Konzert

Junger Pianist stellt sich den Goldberg-Variationen

Nikolay Bogdanovskiy hat sich für sein Konzertexamen Bachs Goldberg-Variationen ausgesucht, ein Gipfelpunkt aller Klaviermusik.

Nikolay Bogdanovskiy hat sich für sein Konzertexamen Bachs Goldberg-Variationen ausgesucht, ein Gipfelpunkt aller Klaviermusik.

Foto: Roy Fochtmann / museum

Duisburg.  Nikolay Bogdanovskiy spielt sein Folkwang-Konzertexamen auf einem Cembalo im Duisburger Lehmbruck-Museum. Seine Interpretation dauert 90 Minuten.

Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen sind auch für erfahrene Pianisten eine Herausforderung. In der Reihe „Alte Musik trifft Moderne“ spielte nun der russische Pianist Nikolay Bogdanovskiy als Konzertexamen Bachs monumentales Variationswerk im Lehmbruck-Museum auf dem Cembalo.

Andere Pianisten spielen die Goldberg-Variationen in 60 Minuten, Bogdanovskiy benötigt mehr als anderthalb Stunden für den gesamten Zyklus. Das liegt zum einen daran, dass der junge Russe aus den Noten spielt und nach jeder Variation selbst umblättert. So wird der Fluss der Variationen löcherig und die Komposition zu einer Ansammlung von Einzelstücken, denen der große Bogen fehlt. Durch einen Assistenten, der die Seiten wendet, hätte man dieses Problem leicht lösen können.

Eigentlich spielt der Musiker die Goldberg-Variationen zweimal

Zum anderen spielt Bogdanovskiy die Goldberg-Variationen eigentlich zweimal, denn er spielt alle in den Noten vorgeschriebenen Wiederholungen, was zu vielen Redundanzen führt. Andere Pianisten beschränken sich auf die Wiederholung des ersten Teils jeder Variation und spielen den zweiten Teil nur einmal. Oder sie musizieren in den ganz langen Sätzen beide Teile nur einmal, was die Aufführung stringenter macht. Eine Möglichkeit die Wiederholungen interessanter zu gestalten, wäre es, in jeden Satz noch zusätzliche kleine Variationen einzubauen, wenn sie zum zweiten Mal erklingen. Diese Chance den Goldberg-Variationen eine persönliche Note zu geben, wie es Martin Stadtfeld gemacht hat, lässt der russische Pianist jedoch ungenutzt.

Von ganz langsam bis kräftig-flott

In der Wahl seiner Tempi geht Nikolay Bogdanovskiy unterschiedliche Wege: Manche Sätze spielt er ungewöhnlich langsam und versucht, sie durch Verzögerungen zu strukturieren. Anfangs denkt man, er mache dies, um die Melodie stärker hervorzuheben, da am Cembalo die Stimmen nicht durch verschiedene Lautstärken herausgearbeitet werden können. Dann musiziert er aber andere Sätze, in einem kräftig-flotten Tempo, in dem die einzelnen Stimmen gut hervortreten. Besondere Ruhe strahlen stets die Kanons aus. Bogdanovskiy lässt diese Sätze in ruhigem Tempo dahinfließen. In den Variationen, in denen Ober- und Unterstimme in extrem unterschiedlichen Bewegungen komponiert sind, nämlich der 13. und der 26. Variation, arbeitet er den Kontrast treffend heraus: So schwirrt in der 13. Variation die Oberstimme federnd über den ruhig dahin schreitenden Bass.

Die Reihe „Alte Musik trifft Moderne“ ist ausbaufähig

Auch wenn Nikolay Bogdanovskiys Interpretation widersprüchlich ist, gibt es vom Publikum im Lehmbruck-Museum herzlichen Beifall. Die Reihe „Alte Musik trifft Moderne“ verdient es, weiter ausgebaut zu werden, denn bisher hat es pro Jahr nur ein Konzert mit Cembalo-Musik in den Räumen des Museums gegeben.

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