Sucht-Selbsthilfe

Kreuzbund: Stadtverband Duisburg will sich verjüngen

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.   Die Selbsthilfe-Organisation für Suchtkranke wirbt um jüngere Mitglieder. Auch der Frauenanteil soll steigen. Es gibt 24 Gruppen in Duisburg.

„Nur du allein schaffst es, aber du schaffst es nicht allein.“ Das ist die Maxime des Kreuzbundes für ein Leben ohne Alkohol, Drogen, Medikamente oder Glücksspiel. Auf den 60. Jahrestag seiner Gründung blickt der Stadtverband Duisburg der Selbsthilfe-Organisation für Suchtkranke mit Sitz in der Nikolausburg in Ruhrort im nächsten Jahr zurück. „Wir wollen vor allem für jüngere Mitglieder attraktiver werden“, sagt Franz-Josef Werner. Der 68-Jährige, einst Leiter des Caritas-Suchthilfezentrums, ist seit zwei Jahren Vorsitzender.

Resonanz zuletzt gestiegen

Nach einer Delle im Zulauf zu den Gruppen, die sich allwöchentlich in allen Duisburger Stadtteilen treffen, ging es zuletzt wieder aufwärts mit den Besucherzahlen. Die Spitzenzahl von 35 Gruppen vor zehn Jahren schmolz vorübergehend auf 19, nun gibt es wieder 24 Gruppen mit rund 320 Teilnehmern, rund 220 davon sind auch Vereinsmitglieder.

„Wir sind auch die Interessenvertretung der Suchtkranken“, erläutert Werner, „wenn es um stationäre Entwöhnung geht oder um die Kostenübernahme für eine ambulante Reha, dann kommt es nicht selten zu Problemen.“

Trotz zuletzt steigender Resonanz macht die Altersstruktur der Gruppen dem Vorstand Sorge. „Nur etwa zehn Prozent unserer Mitglieder sind unter 50“, sagt Jörg Witt, der stellvertretende Vorsitzende, „es gibt Gruppen, in denen ist keiner unter 50.“ Das, so wissen die seit Jahrzehnten Aktiven, hat auch demografische Gründe – weniger junge Menschen, weniger junge Suchtkranke, die beim Kreuzbund solidarische Unterstützung suchen.

Ohne die Gruppe geht es nicht

„Natürlich leben die Jüngeren von den erfahrenen Abstinenzlern“, sagt Artur Fensky, „man braucht die Unterstützung der Gruppe, um es zu schaffen.“ Viele kommen zunächst nicht aus eigenem Antrieb, sagt Fensky, werden gedrängt vom Arbeitgeber, dem Partner, oder nach dem Verlust des Führerscheins. Viele Jahre währen oft schon die Suchtkarrieren, bis der Leidensdruck so groß ist, dass die Betroffenenden den Weg zum Kreuzbund suchen. Doch dann bleibt die Bindung zu den Gruppen oft über Jahrzehnte. „Die körperliche Abhängigkeit ist schnell abschließend behandelt, die psychische bleibt ein Leben lang“, so der Vorstandskassierer.

Noch immer wird der Kreuzbund vor allem als Selbsthilfe für Alkoholkranke wahrgenommen, dabei hat er sich schon vor Jahren auch für Abhängige von Mediamenten, Cannabis oder Glücksspiel geöffnet. „Die Fragestellungen sind bei allen Suchterkrankungen die gleichen“, sagt Achim Lawrenz, der sich im Vorstand für die Präventionsarbeit engagiert.

Auch die Frauen nimmt der Vorstand verstärkt in den Blick. „Die Einsamkeit nach Beginn des Rentenalters oder nach anderen Einschnitten im Leben ist bei vielen oft der Auslöser für die Sucht“, so Margret Podolski, die Öffentlichkeitsarbeit für die Organisation macht. Auch bei erst kurzzeitigen Abhängigkeiten gelingt der Weg aus der Sucht leichter mit der Unterstützung anderer Betroffener. „Vier Jahre nach der Entwöhnung werden 50 Prozent der Suchtkranken rückfällig“, zitiert Franz-Josef Werner Statistiken, „in Selbsthilfegruppen bleiben 70 Prozent der Teilnehmer dauerhaft abstinent.“

>>KONTAKT, BERATUNG UND VERANSTALTUNGEN

Sitz des Kreuzbundes ist die Nikolausburg an der Fürst-Bismarck-Straße 34 in Ruhrort. Die Geschäftsstelle ist dienstags, donnerstags und freitags von 8.30 bis 11.30 Uhr geöffnet. Kontakt: 0203/86747, Mobil: 0163/ 3706327;E-Mail: info@kreuzbund-duisburg.de, www.kreuzbund-duisburg.de.

Jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr ist das Beratungscafé im Ingenhamshof in Meiderich, Am Ingenhamshof 1, geöffnet für Austausch und Information. Die Möglichkeit zu Gespräch und Unterhaltung gibt es auch beim Mittwoch-Treff, 18 bis 19 Uhr, in der Nikolausburg in Ruhrort.

Walking-Gruppen treffen sich am Freitag (Walsum, Netto-Parkplatz) und Samstag (9 Uhr, Seehaus, Seehaus, Sportpark Wedau). Im Frühjahr startet der Kanutreff in Mülheim, dort wird auf der Ruhr für die Drachenboot-Regatta trainiert. Ein Tennis-Treff im ist im Aufbau, regelmäßig bietet der Kreuzbund auch Ausflüge an.

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