Speed-Dating

IHK bringt Duisburger Unternehmen und Flüchtlinge zusammen

Ajmal Sultani im Bewerbungsgespräch mit Mitarbeitern der Firma Emons aus Duisburg. Die IHK hatte am Mittwoch zum Speed-Dating eingeladen.

Ajmal Sultani im Bewerbungsgespräch mit Mitarbeitern der Firma Emons aus Duisburg. Die IHK hatte am Mittwoch zum Speed-Dating eingeladen.

Foto: Olaf Fuhrmann

Duisburg.  Bewerber und Firmen haben beim Speed-Dating in Duisburg zehn Minuten Zeit, sich kennenzulernen. Für Ajmal Sultani (24) eine besondere Chance.

Tische, eine Sanduhr, immer wechselnde Gesprächspartner und die Suche nach der großen Liebe. So geht Speed-Dating – eigentlich. Die niederrheinische Industrie- und Handelskammer (IHK) hat das Konzept übernommen und versucht, Flüchtlinge mit Unternehmen zu „verkuppeln“. Es geht dabei jedoch nicht um die Liebe, sondern um eine Chance für die Zukunft.

Nicht nur für die Flüchtlinge: Die anwesenden neun Betriebe suchen teilweise händeringend nach Nachwuchs. Eine vielversprechende Ausgangslage also, Arbeitgeber und -suchende schnell zusammen zu bringen. „Mit dem Speed-Dating bauen wir die größte Hürde, nämlich die Kontaktaufnahme, ab“, sagt IHK-Willkommenslotsin Alisha Kress. Um das perfekte „Match“ zu finden, hatten beide Seiten zehn Minuten. Nicht viel Zeit, um jemanden von sich zu überzeugen.

Mehr als 90 Flüchtlinge stellen sich vor

Einer der Kandidaten ist Ajmal Sultani. In Afghanistan hat der 24-Jährige Informatik studiert. Er lebt seit über drei Jahren in Duisburg, hat in Rheinhausen ein Jahr als Fachlagerist in einem Möbelvertrieb gearbeitet. „Ich habe die Hoffnung, hier Arbeit zu finden“, sagt er.

Das erste Date hat der 24-Jährige mit Christian Moschüring und Sabine Glockmann von der Emons Spedition. Eine kurze Begrüßung, dann die erste Frage: „Haben Sie eine Bewerbung dabei?“. Sultanis Unterlagen wandern zur anderen Tischseite. Interessiert wird gelesen.

Ajmal Sultani kam ohne Familie nach Deutschland

Währenddessen erzählt der junge Mann von seinem beruflichen Werdegang, seiner Erfahrung in der IT und als Elektrotechniker. Mit seinem Technikverständnis kann er punkten. Stets freundlich und in gutem Deutsch beantwortet Sultani alle Fragen.

Nicht nur die Arbeit als Fachlagerist, sondern auch als Berufskraftfahrer könne er sich vorstellen. „Da verbringt man viel Zeit alleine, wäre das was für Sie?“ – „Ich bin alleine nach Deutschland gekommen, habe keine Familie hier.“ Antwort genug.

Massiver Fachkräftemangel verlangt kreative Lösungen

Auch wenn die Sanduhr nicht umgedreht wird – die wenigen Minuten haben gereicht, um zu überzeugen. Die Spedition mit Sitz am Nordhafen möchte Ajmal Sultani zu einem zweiten Gespräch einladen.

Die Not ist groß: „Wir haben massiv mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen“, sagt Moschüring. Etwa 20 Ausbildungsplätze sind bei der Spedition für August noch unbesetzt. Mit dem Speed-Dating hat das Unternehmen gute Erfahrungen gemacht. „Fünf vakante Stellen im kaufmännischen Bereich konnten wir so besetzen.“ Zwei Stellen gingen an Flüchtlinge.

IHK Niederrhein wählt Kandidaten vorab aus

Um eine hohe Passgenauigkeit zu erreichen, wählte die IHK in Kooperation mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur die Teilnehmer für das Speed-Dating vorab aus. Grundlage dafür waren die individuellen Anforderungsprofile der Unternehmen. Etwa 90 Flüchtlinge hatten eine Einladung erhalten. Alle Bewerber verfügen über eine hohe Bleibeperspektive. Für viele ist es aber das erste Bewerbungsgespräch in deutscher Sprache. „Aufregung ist bei den Bewerbern da“, sagt Alisha Kress der IHK.

Die ist auch bei Ajmal Sultani zu spüren, während er an seinem zweiten Gesprächstisch sitzt. Gesucht werden Elektrohelfer. Auch dieses Mal kann Sultani überzeugen. Dann folgt der fliegende Wechsel, der nächste Kandidat steht bereit.

>>> IHK Niederrhein: Speed-Dating für Geflüchtete

Zum sechsten Mal veranstaltete die Niederrheinische IHK ein Speed-Dating für Geflüchtete.

Insgesamt nahmen neun regionale Unternehmen teil, darunter die Dekra, Lidl, die Personaldienstleistungen E&K und Lps Liesche. Gesucht wurden etwa Elektriker, Schweißer, Berufskraftfahrer oder Werkstoffprüfer.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben