Krimilesung im Polizeipräsidium

„Herzlich willkommen in meinem Haus. Ich hoffe, sie haben heute viel Spaß hier“, sagte die Duisburger Polizeichefin Dr. Elke Bartels den knapp 30 Leuten, die sich am Dienstagabend im Polizeipräsidium an der Düsseldorfer Straße versammelt hatten. „So nett begrüßen wir hier nicht alle unsere Besucher“, fügte sie gut gelaunt hinzu.

Ihre Gäste machten es sich gemütlich, um einer Lesung aus der Reihe „Kultur trifft Demenz“ der Alzheimer-Gesellschaft Duisburg zu lauschen. Orla-Maria Wunderlich und Wolfgang Mathia lasen abwechselnd aus drei Kriminalromanen vor, in denen die Themen Demenz, Erinnern und Vergessen eine Rolle spielen. In Martin Sutters preisgekröntem Krimi „Small World“ verliert ein Mann allmählich sein Kurzzeitgedächtnis, dafür tauchen lange verschüttete Erinnerungen an seine Kindheit auf. Seine Familie möchte dieses Wissen um jeden Preis unterdrücken.

Schreckliche Erinnerungen quälen auch die Heldin aus dem Band „Bis du vergisst“ der Krimiautorin und Germanistin Friederike Schmöe. Darin erfährt eine ältere Dame von ihrem Arzt, dass sie an Demenz leidet. Sie beschließt daraufhin, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen, löst damit allerdings in ihrer Gegenwart eine Katastrophe aus.

In John Katzenbachs „Der Professor“ beobachtet der Titelheld die Entführung eines Mädchens. Oder ist das Verbrechen nur eine der vielen Halluzinationen, die ihn heimsuchen, seit er an schnell voranschreitender Lewy-Körperchen-Demenz erkrankt ist? Er ahnt, dass ihm nicht viel Zeit bleiben wird, um das herauszufinden.

Die ungewöhnliche Mischung aus schwerer Kost und Spannungsliteratur servierten die zwei Vorleser von der Alzheimer-Gesellschaft mit einer Garnitur aus Erkennungsmelodien alter Krimiserien. Ihre Zuhörer hatten Gelegenheit, sich durch Einspieler musikalisch an „Derrick“, „Die Straßen von San Francisco“ und „Miss Marple“ zu erinnern. Ein paar Takte Musik aus „Der Kommissar“ – und sofort erscheint den älteren Krimifans Erik Ode mitsamt seinem schwarz-weißen Büro und Vorzimmerdame Fräulein Rehbein vor dem inneren Auge. So nahmen die Besucher von diesem Literaturabend ganz nebenbei die Erkenntnis mit, dass Musiktherapie eine hochwirksame Behandlungsform ist.

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