Großbauprojekt Wedau

Initiative "Uferretter" will Duisburger Masurensee retten

Wollen das Ufer am Masurensee retten: (v.l.): Rudolf Grittner, Dirk Mertes und Martin Dobberstein.Foto:Tanja Pickartz

Wollen das Ufer am Masurensee retten: (v.l.): Rudolf Grittner, Dirk Mertes und Martin Dobberstein.Foto:Tanja Pickartz

Duisburg.   Großbauprojekt Wedau: Die Initiative „Uferretter“ kämpft gegen eine Wohnbebauung direkt am Ufer des Masurensees an der Sechs-Seen-Platte.

Wenn die Sonne scheint und die Temperaturen etwas über 20 Grad steigen, packen die Reichmanns ihren Klapptisch, zwei Stühle und den Picknickkorb ein. Wann immer sie Zeit haben, fahren sie zum Ufer des Masurensees und genießen dort bei Kaffee und Kuchen den Ausblick auf die Sechs-Seen-Platte. „Seit Jahren schon“, sagt Siegfried Reichmann. Wie lange noch, das ist fraglich. Denn nach den Plänen des Großbauprojektes „6-Seen- Wedau – Wohnen am Wasser“ sollen der kleine Strand, die Liegewiese und der direkte Zugang zum Wasser einer barrierefreien, asphaltierten Promenade auf einer Hochebene mit Seeterrassen und Außengastronomie weichen. Der Strandbereich soll mit Schilf bewachsen und so unzugänglich gemacht werden. Dagegen regt sich Protest unter den Wedauern. Die „Uferretter“ machen seit ein paar Monaten gegen diese Pläne mobil. Martin Dobberstein, Rudolf Grittner und Dirk Mertes sind der harte Kern der Bürgerinitiative, die mittlerweile 100 Mitstreiter in ihren Reihen zählt und auf Facebook 1.328 Abonnenten (Stand: 11.4.) hat.

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Projekt“

„Dieser einmaligen Idylle soll es Stück für Stück an den Kragen gehen. Die Natur soll einer Reißbrett-Ästhetik aus Beton, Stahl und Holz weichen? Nein Danke!“, sagen die Uferretter. Nur, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Bauprojekt“, sagt Rudolf Grittner und fragt: „Aber warum muss genau dieses kleine Stück Natur ohne Not zerstört werden?“

Eine Antwort von der Stadt habe man bislang nicht bekommen. Jüngst gab es ein Treffen der Uferretter mit Oberbürgermeister Sören Link. „Er hat uns zugehört, aber auch klar gemacht, dass er von seiner Position nicht abrückt“, sagt Dirk Mertes. „Es ist eben ein Prestigeprojekt für Link“, sagt Martin Dobberstein, der eigentliche Gründer der Bürgerinitiative. Im Herbst vergangenen Jahres, als die Pläne konkreter wurden, „hatte ich am Ufer die Leute gefragt, ob sie wissen, was hier entstehen soll. So richtig wusste das keiner“, erzählt der Wedauer. Daraufhin habe er spontan über Facebook eine Infoveranstaltung im Parkhaus Meiderich organisiert. „Ich wollte mich einfach austauschen und war überrascht, dass etwa 50 Leute kamen“, sagt Dobberstein.

Treffen mit OB Link

Seit diesem Abend ist Rudolf Gritter aktiv dabei. „Ich dachte schon lange, da muss was passieren. Aber wusste nicht wie. Alleine kämpfen?“ Nein. Nicht alleine. „Aber gemeinsam können wir einen Gegenpol bilden“, fassen die Uferretter Mut, gegen die „Machenschaften von Investoren, Politik und Verwaltung“ zu kämpfen. Sie sprechen von „Klüngelei“ und davon, „dass Duisburg um ein Stück Naturschutzgebiet betrogen wird.“ Außerdem: „Wenn das Ufer zugebaut ist, weckt das doch Begehrlichkeiten, dann kann es passieren, dass es an der Sechs-Seen-Platte von allen Seiten ans Ufer geht“, befürchtet Martin Dobberstein.

Bestes Beispiel sei der Bau der Villa des ehemaligen Duisburger Oberbürgermeisters Arnold Masselter am Wambachsee. Zunächst sei der Uferbereich frei zugänglich gewesen, „dann wurde das Grundstück eingezäunt und der Uferweg war für die Spaziergänger blockiert“, erzählt Rudolf Grittner. Auch hier habe die Bürgerschaft das Nachsehen im Interesse einiger weniger gut Betuchter gehabt.

Fotoaktion: „Zeig Dein Gesicht“

Den Uferrettern ist klar, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt. Der Bebauungsplan soll noch in diesem Jahr vom Rat verabschiedet werden. Deshalb bringen sie sich mit Aktionen wie Yoga am Masurensee oder Fotosessions „Zeig Dein Gesicht“ ins Gespräch. Viele Duisburger schauten bereits durch den Rettungsring der Uferretter. Der wohl prominenteste Unterstützer dürfte Gregor Gysi sein. Der Linken-Politiker ließ sich jüngst mit dem Rettungsring in der Hand bei seinem Besuch in der Salvatorkirche fotografieren, wie auf der Facebook-Seite der Uferretter zu sehen ist.

Unterstützung bekommt die Gruppe auch von dem Aktionsbündnis ökologisches Duisburg „Intakt – wem gehört die Stadt.“ Mit dabei sind unter anderem die Grünen, die Linken, der BUND und die Initiative Saubere Luft. Das Bündnis plant für den 21. April ein Frühstück am Masurensee, um über das Großbauprojekt Wedau zu informieren und weitere Mitstreiter für den Kampf gegen die Aufgabe des Ufers zu gewinnen.

Und wenn das Wetter schön ist, stellen vielleicht auch Ingrid und Siegfried Reichmann wieder ihre Klappstühle auf, wie seit Jahren – und „hoffentlich noch lange.

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