Islamischer Glaube

Kampagne: Muslimische Gemeinde will Islambild verbessern

Mustansar Ahmad (Mitte), Imam und islamischer Theologe, erklärt zusammen mit Gökhan Jesil (li.) und dem Gemeindevorsitzenden Khan Tahir Ahmad Sham die Ziele der Kampagne der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland.

Mustansar Ahmad (Mitte), Imam und islamischer Theologe, erklärt zusammen mit Gökhan Jesil (li.) und dem Gemeindevorsitzenden Khan Tahir Ahmad Sham die Ziele der Kampagne der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde will in Duisburg die Kampagne „Wir sind alle Deutschland“ starten. Ihr Ziel: ein positiveres Bild vom Islam.

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„Liebe für alle. Hass für keinen.“ „Wir sind alle Deutschland.“ „Verbreitet Frieden auf Erden.“ Mit diesen Schlagworten will die muslimische Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat ab dem kommenden Wochenende in Duisburg für ein positiveres Bild des islamischen Glaubens werben.

Die Gemeinde hat ihr Zentrum in Mülheim, wo die Kampagne bereits im Juli begonnen hat. Die rund 300 Gläubigen kommen aus Mülheim, Oberhausen, Essen und eben Duisburg. Gökhan Jesil, Unternehmer aus Homberg, wirbt als eloquenter Moderator für seine Glaubensrichtung. Sie sei wertkonservativ, aber modern und berufe sich auf die ursprüngliche Lehre des Islam, zu der eine Trennung von Religion und Staat gehöre, Nächstenliebe sowie die Gleichberechtigung der Frau. Der Handschlag gilt bei der Begrüßung gleichwohl nur den männlichen Journalisten.

Laut einer Studie hat jeder zweite Deutsche Angst vor dem Islam

Da sein Glaube von vielen in den Dreck gezogen worden sei, wolle man den Fokus wieder mehr auf das Schöne lenken, sagt Jesil. Eine Studie habe ergeben, dass jeder zweite Deutsche Angst vor dem Islam habe. Es sei ihre Pflicht, dem entgegen zu treten.

Insgesamt 73 Strömungen des Islam gibt es, so Imam Mustansar Ahmad, 72 davon seien gegen seine Reformgemeinde. In Pakistan gebe es sogar ein Gesetz, dass sie als Ungläubige gelten und keine Moschee bauen dürfen. 2010 starben bei einem Anschlag fast 80 Ahmadis. In Deutschland würde man die Anfeindungen nicht so spüren, deshalb seien sie sehr dankbar, dass sie ihre Religion hier frei praktizieren könnten, erklärt der Imam.

Eine Gemeinde mit Alleinstellungsmerkmal

Seine Gemeinschaft sei die einzige, die glaubt, dass die Verheißung des Messias bereits eingetroffen ist, die besagt, dass „die Moscheen überfüllt, aber die Herzen leer sind“, dass der Koran rezitiert, die Gebote aber nicht befolgt würden und dass deshalb Handlungsbedarf besteht. Spirituelle Unterstützung dafür kommt aus London, wo der aktuelle Nachfolger des „Verheißenen Messias“ lebt und dessen Predigt jeden Freitag auf Deutsch verlesen wird.

Mit Baumpflanzaktionen und Blutspenden habe die Gemeinde zuletzt ihre Loyalität zu Deutschland bewiesen, Mitglieder seien in der Bundeswehr, arbeiteten in der Medizin, engagierten sich an einigen Standorten im Integrationsrat. „Wir sind Bürger dieses Landes, das ist unsere Pflicht“, sagt Imam Ahmad. Sie finanzieren sich durch Spenden der Mitglieder, die 6,25 Prozent ihres Einkommens abtreten.

Ins Gespräch kommen

In einem Internetlexikon steht, dass die Ahmadiyya missionieren, an anderer Stelle, dass sie als die Zeugen Jehovas der Muslime gelten. Das will Mustansar Ahmad so nicht stehen lassen. Man wolle keinen Zwang des Glaubens ausüben, wohl aber belehren und in den Dialog treten. „Wir sind eine rein spirituelle Gemeinde, haben keinen militärischen oder politischen Flügel“, sagt Jesil.

Er reiche anderen muslimischen Gemeinden die Hand, besuche sie oft. Der Imam gesteht aber auch, dass er theoretisch in alle Gotteshäuser gehen dürfe, praktisch in der Marxloher Moschee etwa nicht so gern gesehen sei. Die Gemeindemitglieder wollen an ihren Infoständen ins Gespräch kommen, später Vorträge organisieren. „Wer Fragen hat oder Ängste, der kann kommen.“

>>>> Daten und Fakten zur Ahmadiyya-Gemeinde

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde 1889 gegründet, ist heute nach eigenen Angaben in 210 Ländern vertreten und hat über 100 Millionen Mitglieder.

In Deutschland wurde 1923 eine erste Gemeinde gegründet, inzwischen gibt es 55 Moscheen, 220 Gemeinden mit rund 45.000 Mitgliedern.

Infos gibt es auf der Webseite www.ahmadiyya.de, auf einem eigenen Web-Stream wird rund um die Uhr gesendet.

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