Studie

IAQ-Forscher untersuchen Umgang der Städte mit Migration

Fragen rund um die Integration von Flüchtlingen untersucht die neue Forschungsgruppe. Beim Auftaktworkshop präsentierten Dr. Thorsten Schlee, Katrin Menke, Ghislaine Sandrine Bakoben und Andrea Rumpe (v.l.) ihr Forschungsprojekt, rechts im Bild IAQ-Direktorin Prof. Dr. Ute Klammer.

Fragen rund um die Integration von Flüchtlingen untersucht die neue Forschungsgruppe. Beim Auftaktworkshop präsentierten Dr. Thorsten Schlee, Katrin Menke, Ghislaine Sandrine Bakoben und Andrea Rumpe (v.l.) ihr Forschungsprojekt, rechts im Bild IAQ-Direktorin Prof. Dr. Ute Klammer.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Das Bundesarbeitsministerium fördert die vier Nachwuchsforscher am IAQ. Sie untersuchen Unterschiede im Umgang von Städten mit der Zuwanderung.

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Wie bewältigen Kommunen den Zuzug von Geflüchteten? Wie gehen sie mit deren sozialem Bedarf um? Und wie nutzen die Zugewanderten Bildungs-, Arbeitsmarkt- oder auch Gesundheitsleistungen? Diese Fragen bearbeitet die neue Forschungsgruppe „Migration und Sozialpolitik“ am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE). Bei einem Auftaktworkshop im Mercator-Haus diskutierten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis über Erfahrungen, Entwicklungen und den Stand der Forschung.

Über das „Fördernetzwerk interdisziplinäre Sozialpolitikforschung“ (FIS), ins Leben gerufen 2017, fördert das Bundesarbeitsministerium für die Duisburger drei Stellen in der IAQ-Forschungsgruppe über drei Jahre mit 656 000 Euro. „Eine vierte Stelle finanzieren wir aus eigenen Mitteln“, erklärt Ute Klammer.

Migration und Flucht sind neue Herausforderungen

„Die Kommunalisierung der Sozialpolitik ist eine Tendenz, Migration und Flucht sind neue Herausforderungen“, begründet die Direktorin des Instituts das Forschungsinteresse. Ziel sei es dabei, „nicht über, sondern mit den Menschen zu sprechen“. Eine Auswahl der zu betrachtenden Städte und Gemeinden sei noch nicht getroffen, so Thorsten Schlee, Leiter der Forschungsgruppe. „Es werden Gemeinden aus dem ländlichen Raum und auch Städte und urbane Räume sein. Wir werden auch die Zuwanderungsgeschichte des jeweiligen Gebietes betrachten.“ Es gebe, so der 37-Jährige, „mittlerweile gute quantitative Daten, aber wir wollen mit unserer Arbeit tiefer rein.“

In ihren Einzelprojekten, die als jeweils zwei Habilitations- und Promotionsarbeiten geplant sind, nehmen die vier Sozialwissenschaftler verschiedene Aspekte der Zuwanderung in den Blick: Fallstudien zur Nutzung von Bildungsangeboten durch junge Afrikaner plant Sandrine Bakoben, Katrin Menke betrachtet die Integration geflüchteter Frauen in den Arbeitsmarkt, Andrea Rumpel erforscht die Bedürfnisse in kommunaler Gesundheitspolitik, Thorsten Schlee blickt auf die Repräsentation Geflüchteter in kommunalen Planungen.

Unterschiedliche Strategien und Ansätze

Es gebe, da ist sich die Nachwuchsgruppe sicher, unterschiedliche Strategien und Ansätze in Städten und Gemeinden, auf die Herausforderungen zu reagieren, die mit der Integration Geflüchteter verbunden sind. Thorsten Schlee: „Uns interessiert, wie sich sozialpolitische Leistungen auf die Lebenslage der Geflüchteten auswirken.“

Die Ergebnisse interessieren neben dem Ministerium nicht zuletzt auch die Städte und Gemeinden. „Es geht aber nicht darum, ein Zeugnis auszustellen, sondern um Best-Practice-Beispiele“, so IAQ-Direktorin Ute Klammer.

Der Nützlichkeitsgedanke dominiert 

„Kommunen können Migration beeinflussen, schon durch ihre Ausländerämter“, so Hannes Schamann in seinem Referat zur kommunalen Flüchtlingspolitik beim Auftaktworkshop. Der Professor der Uni Hildesheim, er bereitet eine Monografie zur Migrationspolitik vor, habe zuletzt „den Diskurs geprägt“, sagt Thorsten Schlee (IAQ).

Über ihre Erfahrungen berichteten Praktiker wie Birgit Naujoks. „Der rechtliche Rahmen der Zuwanderung ist auf Abwehr gerichtet“, beklagt die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW. „Unsäglich nennt sie das Konstrukt der Bleibeperspektive: „Der Nützlichkeitsgedanke dominiert.“

Zeit sollte besser genutzt werden

Auf „3000 junge Männer, die allein in Dortmund nicht beschäftigt werden“, verweist Christiane Bainski (Kommunale Integrationszentren). „Selbst wenn sie nach drei Jahren abgeschoben werden: Wir sollten die Zeit nutzen.“ Auf die besonders schwierige Situation von geflüchteten Frauen weist Juristin Dorothee Frings hin: „Trotz anderer Qualifikationen bekommen sie nur Arbeitsangebote in der Pflege.“ Mehr interkulturelle Kompetenz in der Arbeitsverwaltung wünscht sich Haci-Halil Uslucan vom Zentrum für Türkeistudien. „Muttersprachliche Berater können Potenziale wesentlich besser erkennen.“

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