Stadtentwicklung

In Duisburg soll die ganze Stadtgesellschaft mitplanen

In vier Jahren sollen auf dem früheren Güterbahnhofsgelände zwischen Eisenbahn und Autobahn die Bagger anrollen. Ende 1996 hatte die Bahn dort den Frachtumschlag eingestellt.

In vier Jahren sollen auf dem früheren Güterbahnhofsgelände zwischen Eisenbahn und Autobahn die Bagger anrollen. Ende 1996 hatte die Bahn dort den Frachtumschlag eingestellt.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg.  Seit Monatsbeginn ist Martin Linne Duisburgs neuer Planungsdezernent. Er setzt auf Einbindung der Bürger – etwa beim alten Güterbahnhofsgelände.

Für sieben Jahre und sieben Monate hatte Martin Linne die Rheinseite gewechselt und war Planungsdezernent in Krefeld. Seit Monatsbeginn ist er Duisburger Planungschef. Und damit auch wieder mit Projekten befasst, die ihn schon in seiner früheren Funktion als Leiter des Amtes für Stadtentwicklung beschäftigten. Allem voran: Das frühere Güterbahnhofsgelände. In vier Jahren, ist Linne zuversichtlich, sollen dort die Bagger rollen, ein neues Quartier für Wohnen und Dienstleistungen entstehen.

Ein Quartier mit Anspruch soll’s werden, sagt Linne, der selbst am Rande von Marxloh wohnt. „Da muss auch Wohnen hin“, spricht er sich entschieden für eine gemischte Nutzung des prominent gelegenen Geländes aus, das mit Nähe zu Bahn und Autobahn, Innenstadt und Düsseldorfer Flughafen auch idealer Standort für Firmen sei.

Was genau dort einmal entstehen wird, will Linne unter Einbindung der „ganzen Stadtgesellschaft“ diskutieren. Dann würde ein etwa zweijähriges Bebauungsplanverfahren folgen und in drei Jahren die ersten Erschließungsmaßnahmen.

Wohnen und Arbeiten, früher von Planer strikt getrennt, zusammenzuführen, ist Linne nicht nur auf dem Gelände der „Duisburger Freiheit“ ein Anliegen. Gemischte Nutzung bedeutet für ihn auch Reduzierung von Verkehr – ein weiteres Ziel für die kommenden Jahre. Mehr Wohnen in der Stadtmitte kann er sich gut vorstellen, etwa in den oberen Geschossen von Geschäftshäusern.

Verstärkt in die Höhe bauen sollten Unternehmen, schlägt Linne vor, und damit Flächen effektiver und intelligenter nutzen. Auch so lasse sich dem oft beklagten Mangel an Gewerbeflächen begegnen (siehe auch Artikel am Fuß der Seite). Ansonsten hat für Linne „Brachflächen-Recycling“ Vorrang. So beginne jetzt die neue Nutzung der ehemaligen Bergbaufläche Schacht 2/5, die über Jahrzehnte ungenutzt gewesen sei. Aber in Neumühl am Autobahnkreuz und in Asterlagen würden auch bisherige Freiflächen künftig für Gewerbe genutzt.

An die Unternehmen appelliert der neue Planungsdezernent, beispielsweise bei Hallenbauten auf die Begrünung von Dächern und Fassaden zu setzen als Beitrag zu Klimaschutz und zur Bewältigung von häufiger werdenden Starkregenfällen. Aber auch Privathäuser könnten mehr Grün bekommen, etwa auf Balkonen. In seiner Krefelder Zeit, so Linne, seien städtische Stellen verpflichtet worden genau zu begründen, wenn bei Neubauten und Sanierungen Dächer nicht begrünt wurden. Ziel sei es, „Versiegelungen so gut wie möglich zu kompensieren“. Der Dezernent: „Da geht eine ganze Menge. Und jeder kann mitmachen.“

Grün will Linne auch dort schaffen und bewahren, wo Bebauung dichter wird, um das Ausgreifen in die Fläche zu beschränken. Und er will „klassische Fußwege“ in Planungen einfließen lassen als höchst ökologische Alternative zu anderen Mobilitätsmöglichkeiten.

Mitreden ausdrücklich erwünscht

Für Martin Linne genießt die Einbindung von Bürgern bei Planungsprozessen hohen Stellenwert, Schau vor öffentliche Diskussionen hat er nicht.

Aber er macht auch deutlich, dass sich die Interessen von Stadtteilen und Gesamtstadt oder von Anwohnern und Wirtschaft nicht immer auf einen Nenner bringen lassen: „Wir leben in einer Gesellschaft mit vielen unterschiedlichen Interessen.“

Und am Ende aller Planungen müsse eine politische Mehrheit entscheiden.

Leserkommentare (7) Kommentar schreiben