Heilerin aus dem Reich der Mitte

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Die Chinesin Lu Yang praktiziert seit 2007 im Ärztehaus der städtischen Kliniken traditionelle chinesische Medizin.

„Seit vier Jahren Heuschnupfen? Strecken sie mal die Zunge raus!” sagt Lu Yang. „Ihr Immunsystem ist schwach. Vermutlich, weil sie keinen Sport treiben, rauchen und sich falsch ernähren”, analysiert die 40-jährige Medizinerin, die auch auf den zweiten Blick eher wie eine Mittzwanzigerin wirkt. Die Ansage saß – und stimmte leider komplett.

Wenn Lu Yang den menschlichen Körper und den Ursprung von Krankheit und Schmerz erklärt, erhält „Reich der Mitte” – eigentlich als Synonym für China gebraucht – eine völlig neue Bedeutung.

Viele der Krankheiten, die Menschen in Arztpraxen treiben, haben laut Lu Yang ihren Ursprung in der Körpermitte, im Magen: „Wenn das, was wir ihm zuführen, nicht ausgewogen ist, dann verliert der Mensch insgesamt seine Balance.”

Um Gleichgewicht, die „Mitte”, das richtige Mittelmaß, dreht sich in der klassischen chinesischen Medizin viel: Bewegung, Ernährung, Schlaf, Arbeit – für alles gibt es gesundes Maß, sagt die sympathische Chinesin.

In ihrer Heimat in Westchina, im Kanton Wuhan, arbeitete sie 16 Jahre lang, zuletzt als Oberärztin im Kantonskrankenhaus der Stadt Jiangxi – vergleichbar mit deutschen Unikliniken. In Deutschland hatte sie bereits in den neunziger Jahren studiert, drei Semester Ernährungswissenschaft in Bonn. Im Jahr 2007 kam sie durch ein Austauschprogramm nach Duisburg, eröffnete eine kleine Praxis im Ärztehaus der Städtischen Kliniken. Traurig ist sie, weil sie sich in Deutschland nicht Ärztin nennen darf: „Hier bin ich Heilpraktikerin, zuhause war ich Oberärztin. Schade.”

Damit ihr privates Gleichgewicht stimmt, kam vor einem Jahr die Familie aus China nach Deutschland. Mit deutschen Kolleginnen und Kollegen, sagt Lu Yang, habe sie ein gutes Verhältnis: „Obwohl die sich manchmal wundern, wenn sie mir einen verzwickten Fall schicken. Dem es dann plötzlich besser geht . . .”

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