Kopftuch

Kein Zutritt für muslimische Mutter im Verein BSF Hamborn 07

Tochter Azra (6),  Mutter Tuba, Tochter Elif (4) sowie Freundin Jennifer Schiller und ihr Sohn Moritz (4) sind fassungslos.

Foto: Udo Gottschalk

Tochter Azra (6), Mutter Tuba, Tochter Elif (4) sowie Freundin Jennifer Schiller und ihr Sohn Moritz (4) sind fassungslos. Foto: Udo Gottschalk

Duisburg.   Der BSF Hamborn 07 Top Fit ließ eine muslimische Mutter und ihre Kinder nicht rein, weil sie ein Kopftuch trug. Der Verein sagt: Das war richtig.

Tuba ist bitter enttäuscht. Die 29-Jährige hatte ihren kleinen Töchtern Tanzunterricht versprochen und für die erste Schnupperstunde beim Verein BSF Hamborn 07 Top Fit neue Sportschuhe gekauft. Doch am Empfang des vereinseigenen Fitnesscenters an der Kaiser-Friedrich-Straße in Hamborn ließ man die Familie nicht durch. Der Grund: Tuba trägt ein Kopftuch.

Vielleicht war alles nur ein Missverständnis? Das zumindest hoffte noch die befreundete Mutter Jennifer Schiller. Sie wollte ihren Sohn ebenfalls zum Sport bringen, als sie Tuba mit Tränen in den Augen in der Tür antraf. Am Empfang bekam auch Schiller die Erklärung zu hören: „Kein Zutritt mit Kopftuch.“ Dass Tuba gar nicht selbst mittanzen wolle, spiele keine Rolle.

Hätte Jennifer Schiller ihr nicht den Rücken gestärkt, wäre Tuba vielleicht nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Ihren Nachnamen möchte die 29-Jährige nicht veröffentlicht sehen. Seit dem Vorfall fühlt sie sich stigmatisiert. „Wenn ich jetzt mit meinem Kopftuch über die Straße gehe, habe ich das Gefühl, dass ich anders angeschaut werde“, sagt die gebürtige Duisburgerin. Es ärgert sie, dass sie vor ihren Töchtern in Tränen ausbrach. Als Mutter, sagt sie, will man doch stark sein. „Hätten sie mich nicht zur Seite nehmen können? Dann hätte ich mir für die Kinder eine andere Erklärung einfallen lassen.“ Wie gern hätte sie den Mädchen dieses Erlebnis erspart. „Wie soll man das einer Vier- und einer Sechsjährigen erklären?“

Vereinsvorsitzender nimmt Stellung

Auf Anfrage dieser Zeitung verweist Udo Salzburger, 1. Vorsitzender des Vereins, auf die Satzung. Dort steht: „Der Verein hat zur Aufgabe, nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit und unter Ausschluss von parteipolitischen, konfessionellen, beruflichen, rassischen und militärischen Gesichtspunkten den Sport zu fördern.“ Salzburger legt das so aus: „Wir verfolgen unter anderem eine religiöse und weltanschauliche Neutralität. Da eine muslimische Frau das Kopftuch symbolisch als Zeichen ihrer Frömmigkeit und damit als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur islamischen Religion trägt, können wir schon allein auf Grund der allgemeinen Gleichbehandlung hier keine Ausnahme machen.“ Die Mitarbeiter hätten sich „völlig korrekt verhalten“, meint Salzburger. „Ob die muslimische Mutter charmant oder wenig charmant behandelt wurde, kann ich nicht beurteilen. Wenn sie das Gefühl hat, anders behandelt worden zu sein als andere, ist es ihr rein subjektives Empfinden.“

Einen Widerspruch zur Gemeinnützigkeit des Vereins sieht Salzburger nicht. Vielmehr bestreitet er sogar, dass der Verein Fördergeld erhält: Für den Umbau der Sportanlage seit 2004 seien „Fördermittel der öffentlichen Hand Fehlanzeige“ gewesen. Aus den Unterlagen des Vereinsregisters geht anderes hervor: Bei der Jahreshauptversammlung 2012 wurde eine Investitionshilfe der Stadt Duisburg über 130 000 Euro notiert. Laut Stadt erhielt der Verein seit 2013 zudem Zuschüsse über 17 744,58 Euro für Unterhaltungskosten.

>> 2014 Streit um Muskelshirt

Der Verein BSF Hamborn 07 Top Fit ist aus einer Aufspaltung des ehemals großen Vereins Hamborn 07 hervorgegangen – genauer gesagt aus der ehemaligen Boxabteilung. Heute zählt der Verein zu den mitgliederstärksten. Duisburgweit rangiert er auf Platz vier.

Für ein Kleiderverbot landete der Verein bereits 2014 in den Schlagzeilen: Ein Sportler hatte gegen das Muskelshirt-Verbot aufbegehrt. Der Verein hatte als Konsequenz ein Ausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet. Ein Gericht stellte fest: Dieser Rausschmiss war nicht gerechtfertigt.

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