Konzertreihe Klangkosmos

Heimatklänge aus Albanien begeistern Rheinhauser Schüler

Mit seinen schwungvollen Melodien und bunten Trachten begeisterte das albanische Quintett Sazet e Përmetit die Schüler.  Foto:

Mit seinen schwungvollen Melodien und bunten Trachten begeisterte das albanische Quintett Sazet e Përmetit die Schüler. Foto:

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Rheinhausen.  Das Quintett Sazet e Përmetit spielt an der Grundschule Krefelder Straße. Die I-Dötze klatschen, tanzen und singen temperamentvoll mit

Die fünf Männer tragen weiße Röcke, bunte Bömmelchen an den flachen Schuhen, rote Schärpen um die Taille und bunt bestickte Westen und sie spielen schwungvolle Melodien ihrer Heimat. Das Quintett Sazet e Përmetit ist ein Botschafter eines fast unbekannten Landes, das sich über Jahrzehnte von der Außenwelt abgeschottet hatte. Unter der diktatorischen Herrschaft von Enver Hoxha hatte sich in Albanien ein Steinzeitkommunismus herausgebildet, der erst Anfang der 90er Jahre überwunden wurde.

Ein schönes Land mit Seen, Bergen und Küsten an zwei Meeren, von dem Faton Beqiri schwärmt, der das Quintett begleitet. Aber ein beliebtes Urlaubsziele wurde Albanien noch nicht. Es bleibt noch zu entdecken. Auch klanglich. Im Rahmen der Konzertreihe Klangkosmos NRW, die die weltweite musikalische Vielfalt mit herausragenden Ensembles live erlebbar machen möchte, gastieren Sazet e Përmetit derzeit mit einem Dutzend Konzerten zwischen Bonn, Detmold und Gelsenkirchen.

Sie geben Konzerte in Konzertsälen, bringen ihre Musik aber auch Schülern in Workshops näher. Gestern kamen sie an die städtische Gemeinschaftsgrundschule an der Krefelder Straße. „Ein Glücksfall“, freut sich die stellvertretende Schulleiterin Jessica Becker, denn eine andere Schule hatte kurzfristig absagen müssen, so dass die Schule zum Zug kam, „obwohl wir erst im vergangenen Jahr eine Gruppe hier hatten.“

Ein Glücksfall für die Schule

In zwei Durchgängen kommen die I-Dötzchen, die gerade vor vier Wochen eingeschult wurden, in den Konzertgenuss. Über 90 Prozent der Schüler haben hier einen Migrationshintergrund, kommen aus allen erdenklichen Ländern, ein Junge stammt auch aus Albanien. Becker stellt ihn vor dem Konzert den Musikern vor. Schüchtern wechselt er ein paar Sätze mit ihnen auf albanisch und freut sich sichtlich, die ihm vertraute Sprache zu hören. Als Beqiri zur Begrüßung fragt, wer von den Schülern schon einmal in Albanien war oder zumindest wisse, wo es denn liege, meldet sich kein einziger der Schüler.

Jahrhunderte alte Trachten

In der Halle sind die Bänke im Halbkreis dicht an die Musiker herangerückt. Gerade haben Akkordeon, Laute und Oboe die ersten Takte angestimmt. Da gehen schon die ersten Arme der Kinder in die Höhe, ein Mädchen spielt Luftgeige, die Oberkörper wiegen sich im Rhythmus und die Füße wippen im Takt, den Alban Zeqiri auf der Rahmentrommel vorgibt. Die Kinder müssen gar nicht erst dazu aufgefordert werden, sie klatschen ganz automatisch. Artur Zeqiri (im Quintett spielen drei Brüder und ein Cousin) geht ein paar Schritte näher auf einen Jungen zu, der begeistert mitgeht, und fordert ihn mit einer Geste zum Tanzen auf, doch der ziert sich zunächst. Als sein Nachbar aufsteht, folgt er ihm und da stürmt auch das Mädchen, das Luftgeige spielte, nach vorne. Nach einer Minute sind alle Kinder auf den Beinen. „Sie sind sehr temperamentvoll“, stellt Becker fest, die im Unterricht oft mit Rhythmus, Bewegung und Musik arbeitet. Das verbindet und erleichtert das Erlernen der Sprache.

Auf der Tanzfläche sind die Unterschiede deutlich. Einige scheinen schon vertraut mit den Grundbegriffen des Volkstanzes. Sie heben die Arme, schnipsen mit den Fingern, kreuzen abwechselnd die Füße und beobachten konzentriert, welche Schritte der Geiger vorgibt. Andere toben nur und hüpfen ausgelassen über den Boden. Spaß haben sie alle.

Singen, Tanzen, Musizieren

Beqiri erzählt von den Jahrhunderte alten Trachten und Melodien, die orientalisch klingen, weil 500 Jahre Osmanisches Reich seine klanglichen Spuren hinterlassen haben. Und doch haben die Melodien und der Gesangsstil etwas unverwechselbar Eigenes, so dass er seit 2008 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Zum Abschluss üben die Musiker mit den Kindern noch ein einfaches Kinderlied ein, wobei die fremde Sprache den Kindern erstaunlich leicht fällt. Dann dürfen sie sogar zu ihrer Freude mit Unterstützung der Profis die Instrumente bedienen.

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