Geburtshilfe

Hebammen-Mangel: Kreißsaal seit Monaten regelmäßig zu

Der Kreißsaal im Helios St. Johannes-Krankenhaus blieb während der Feiertage wegen Personalmangel geschlossen.

Der Kreißsaal im Helios St. Johannes-Krankenhaus blieb während der Feiertage wegen Personalmangel geschlossen.

Foto: imago stock&people / imago/wolterfoto

Duisburg.  Schwangere mussten schon mehrfach auf andere Krankenhäuser ausweichen: Personalnot im Kreißsaal des Helios Krankenhauses in Duisburg.

Das erste Baby des Jahres kam im Sana-Klinikum um 1.06 Uhr zur Welt (wir berichteten). Im Helios-Krankenhaus St. Johannes in Hamborn blieben aber die Lichter aus, weil der Kreißsaal während der Feiertage geschlossen war – offenbar nicht zum ersten Mal.

Pressesprecher Valentin Riemer bestätigt, dass sich der Kreißsaal in den vergangenen sechs Monaten mehrfach stunden- oder sogar tageweise vom Rettungsdienst abmelden musste. Es seien mehrere Hebammen wegen eigener Schwangerschaft und dem damit verbundenen sofortigen Beschäftigungsverbot ausgefallen, eine Kollegin ging in Rente. Auf dem Arbeitsmarkt habe man so schnell keinen Ersatz finden können.

Neue Kollegen sollen im Lauf der nächsten Monate ihre Arbeit aufnehmen

Viele Hebammen haben wegen der hohen privaten Versicherungskosten ihren Beruf aufgegeben, entsprechend groß ist die Nachfrage. Langsam würden jetzt die Lücken aufgefüllt: Für alle vakanten Stellen würden in den nächsten Monaten neue Kolleginnen kommen, so dass bald wieder eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung im Kreißsaal sicher sei, so Riemer. In seltenen Fällen kamen Frauen zur Entbindung vorbei, die dann aber verlegt werden mussten – bei Bedarf auch mit medizinischer Begleitung. Die Geburtsstation, die Gynäkologie und die Kinderklinik seien weiterhin uneingeschränkt für die Patienten da.

Dr. Eugen Breimann, Sprecher der hiesigen Ärzteschaft, sagt, dass Duisburg mit Kreißsälen noch gut versorgt sei: „Grundsätzlich bedauern wir aber, wenn ortsnahe Versorgungsmöglichkeiten geschlossen werden.“ Er sieht den Staat in der Pflicht, der von Geburten profitiere, die Haftung aber den Hebammen, Gynäkologen und Kliniken überlasse. Ein anderes Problem sei, dass manche Schwangere die Vorsorge nicht ernst nehmen würden oder Drogenprobleme hätten „und dann mit der Erwartung einer perfekten Geburt in die Klinik kommen“.

Im Bethesda-Krankenhaus hat man es nicht zu spüren bekommen, dass ein Kreißsaal während der Feiertage geschlossen war. Das sei aber zuvor häufiger der Fall gewesen und dann habe das Team mehr Geburten schultern müssen, sagt Pressesprecher Stefan Wlach.

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