Havarie

Kapitän steht noch unter Schock - Ursache für Unglück in Duisburg ist unklar

Schwere Schäden am Bug erlitt dass Hotelschiff Swiss Crystal beim Zusammenstoß auf dem Rhein in Duisburg mit einem Pfeiler der A42-Brücke. (Foto: Thomas Richter)

Schwere Schäden am Bug erlitt dass Hotelschiff Swiss Crystal beim Zusammenstoß auf dem Rhein in Duisburg mit einem Pfeiler der A42-Brücke. (Foto: Thomas Richter)

Duisburg.   Das voll besetzte Hotel-Schiff, das einen Brückenpfeiler der A42 in Duisburg gerammt hat, ist mittlerweile in die Niederlande abtransportiert worden. 30 Menschen wurden bei dem Unglück verletzt.

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Kurz nach Mitternacht atmen sie auf, die 170 Helfer ebenso wie die 129 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord. Denn da zeichnet sich ab, dass sie noch einmal Glück im Unglück gehabt haben, als das Hotelschiff „Swiss Crystal“ bei Duisburg-Baerl am Dienstagabend mit einem der Pfeiler der A42-Brücke kollidiert ist. Ja, 30 Menschen sind bei dem Unfall verletzt worden, vier von ihnen sogar schwer, aber niemand schwebt in Lebensgefahr, das Schiff ist nicht gesunken. Und in kürzester Zeit sind die Retter vor Ort. „Alles hat richtig gut geklappt“, ist Duisburgs Feuerwehrchef Oliver Tittmann zufrieden, als er von Bord geht. „Großes Lob an alle Einsatzkräfte.“

20.45 Uhr ist es und die Swiss Crystal ist auf dem Weg zurück nach Arnheim, als es nach Schilderung von Passagieren „plötzlich einen Knall“ und „einen Rumms“ gibt“, der viele an Bord von den Beinen holt. „Nach ersten Erkenntnissen ist das Schiff in der Rechtskurve des Rheins geradeaus gefahren und gegen den Brückenpfeiler auf Baerler Seite geprallt“, erklärt der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat am nächsten Morgen. Warum genau es zur Havarie kommt, ist bisher noch ungeklärt. Der Kapitän stehe unter Schock, so van der Maat, und sei zunächst nicht vernehmungsfähig gewesen. Ein Alkoholtest habe aber keinen Hinweis darauf gegeben, dass der Mann betrunken gewesen sei. Auch habe das Schiff Normalgeschwindigkeit gehabt und sei rund 25 Stundenkilometer schnell gewesen.

Schiff muss nach Havarie in Duisburg evakuiert werden

Nach der Alarmierung rückt zunächst ein kleines, wendiges Feuerwehrboot mit zwei Ersthelfern an Bord von der Hafenwache in Ruhrort zur Unglücksstelle aus. Doch schnell wird den Männern der Ernst der Lage klar, sie lösen Großalarm aus. Vier Notärzte kommen zur Erstversorgung der Verletzten an Bord. Wenig später wird entschieden, das Schiff zu evakuieren.

Die Passagiere werden auf die „Emily Brontë“ gebracht – ein zweites Hotelschiff, das zufällig an der Unglücksstelle vorbeigekommen und sofort zu Hilfe geeilt ist und seitlich am Havaristen festgemacht hat. Sie ist es auch, die die „Swiss Crystal“ zur Mühlenweide nach Ruhrort schleppt. „Wir hatten uns nach einer Sichtung der Lage gegen eine Bergung der Schwerverletzten am Unglücksort entschieden, weil uns das auf dem Wasser zu risikoreich erschien. Deshalb wurden sie an Bord des zweiten Schiffes betreut und in Ruhrort an Land gebracht“, erklärte Tittmann.

Zehn Verletzte mussten in ein Krankenhaus

Dort stehen schon zahlreiche Rettungskräfte und Feuerwehrmänner bereit, als das Unglücksschiff eintrifft. „Zehn Personen wurden in Duisburger Krankenhäuser gebracht. Deren Angehörige sowie einige unserer Crewmitglieder übernachteten dann an Bord des Schwesternschiffs Swiss Diamond, das kurzfristig ebenfalls an der Mühlenweide angelegt hatte“, berichtete Manuela van Zelst, Geschäftsführerin der Schweizer Reederei Scylla. Die meisten unverletzten Passagiere werden noch in der Nacht mit Bussen in ihre niederländische Heimat zurückgefahren.

Verletzte nach Schiffskollision bei Duisburg

Ein Schiff mit mehr als 100 Passagieren an Bord war am Dienstagabend gegen einen Brückenpfeiler geprallt. Die Polizei untersucht die Hintergründe des Unfalls, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden.
Verletzte nach Schiffskollision bei Duisburg

Da bangen sie bei Straßen NRW noch um die A 42-Brücke über den Fluss. Weil in der Dunkelheit niemand sagen kann, wie schwer das Bauwerk durch die Kollision beschädigt wurde, wird die Autobahn zwischen Baerl und Beeck in beide Richtungen gesperrt. Schon früh am Morgen stauen sich die Autos mehr als fünf Kilometer – und das an einem der ruhigsten Tage des Jahres.

Statiker gibt nach Prüfung der A42-Brücke Entwarnung

Zum Glück gibt ein Statiker am Morgen Entwarnung. „Die Überprüfung hat ergeben, dass die Brücke nicht länger gesperrt werden muss“, teilt Landesbaubetrieb Straßen NRW mit, als die Autobahn gegen Mittag wieder freigegeben wird.

Das Unglücksschiff bleibt zur Ermittlung der Unglücksursache auch am Mittwoch am Steiger Mühlenweide liegen, ehe es am Donnerstag zu einer Werft in Hardinxfeld in den Niederlanden abgeschleppt wird, um es dort zu reparieren.

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