Junge Tänzer werden auch zu Spielfiguren

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14 Jugendliche haben am Sonntag den Landschaftspark tanzend erkundet – mit einer Performance, die im Rahmen des „Kulturrucksacks NRW“ von den Choreographen Maximilian und Mia Sophia Bilitza erarbeitet worden war.

„Moving Place“ griff viele Elemente der Videospielkultur auf. Die Tänzer wurden mit Gamepads gesteuert, Spielmusik wurde zitiert, und sogar das Phänomen „Pokémon Go“ fand in Fragenform seinen Weg in die Performance. Dass der Landschaftspark allabendlich Ziel von hunderten Pokémon-Sammlern ist, passte hervorragend ins Konzept. Dirigiert und geleitet wurden die Tänzer durch Moderationen und Trommeln. Choreographierte Abschnitte wechselten sich mit improvisierten ab, dazwischen wurde der Park zur Kulisse. In einem alten, kesselartigen Raum zum Beispiel positionierten sich die Tänzer wie die Blumen, Schlingpflanzen und Sträucher, die der ehemalige Industrieraum jetzt beheimatet. „Man muss diese Pflanzen gut pflegen“, lautete die zweideutige Aussage der ganz in Gelb gewandeten Zeremonienmeisterin Mia Bilitza zu der halb pflanzlichen, halb menschlichen Installation. Zwischen den einzelnen Stationen wurde auch das Publikum Teil der Performance, den Besuchern wurde etwa die Frage gestellt: „Wie viele wahre Freunde haben Sie?“ Ob sich diejenigen, die sich nicht meldeten, nicht beteiligen wollten oder ob ihnen keine wahren Freunde in den Sinn kamen, blieb, wie vieles an diesem Abend, der eigenen Interpretation überlassen. Das Konzept der räumlichen Visualisierung von Antworten war dann einer der Höhepunkte der Performance. Das Publikum wurde nebeneinander aufgereiht und musste für jede positive Antwort eine Schritt nach vorne, für jede negative einen Schritt zurück machen. Die Verwandlung der Reihe in einen Menschen-Cluster beeinflusste auch die Performance der Tänzer danach, die jeder aus einem anderen Winkel beobachtete. Versöhnlich endete der Abend im „Level der Menschlichkeit“, in dem die Tänzer symbolisch in eine wogende Masse und einige einsame Individuen unterteilt wurden, die letztendlich zueinander finden und die Einsamkeit besiegen.

Die „Moving Place“-Performance verlangte, wie die meisten Performances, viel Interpretationsarbeit vom Zuschauer, und vor allem den Willen, sich auf sie einzulassen.

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