Stadtgeschichte

Humorvolles aus Duisburgs Vergangenheit

Die meisten Teilnehmer waren gar keine Karnevalsflüchtlinge, sondern gespannt auf die Stadtgeschichte.

Die meisten Teilnehmer waren gar keine Karnevalsflüchtlinge, sondern gespannt auf die Stadtgeschichte.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.   Hat die Queen den Füller von Duisburgs OB eingesteckt? Solchen Fragen ging man jetzt im Stadthistorischen Museum nach.

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Wie kommt man eigentlich auf die Idee, das romantisch-verklärte „Heart of Steel“, die Pannschippe, nonchalant in „Weiberarsch“ umzutaufen? Nun, Frank Switala dreht die herzförmige Pfanne vielsagend auf ihre Rückseite. Im Stadtmuseum zeigt der Gästeführer ein Duisburg mit einer großen Schaufel Lokalkolorit und reichlich „Vatta“, „Oppa“ und „Blagen“. Switalas Tour führt eben auch sprachlich durch eine Stadt mit liebevoll-rauem Charme wie die grau-abgewetzte Schimmi-Jacke, die unweigerlich einen stimmigen Schlussakkord in dieser nicht immer ernst gemeinten Hommage setzt. Schließlich ist ja auch Karnevalssonntag.

Doch zurück zum Anfang der vergnüglichen Tour, die mit einer Überraschung für den erfahrenen Ruhri-Führer beginnt: „Ich dachte, ich bleibe heute allein...“, freut sich Switala über die rappelvolle Vorhalle. Viele Besucher sind dem Karneval gar nicht mal entflohen, sondern einfach interessiert an ihrer Stadt. Und an den Dönekes und Episoden, die der Homberger zur Duisburger Stadtgeschichte zu erzählen hat.

Mit den ersten Urnenfunden ging’s los

So soll Englands First Lady, Königin Elisabeth II., bei ihrem Staatsbesuch 1965 doch tatsächlich den persönlichen Füllfederhalter des damaligen Duisburger Oberbürgermeisters August Seeling behalten haben, mit dem sie sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Nun, das allein wird nicht zur heutigen leeren Stadtkasse beigetragen haben.

Bis dahin ist es ohnehin ein langer und vor allem zunächst erfolgreicher Weg, den die Stadt zwischen Ruhr und Rhein gegangen ist. Switalas Erfolgsstory fängt bei den ersten Urnenfunden aus dem Jahr 1200 vor Christus an, die wohl darauf hinweisen, dass im Feuchtgebiet „Dheus-Burg“ aus rein pragmatischen Gründen die Feuerbestattung üblich war. Denn die regelmäßige Überflutung rund um die Burg drohte auch die vergrabenen Verwandten wieder ans Tageslicht zu spülen. „Außerdem kann man die Asche auch bei Glätte streuen“, zählt eine Besucherin einen weiteren Vorteil der fast rückstandsfreien Beerdigungsvariante auf.

Bau der Stadtmauer brauchte Zeit

Wem das makaber erscheint, darf sich an der schönen Liebesgeschichte eines römischen Legionärs und der Schauspielerin „Mathilda“ erwärmen: „Er war wohl ein Frauenversteher“, sinniert Switala, denn ihr Grabstein, der im Stadtmuseum von ihrer Liebe zeugt, „ist eines Centurios würdig“.

883 wird die aufstrebende Weltstadt mit Herz von Normannen überfallen und entschließt sich, eine Stadtmauer zu bauen. 300 Jahre hat das jedoch gedauert, nicht nur aus Geldgründen. „Lang? Warten wir mal den Berliner Flughafen ab ...“, merkt der Gästeführer lakonisch zu aktuellen Bauprojekten an an.

Mercator zeichnete den Pol als schwarzen Fels

Übers Mittelalter und seinen Pranger, der im Stadtmuseum zu besichtigen und auszuprobieren ist –Switala: „Rückfallquote war damals gering, könnte man mal drüber nachdenken, bei Managern...“ – bis zur Reformation und einem gewissen Gerard de Kremer, den die Duisburger als Mercator und weltfremde Päpste als „Ketzer“ kennen, geht es weiter. Mercators Affront war bekanntermaßen nicht, dass er den Nordpol als schwarzen Fels umgeben von Inseln zeichnete (ohne jemals dort gewesen zu sein), sondern die Welt als Globus zu bauen.

Am Ende landet die Truppe im heutigen Duisburg. Schimmi, Stahlkrise und Rotlichtviertel – und mit dem Ergebnis: „Er hat es gut gemacht“, lobt eine Besucherin, auch wenn ihre Freundin gerne noch mehr gesehen hätte aus dem Duisburg der 40er und 50er Jahre.

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