Philharmonie Mercatorhalle

Kolja Blacher bei den Duisburgern gleich dreifach im Einsatz

Mit dem Werk Pentagramm seines Vaters Boris hat Kolja Blacher das 8. Philharmonische Konzert in der Mercatorhalle in Duisburg eröffnet.

Mit dem Werk Pentagramm seines Vaters Boris hat Kolja Blacher das 8. Philharmonische Konzert in der Mercatorhalle in Duisburg eröffnet.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.   Beim 8. Philharmonischen Konzert ist der Geiger als Dirigent, Konzertmeister und Solist an einem Abend zu erleben. Das Publikum wird mitgerissen.

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Die aktuelle Saison der Duisburger Philharmoniker wird wohl als die „Spielzeit der dirigierenden Musiker“ in die Geschichte eingehen. Hornist Radek Baborák und Tenor Christoph Prégadien haben sich bereits präsentiert, nun folgt der Geiger Kolja Blacher, den das Publikum bereits als Residenzkünstler der Saison 2014/15 kennengelernt hat. Diesmal ist er als Dirigent, Konzertmeister und Solo-Geiger an einem Abend zu erleben.

Mit einem Werk seines Vaters Boris Blacher beginnt das Konzert: „Pentagramm“ für 16 Streicher spielt im Titel auf die Architektur der Berliner Philharmonie an, wo das Stück 1975 uraufgeführt wurde. Es handelt sich aber um keine Raummusik, sondern um eine introvertiert-nachdenkliche Musik mit vielen Brüchen und kurzen Melodien, die wie verstreute Fragmente wirken. Überraschend ist der Beginn mit seiner Mischung aus gezupften Tönen und Klopfgeräuschen auf den Celli.

Langer Applaus für fordernde Klänge

Kolja Blacher dirigiert das mit weit ausholenden Armen, die eine fast tänzerische Schlagtechnik vollführen. Ungewöhnlich ist, dass das Duisburger Publikum für diese fordernden Klänge nicht nur einen bloßen Höflichkeitsapplaus spendet, sondern länger applaudiert, als man es sonst bei zeitgenössischer Musik gewohnt ist.

Bei Beethovens Sinfonie Nr. 2 nimmt Blacher auf dem Stuhl des Konzertmeisters neben Tonio Schibel Platz und wird so Teil des Orchesters. Dabei wiegt er sich mit dem Oberkörper im Takt der Musik und seine Körpersprache überträgt sich auch auf die anderen Streicher. Wenn die 1. Geigen pausieren, zeigt Blacher kleine Akzente mit dem Geigenbogen an. Diese Aufführung ist von der Wucht der Akkorde und der Kraft des Rhythmus geprägt. An den klanglichen Feinheiten hat Blacher sorgfältig gearbeitet, die Dynamik ist abwechslungsreich gestaffelt. Das Wechselspiel der Soli aus dem Orchester macht Spaß. Die dagegen gesetzten Synkopen des gesamten Orchesters sorgen für gehörige Knalleffekte. Wahrscheinlich haben solche Momente das Publikum zu Beethovens Zeiten ebenso verstört wie Blachers Klopfgeräusche die heutigen Zuhörer.

Laut und kraftvoll

Strahlte das D-Dur den Hörer in der Beethoven-Sinfonie geradezu an, so wirkt die gleiche Tonart in Brahms Konzert für Violine und Orchester op. 77 verdüstert. Blacher wechselt hier zwischen den Funktionen als Dirigent und Solist. Er hat das ganze Stück im Kopf, dirigiert und spielt die gesamte Aufführung auswendig. Seine Passagen beginnt er mit in einem kräftigen-drahtigen Bogenstrich, der dann erst in den hohen Lagen zu einem entspannt-verklärten Ton findet. Die Philharmoniker spielen opulent auf, von besonderer Schönheit ist die Bläsereinleitung des Adagio. Im Finale nimmt es Blacher im Überschwang des Musizierens mit der Intonation nicht immer ganz genau und das Orchester poltert lautstark daher. Trotzdem, oder vielleicht deswegen, wird aber das Publikum von der Kraft der Musik mitgerissen und es gibt großen Jubel.

Geiger Reinhard Goebel am Pult

Als nächster dirigierender Musiker ist am 10. Und 11. April Reinhard Goebel am Pult der Philharmonischen Konzerte zu erleben.

Der ist ebenfalls gelernter Geiger und erlangte als Leiter von „Musica Antiqua“ Weltruhm.

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