aber: „Wir möchten eine Einrichtung, die funktioniert.“ Also traf, so die Düsseldorfer Lesart, die notwendige Schließungs-Entscheidung den Standort Duisburg wegen des Ärgers vor Ort.

Das trifft beide Partner nach eigenem Bekunden überraschend. Das DRK kann die etwa 70 Kräfte im St. Barbara-Hospital, deren Verträge befristetet bis zum Jahresende laufen, nicht verlängern. „Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir haben keine anderen Tätigkeitsfelder“, so DRK-Sprecher Thomas Braun, der zugleich betont, dass auch vereinzelte Probleme im Alltagsgeschäft „kein legitimer Grund“ für die Schließung der Einrichtung seien.

Das Aus wirft Planungen durcheinander

„Tief enttäuscht“ zeigt sich auch IPG-Geschäftsführer Jörg Lemberg. Während die Bezirksregierung mitteilt, dass der IPG schon seit dem Frühjahr bekannt gewesen sei, dass die Einrichtung zum Jahresende auslaufen soll, soll der Berliner nach eigenen Worten erst am Freitag die Information bekommen haben.

Das Aus dürfte seine Planungen und Kalkulationen durcheinanderwerfen. Der Mietvertrag mit dem Land ist zwar bis Mitte 2018 datiert, doch die Zahlungen für den Betrieb des Asyl laufen nun aus. 2015 hatte die IPG mit Millionenaufwand das Hospital als Landesasyl hergerichtet. Nach 2018 will die IPG bekanntlich an dem Standort ein neues Wohnquartier entwickeln.

Betroffen vom Aus ist auch die Stadt: Die Landesasyl-Flüchtlinge werden nicht mehr auf das Duisburger Kontingent angerechnet. Die Stadt muss aber jetzt nicht auf einen Schlag 250 Flüchtlinge aufnehmen. Laut Rathaus werde sich aber der Zeitraum der Aufnahme von aktuell 75 Flüchtlingen pro Woche verlängern.

>>GUTE NACHRICHT MIT BEIGESCHMACK - EIN KOMMENTAR VON OLIVER SCHMEER

Das Land kann seine Asylunterkunft in Neumühl schließen. Eigentlich eine gute Nachricht, zeigt sie doch, dass der Druck der Unterbringung von Flüchtlingen nachlässt. Es ist aber zugleich grotesk, dass sich Rotes Kreuz und Immobilienunternehmen IPG enttäuscht und überrascht zeigen, über Kündigungen und entgehende Einnahmen klagen.

Es war klar und Hoffnung aller anderen, dass ihr Engagement zeitlich befristet ist. Gerade IPG wird Unmut aber herunterschlucken, weil es Partner in weiteren Landes-Einrichtungen ist und später das Neumühler Areal zum attraktiven Wohngebiet entwickeln will. Wenn es bei den „Unstimmigkeiten“ wirklich um Kostentransparenz gehen sollte, wirft das ein schlechtes Licht. Das fällt aber auch auf die gesamte Kommunikation in der Angelegenheit.

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