Stahlindustrie

Kokerei Schwelgern in Duisburg feiert zehnten Geburtstag

Die weiße Wolke über der Kokerei Schwelgern ist etwa alle zehn Minuten zu sehen.

Die weiße Wolke über der Kokerei Schwelgern ist etwa alle zehn Minuten zu sehen.

Foto: Hans Blossey

Duisburg.   Seit 2003 steigen am Duisburger Schwelgerhafen im Zehn-Minuten-Takt weiße Schwaden in die Luft. Seitdem ist dort eine neue Kokerei in Betrieb. Sie löste die über 100 Jahre alte umweltunfreundliche Kokerei August Thyssen in Bruckhausen ab. Trotzdem war der Bau der Nachfolgerin eine schwere Geburt.

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Alle zehn Minuten steigt eine mächtig weiße Wolke in die Höhe – und das seit genau zehn Jahren: Im Sommer 2003 ging die neue Kokerei am Schwelgernhafen in Betrieb und der aufsteigende Wasserdampf der Kokslöschung ist seither ein Lieblingsmotiv für Hobby- und Profifotografen.

Als Gewinn für die Umwelt feiert Thyssen-Krupp den Anlagenbau, der damals rund 733 Mio Euro gekostet hat, weil mit der Inbetriebnahme die mehr als 100 Jahre alte Kokerei August Thyssen in Bruckhausen außer Dienst gestellt werden konnte. Sie war mit ihren teils aus den 50er Jahren stammenden Koks-Batterien seit Jahren in der Kritik wegen ihres hohen Schadstoffausstoßes.

Schwere Geburt

Doch die heute gefeierte Kokerei direkt am Werkshafen war seinerzeit eine schwere Geburt. Stahl war massiv in der Krise, Thyssen dachte gar daran, sich von der Sparte komplett zu trennen, Arbeitsplätze wurden zu Tausenden abgebaut, Werksbereiche ausgegliedert und abgegeben. Nicht zuletzt waren es Betriebsrat und IG Metall, die auf Investitionen zur Sicherung des Stamm-Standorts drängten.

„Es war eine mutige Entscheidung in Krisenzeiten“, so Kokerei-Chef Peter Liszio fünf Jahre später. Da war die Koksfabrik im Norden der Stadt Vorzeige-Objekt für die ganze Branche geworden.

320 Mitarbeiter beschäftigt

Drei Jahre dauerte die Bauzeit, bis der erste Koks „gedrückt“ wurde. Neu war auch die Kokereibetriebsgesellschaft Schwelgern (KBS), die mit Sitz am Alsumer Steig Betreiberin der Anlage ist. Eigentümer ist die vom Stahlkonzern unabhängige Carbonaria Beteiligungsgesellschaft in Bayern.

320 Mitarbeiter beschäftigt die Kokerei heute. Sie verfügt über eine Jahreskapazität von rund 2,6 Mio Tonnen „qualitativ besonders hochwertigem Hochofenkoks“, wie Thyssen-Krupp Steel lobt. Das Unternehmen stellt damit den Koksbedarf der beiden Großhochöfen in Schwelgern sicher und rund 65 Prozent des gesamten Koksbedarfs.

Unabhängig von fremden Koks

Mit der Inbetriebnahme der neuen Kokerei, die derzeit bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann entsteht, wird Thyssen-Krupp noch unabhängiger von fremdem Koks, da die Anklage im Süden der Stadt mehr Koks liefern wird, als HKM selbst verbraucht.

Ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil des Neubaus in Schwelgern war und ist die Einbindung in den Energieverbund des Hüttenwerks: Das im Erzeugungsprozess entstehende Koksofengas geht direkt zur Verstromung ins Kraftwerk.

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