Premiere

Klassischer Walzer beim Rollstuhltanz-Festival in Duisburg

Tanzlehrer Udo Dumbeck (rechts) tanzt zusammen mit den Teilnehmern in seinem Workshop den klassischen langsamen Walzer.

Foto: Ute Gabriel

Tanzlehrer Udo Dumbeck (rechts) tanzt zusammen mit den Teilnehmern in seinem Workshop den klassischen langsamen Walzer. Foto: Ute Gabriel

Duisburg.   Das erste von drei Rollstuhltanz-Festivals mit Teilnehmern aus ganz Deutschland initiierte der Verein „Tanzen Inklusiv in NRW“ in Duisburg.

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„Wenn die Menschen Rollstuhltanzen hören, denken die meisten an einen Behindertentanz“, sagt Katharina Engel (33), „das ist aber falsch.“ Die Berlinerin sitzt selbst im Rollstuhl und ist eine von 52 Teilnehmern aus ganz Deutschland mit und ohne „Rolli“ beim ersten Rollstuhltanz-Festival des Vereins „Tanzen Inklusiv in NRW“ – gefördert von der „Aktion Mensch“. Duisburg ist an diesem Wochenende Austragungsort bei der Premiere mit Workshops und sportlichem Wettkampf und soll es auch in den nächsten zwei Jahren sein. Der Grund: In der Sportschule Wedau gibt es beste Voraussetzungen und Übernachtungsmöglichkeiten durch ausreichend behindertengerechte Zimmer.

Fortgeschrittene und Anfänger in den Workshops

„Alle, die in den Cha-Cha-Cha-Workshop möchten, einmal bitte zur Andrea Volkmann. Wer den langsamen Walzer lernen möchte, versammelt sich bei mir“, ruft Udo Dumbeck, Vorsitzender von „Tanzen Inklusiv in NRW“, der die Gruppe der Fortgeschrittenen unterteilt. „Alle Anfänger lernen im Schnupperkurs zunächst die Grundschritte des Discofox“, erklärt der Tanzlehrer.

Er ist bereits zweimal als Fußgänger zusammen mit einer Rollstuhlfahrerin Deutscher Meister geworden. Doch er zeigt nicht nur den Fußgängern die Schrittfolge – er setzt sich auch selber in den Rollstuhl: „Der Rollstuhlfahrer wird nicht einfach hin und her geschoben – er bewegt sich völlig selbstständig. Genauso wie ich den Fußgängern die Schritte erkläre, zeige ich den Rollis eine Drehung mit dem Rad“, erklärt Dumbeck.

Für die meisten Teilnehmer ist so eine Drehung bereits kinderleicht. Viele von ihnen sind erfahrene Tänzer – wie Melisande Köhler (24) und Sandra Burkhardt (29). Die Stuttgarterinnen tanzen bereits seit fünf Jahren zusammen. „Für mich ist diese Art zu tanzen völlig normal, ich bin damit aufgewachsen: Mit 14 fing ich an mit meiner Schwester zu tanzen, die im Rollstuhl sitzt“, erklärt Fußgängerin Köhler. Sie sind nicht nur nach Duisburg gekommen, um neue Choreographien zu erlernen: „Es ist schön, neue Freunde zu finden, denen das Tanzen genauso viel Spaß macht“, sagt Burkhardt.

Siegerpokal geht nach Chemnitz

Diese Leidenschaft teilt auch Katharina Engel: „Sobald die Musik beginnt und ich lostanze, habe ich das Gefühl, ich könnte fliegen.“ Aber anders als die beiden Stuttgarterinnen agiert die Berlinerin im Duett. Mit zwei „Rollis“ verlangt das eine noch höhere Konzentration.

Nach den Workshops und einem gemeinsamen Abendessen in der Sportschule geht’s im Wettkampf zur Sache. Am Ende nehmen Uwe Rebenack und Sandra Matthes aus Chemnitz den Siegerpokal mit nach Hause. Doch der Wettkampf ist für Dumbeck nicht das Wichtigste bei der Veranstaltung: „Unser Motto ist Inklusion: Es ist egal, ob jemand ein Handicap hat oder nicht und wer ein guter oder schlechter Tänzer ist – nur die Leidenschaft zum Tanzen zählt.“

>> ZWEI TANZFESTIVALS IM NÄCHSTEN JAHR

Der Termin für das zweite Rollstuhltanz-Festival steht : Vom 14. bis 16. September 2018 hofft „Tanzen Inklusiv in NRW“ auf noch mehr Teilnehmer.
Der Verein bietet außerdem ein weiteres Tanz-Festival für Menschen mit und ohne geistige Behinderung an. Getanzt wird vom 17. bis zum 18. Februar 2018 in dem Jugendgästehaus des Sportparks Duisburg.

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