Theater am Marientor

Jan Josef Liefers über das Hörspiel „Die Unmöglichen“

Die klassische Anordnung einer Lesung gibt es zwar, aber die Schauspieler überzeugen mit Spielfreude und vermitteln die ganze Bandbreite der Gefühle.

Die klassische Anordnung einer Lesung gibt es zwar, aber die Schauspieler überzeugen mit Spielfreude und vermitteln die ganze Bandbreite der Gefühle.

Foto: karsten knocke

Duisburg.   Mit Meret Becker, Claudia Michelsen, Ronald Zehrfeld, Matthias Köberlin und Thomas Loibl kommt geballte Schauspielkunst auf die Bühne.

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Gleich sechs bekannte Schauspieler sind am Samstag, 9. März, im Theater am Marientor zu erleben: Jan-Josef Liefers, Meret Becker, Claudia Michelsen, Ronald Zehrfeld, Matthias Köberlin und Thomas Loibl bringen das Stück „Die Unmöglichen“ als – alles andere als trockene – Lesung auf die Bühne. Das Stück über pränatale Diagnostik ist von Paul Plamper und Julian Kamphausen.

Wie ist es dazu gekommen, dass dieser zehn Jahre alte Hörspieltext jetzt auf die Bühne kommt?

Jan Josef Liefers: Das ist eine gute Frage für Simone Henke, unsere Prinzipalin. Das war zunächst als einmalige Lesung gedacht. Dann hat es allen Beteiligten und vor allem auch dem Publikum so viel Freude gemacht, dass wir seitdem mit dem Text im Gepäck in lockerer Folge durchs Land reisen, wann immer unsere Termine das zulassen.

Sie sind als Schauspieler und Musiker sehr gefragt. Was hat Sie und Ihre prominenten Kollegen daran gereizt, bei der Lesung mitzuwirken?

Oh danke, aber das mit dem „Gefragtsein“ trifft auf uns alle zu. ­Deshalb ist es ja auch nicht ganz einfach mit den Terminen. Ich ­habe mich einfach darauf gefreut, gemeinsam etwas anderes zu ­machen, als zu drehen. Alle, die ­dabei sind, haben großes komödiantisches Talent, und das ist gut für so einen Text, der eigentlich etwas äußerst Ernstes und Zweischneidiges verhandelt, nämlich die genetische Optimierungen menschlichen Erbguts durch Wissenschaftler.

Eigentlich ein Gedankenspiel, rückt die Möglichkeit „optimierter“ Kinder der Realität ja immer näher. Erschreckt Sie das?

Ich komme ins Grübeln! Genetisch vererbbare Krankheiten mit womöglich dramatischem Verlauf für immer aus der DNA zu löschen… das klingt natürlich gut – und wie würde man als genetisch risikobelastete Eltern so eine Möglichkeit für seine Kinder einfach vom Tisch wischen? Aber dann, wo ist die Grenze? Was, wenn es weitergeht und man bei der Gelegenheit gleich noch das Wunschgeschlecht und ein paar süße Sommersprossen und die Augen- und Haarfarbe mit bestellt?

Gibt es Antworten, wie die Gesellschaft auf die Entwicklung reagieren soll?

Im Text nicht. Und auch ich bin mit einer schlüssigen Antwort überfordert. Wie immer hängt die Art der Nutzung wissenschaftlicher Möglichkeiten stark vom kulturellen und ethischen Entwicklungsstand einer Gesellschaft ab und unterliegt dem sich beständig ändernden Zeitgeist.

Wie kommt die Lesung beim Publikum an? Gibt es einen Austausch? Könnten Sie sich eine Abstimmung wie beim Schirach-Stück „Terror“ vorstellen?

Ich kann mir alles vorstellen, aber bisher gab es dazu keinen Anlass. Der Abend ist sehr unterhaltsam und kurzweilig. Dafür sorgen meine großartigen Kollegen. Es wird viel gelacht und trotzdem wird es am Ende immer sehr still im Saal, wenn das Gedankenspiel endet und die Realität vor der Tür steht. So kommt zum Spaß die Nachdenklichkeit. Das ist mir fast mehr wert, als eine forcierte Abstimmung.

>> DARUM GEHT ES IN DEM STÜCK

Die Geschichte: Ein deutsches Ehepaar reist nach England, um per In-Vitro-Fertilisation ein Kind zu zeugen. Drei Embryonen entstehen, aber nur einer wird eingepflanzt werden. In einer Parallelmontage werden die drei möglichen Leben der Embryonen – Amelie, Max und Fabian – erzählt: Was macht das Leben glücklich? Ist die DNA wirklich der alles bestimmende Bauplan? Welches der drei Leben ist das lebenswerteste? Drei Möglichkeiten – zurück bleiben: die Unmöglichen.

Claudia Michelsen und Thomas Loibl spielen das Ehepaar, das keine Kinder bekommen kann und sich deshalb auf die Reise begibt. Die drei Embryonen, die im Reagenzglas entstehen, werden von Meret Becker, Matthias Koeberlin und Ronald Zehrfeld verkörpert. Eindrucksvoll erwecken die Schauspieler diese Charaktere zum Leben und lassen sie fiktiv erwachsen werden. Meret Becker ist die Energiegeladene, Matthias Koeberlin spielt den Ehrgeizigen, der das Leben plant, Ronald Zehrfeld ist der Introvertierte, der nur beim Klavierspiel seine Gefühle äußern kann. Wie sich jedes einzelne Kind auf das Zusammenleben der Eltern auswirkt, zeigen Claudia Michelsen und Thomas Loibl, die sich facettenreich verwandeln in ein Paar, das Belastungen unterschiedlich ertragen kann und sich entweder auf die Gemeinsamkeit besinnt oder daran zerbricht.

Jan Josef Liefers ist der Zeremonienmeister, bei dem alle Fäden zusammen laufen und fungiert hauptsächlich als Erzähler.

>> HIER GIBT ES KARTEN

„Die Unmöglichen“ sind am Samstag, 9. März, um 19.30 Uhr im Theater am Marientor zu erleben. Karten sind ab 45,00 Euro (plus Gebühr) bei den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Online-Bestellungen über www.handwerker-promotion.de.


Einen intensiven Einblick in die Produktion gibt es in der ARD-Mediathek. Das NDR Fernsehen hat im Mai 2018 eine Aufführung in der Medizinischen Hochschule in Hannover begleitet, die im Netz abrufbar ist.

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