Kühles Theaterstück aus Boulevard-Komponenten

Die Zutaten für diesen Theaterabend kommen aus der Tradition des Boulevardstücks: eine Dreiecksgeschichte, ein Bett, unter dem man verschwinden kann, ein paar Missverständnisse und schnelle Dialoge. Doch nette Unterhaltung hatten sowohl Autor Jens Roselt als auch die Akteure vom Theater „Prima Plan“ bei „Dreier“ nicht im Sinn.

Die Zutaten für diesen Theaterabend kommen aus der Tradition des Boulevardstücks: eine Dreiecksgeschichte, ein Bett, unter dem man verschwinden kann, ein paar Missverständnisse und schnelle Dialoge. Doch nette Unterhaltung hatten sowohl Autor Jens Roselt als auch die Akteure vom Theater „Prima Plan“ bei „Dreier“ nicht im Sinn.

„Prima Plan“ ist eine neue Theatergruppe in der Region. Profis sind sie nicht, aber Jutta Nowak-Strauch, Mike Reusch und Marcus Matten sind der Bühne schon lange verbunden, unter anderen durch ihre Arbeit beim Improvisationstheater „Schwanensees Rache“ oder bei den „Compañeras“. Für ihre erste gemeinsame Produktion haben sie das etwa 15 Jahre alte Stück des Theaterwissenschaftlers Jens Roselt ausgewählt. Eine Frau liegt mit ihrem Liebhaber nach dem Sex im Bett. Man wirkt gelangweilt und redet aneinander vorbei. Plötzlich steht der Ehemann vor der Tür. Einen Moment scheint vieles möglich. Sex ebenso wie großes Drama. Doch nichts von dem passiert. Man gibt sich gelassen, baut in wechselnden Konstellationen neue Lügen auf und lässt sie wieder zusammenbrechen. Drei Personen zelebrieren in diesem als kühles Theaterlabor angelegten Stück ihren schlecht getarnten Lebens-Ekel. Sie betrügen den anderen und vor allem sich selbst.

„Prima Plan“ wird dem frostigen Blick des Autors gerecht. Vor allem Mike Reusch überzeugt als Ehemann und zynischer Staatsanwalt. Sein Mund kann zum Strich werden, die Finger tanzen fast gespenstisch übers Jackett, Ehrgeiz und Widerwillen spiegeln sich auf seinem Gesicht. Sanft, fast verträumt schaut dagegen Marcus Matten als Liebhaber in die Welt, auch wenn er erzählt, wie er reihenweise Tauben vergiftet. Lediglich Jutta Nowak-Strauch gestattet ihrer Figur einen Hauch von Sehnsucht. Doch der wird gleich wieder von einer Mischung aus Resignation und Pragmatismus überdeckt.

Für seine erste Produktion hat „Prima Plan“ ein nicht ganz einfaches Stück ohne Sympathieträger ausgewählt. Mag sein, dass die Tempowechsel in diesem „Dreier“ mit einem Regisseur noch pointierter hätten herausgearbeitet werden können, doch das Wagnis hat sich gelohnt. Auf weitere Arbeiten darf man neugierig sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben