Binnenschifffahrt

Künstliche Intelligenz für die autonome Binnenschifffahrt

Eine der größten Herausforderungen für selbstfahrende Schiffe sind die engen und kurvigen Wasserwege wie hier im Verbindungskanal zwischen Ruhr und Rhein-Herne-Kanal in Duisburg.

Eine der größten Herausforderungen für selbstfahrende Schiffe sind die engen und kurvigen Wasserwege wie hier im Verbindungskanal zwischen Ruhr und Rhein-Herne-Kanal in Duisburg.

Foto: Hans Blossey

Duisburg.   Die IHKen des Ruhrgebiets fordern Kompetenzzentrum und Testfeld für autonom fahrende Schiffe. 2021 könnte erste Testfahrt im Wasser stattfinden.

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Was braucht es, um die autonome Binnenschifffahrt an Rhein und Ruhr voranzutreiben? Unter dieser Fragestellung gaben die Industrie und Handelskammern des Ruhrgebiets eine Machbarkeitsstudie beim Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) in Auftrag.

Die Binnenschifffahrt ist traditionell von großer Bedeutung für die Region. Doch Fachkräftemangel und die zunehmende Unattraktivität des Berufsprofils Binnenschiffer machen der Branche zu schaffen. Mit dem Ausbau der Künstlichen Intelligenz auf diesem Feld würde es modernisiert werden. Homeoffice wäre dann etwa möglich, genauso wie mehrere Schiffe gleichzeitig von einer Person steuern zu lassen. Eine Umrüstung auf Elektroantriebe sei denkbar oder zumindest eine Verringerung des Emissionsausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs durch Algorithmen.

Wie sieht der Verkehr in zehn Jahren aus?

All das ist Zukunftsmusik, doch, so sagen die Befürworter der Studie: „Es lohnt sich, bereits zum jetzigen Zeitpunkt zu hinterfragen, wie der Verkehr in zehn Jahren aussehen kann.“ Auch um konkurrenzfähig zu bleiben, denn im europäischen Ausland gibt es laut DST bereits zahlreiche Projekte zu diesem Thema, etwa in Belgien, den Niederlanden und Ungarn. Deutschland habe an der Elbe und rund um Berlin zwar bereits erste Initiativen, doch laufende Projekte gebe es noch nicht.

Die Voraussetzungen, ein Testfeld im Ruhrgebiet zu schaffen, seien gegeben: das ausgeprägte Kanal- und Hafennetz mit dem Duisburger Hafen als Knotenpunkt, eine der dichtesten Forschungslandschaften Deutschlands und ein bereits existierender Flachwasserfahrsimulator belegen das. Als mögliche ideale Teststrecke haben die Macher der Studie den Abschnitt des Dortmund-Ems-Kanals zwischen dem Hafen Dortmund und der Schleuse Waltrop benannt. Der etwa 20 Kilometer lange Stichkanal sei moderat bis gering befahren, biete ausgewogene navigatorische Schwierigkeiten und wenig Gefahrguttransporte. Zudem könnten an der Schleuse Waltrop Schleusenmanöver getestet werden sowie Anlegemanöver in den Hafenbecken. Daran gekoppelt sei der Aufbau eines Kompetenzzentrums, das neben Forschungs- und Entwicklungsaufgaben den Betrieb der Testschiffe koordinieren und betreuen soll.

Jetzt geht’s ums Werben von Fördermitteln

Die Vorteile für die Wirtschaft seien zwar erst in einigen Jahren sichtbar, doch dürfe man es nicht verschlafen, „Kosten- und Wettbewerbsvorteile für die Zukunft zu erarbeiten“, so Michael Viefers vom Logistikunternehmen Rhenus, vor allem in Bezug auf die Verkehrsträger Schiene und Straße.

Jetzt heißt es: Werben um öffentliche Fördermittel. Denn die Binnenschifffahrt allein könne die Kosten nicht tragen: Für ein Testfeld mit zwei Testschiffen von je etwa einer halben Million Euro und einem Kompetenzzentrum kalkulieren die Macher der Studie etwa 1 bis 1,5 Millionen Euro jährlich. Für den angestrebten Durchlauf von zehn Jahren ergäbe das eine Summe von etwa 10 bis 15 Millionen Euro.

>>>> Der mögliche Zeitplan

Aufgrund des intensiven Wettbewerbs empfiehlt die Studie einen zügigen Beginn des Projekts. Er könnte wie folgt aussehen:

  • 2019: Start des Projekts „Autonomes Binnenschiff“.

  • 2020: Das Kompetenzzentrum soll gegründet und das Testfeld eingerichtet werden.

  • 2021: Erste Testläufe mit bedingter Automatisierung sollen stattfinden.

  • 2022: Vollautomatisierte Schiffe sollen im Ruhrgebiet auf Testfahrt gehen.

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