Ausländerrecht

Kampf um Familienzusammenführung: Issa dankt Unterstützern

Erleichterung beim Treffen im Landtag: Issa war zwei Jahre von seinen Eltern und Schwestern getrennt, sie in Essen, er in Beirut. Vorne stehen Zaraah (li.) und Dunja. Treibende Kraft in dem Verfahren war Sigrid Beer vom Petitionsausschuss neben Bedriye (28) und Louay El Merhi (37).

Erleichterung beim Treffen im Landtag: Issa war zwei Jahre von seinen Eltern und Schwestern getrennt, sie in Essen, er in Beirut. Vorne stehen Zaraah (li.) und Dunja. Treibende Kraft in dem Verfahren war Sigrid Beer vom Petitionsausschuss neben Bedriye (28) und Louay El Merhi (37).

Foto: Annette Kalscheur

Düsseldorf/Duisburg/Essen.   Familie El Merhi kämpfte zwei Jahre, Sohn Issa aus dem Libanon zu holen. Jetzt trafen sie ihre Unterstützer vom Petitionsausschuss im Landtag.

Schokolade wird die nächste Sitzung des Petitionsausschusses versüßen. Dabei würde die längste Praline der Welt nicht ausreichen, die Dankbarkeit der Familie El-Merhi auszudrücken. Sie sind in den Landtag gekommen, um zumindest einigen der vielen Menschen zu danken, die halfen, dass ihr Sohn Issa nach zwei Jahren wieder bei ihnen ist. Der Dreijährige hält eine gelbe Quietscheente fest, Landtag steht darauf. Eng schmiegt er sich an seinen Vater, während er aus dem Fenster auf den Rhein blickt und die Schiffe bestaunt.

Seit Dezember 2016 wuchs Issa bei seiner Tante in Beirut auf. Nach einer Reise zu einer Beerdigung im Libanon konnte der damals Einjährige wegen seines Aufenthaltsstatus nicht wieder ausreisen.

Seine Mutter flog nach Deutschland, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Am Ende brauchte es zwei Jahre, eine Hochzeit, einen Umzug, eine einjährige Berufstätigkeit der dreifachen Mutter, eine Online-Petition mit über 100.000 Unterschriften und viel Energie von Politikern, Behörden, Justiziaren. „Der ganze Petitionsausschuss stand dahinter, über alle Parteizugehörigkeiten hinweg, wir haben alle Kontakte aktiviert“, betont Serdar Yüksel, der Vorsitzende des Petitionsausschusses.

Staatsminister intervenierte persönlich in dem Fall

Am Ende mischte sich auch Staatsminister Niels Annen vom Auswärtigen Amt persönlich ein, ohne ihn wäre Issa womöglich immer noch im Libanon. Auch die Behörden in Essen seien „sehr hilfreich“ gewesen in diesem komplexen Verfahren, lobt Sigrid Beer, Sprecherin des Petitionsausschusses.

Zuvor war die Familie in Duisburg an Auflagen gescheitert, zog schließlich um nach Essen. Eine glückliche Fügung war auch, dass Ausschuss-Mitglied Berivan Aymaz nach Beirut reiste und Sigrid Beer ihr spontan den Antrag auf Familienzusammenführung mitgab, der dann persönlich in der Botschaft abgegeben wurde. Auch das brachte Tempo in eine zähe Angelegenheit.

Solche Anträge auf Familien-Nachzug dauern in Beirut aktuell anderthalb Jahre, berichten die Politiker. Alle Menschen, die aus Syrien geflüchtet sind und ihre Familie zusammenführen wollen, müssen durch diesen Flaschenhals, weil es in Damaskus keine ständige Vertretung mehr gibt. Für Familie El Merhi hat es zwei Jahre Sorgen und Nerven gekostet, die Anspannung steht den Eltern immer noch ins Gesicht geschrieben.

Das Ruhrgebiet ist die Heimat der Familie

Im Herbst drohte Issa gar, in ein Kinderheim zu kommen: Die betreuende Tante war an Krebs erkrankt, konnte die Betreuung parallel zur Chemotherapie kaum stemmen.

Es folgten Ratschläge nach dem Motto: Dann ziehen sie doch zurück in den Libanon. Allein, dieses „Zurück“ gibt es gar nicht. Issas Eltern kamen Anfang der 90er Jahre als Kleinkinder nach Deutschland, Louay aus dem Libanon, Bedriyhe aus der Türkei, sie gingen hier in den Kindergarten, in die Schule. Das Ruhrgebiet empfinden sie als Heimat.

„Im Libanon war ich seit meiner Kindheit nicht. Erst jetzt, um Issa zu holen“, sagt Louay El Merhi. Die Töchter Dunya (6) und Zahraa (8) sprechen besser Deutsch als Arabisch oder Türkisch. Auch Issa wird das schnell lernen. Aktuell nimmt ihn seine Mutter Bedriyhe mit in die Schulbücherei der Grundschule, wo sie ehrenamtlich mithilft.

Die Flüge und viele weitere Kosten seien von privaten Initiativen übernommen worden, berichtet Sigrid Beer, die während der ganzen Zeit einen engen Draht zur Familie hielt. Offen sind jetzt noch 13.000 Euro Anwaltskosten, die in vergebliche Prozesse investiert wurden. Nach allem, was die Familie hinter sich hat, lächeln sie darüber. Geld ist ein lösbares Problem. Auch für einen Paketboten.

5000 Menschen wenden sich an den Petitionsausschuss

Jährlich wenden sich rund 5000 Menschen mit ihren Anliegen an den Petitionsausschuss. „Das sind keine Bittsteller“, betont der Wattenscheider Landtagsabgeordnete Yüksel, das sind Menschen die ein Recht darauf haben und es nutzen.

Ein Kontakt zum Ausschuss ist etwa per Mail möglich an petitionsausschuss@landtag.nrw.de Die meisten Fälle würden einmal zur Sprache kommen. Herausragende Einzelfälle wie der der Duisburger Gymnasiastin Bivsi oder der von Issa sei mehrfach auf der Tagesordnung gelandet.

Auch für Familie El Merhi sei der Weg wieder offen. Denn Issa hat keinen Kitaplatz, aber einen Rechtsanspruch darauf. Zur Not könne auch da der Ausschuss wieder helfen, verspricht Yüksel.

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