Armes Duisburg

Gute Taten sind wichtig, stopfen aber nur Löcher

Foto: WAZ Grafik

Duisburg.  Armut legt einen Schleier auf die weihnachtliche Glitzerwelt. In Duisburg gibt es jetzt viele Spendenaktionen, sie lindern Not. Mehr nicht.

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Ruhrort ist mit einer Schuldnerquote von 28,65 landesweit der Stadtteil mit den meisten Menschen in Finanznöten. In keiner anderen Stadt ist die Anzahl der Schuldner so stark gestiegen wie in Duisburg, sagt der aktuelle Schuldenatlas von Creditreform. Zahlen, die einen tristen Schleier auf die weihnachtliche Glitzerwelt legen.

Zehntausende Arbeitslose, Zehntausende Hartz IV-Empfänger. Schulden ist das eine Wort, Armut das andere: In einigen Stadtteilen ist jedes dritte Kind in Duisburg von Armut betroffen, teils schon in der dritten Generation. Braucht es noch mehr, dass den flackernden Adventskerzen die Luft ausgeht? Die soziale Not in Duisburg hat ihre zementierten Strukturen, da hilft wenig, dass die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken ist.

Menschen helfen Menschen

Das gesellschaftliche Gefüge zerbröselt, die Menschen sind zermürbt. Eine Last und Bürde, die das ganze Jahr über drückt, die aber umso widersprüchlicher und schmerzlicher ist, wenn „Oh, du fröhliche“ säuselt und sich viele auf die Weihnachtstage freuen. Das soll niemandem genommen werden, doch Momente des Innehaltens sind geradezu Pflicht.

Die Weihnachtszeit ist zugleich auch die Zeit der Benefiz-Aktionen, der Spenden, des Teilens. Wo Staat und Struktur ungenügend sind, ja versagen, helfen Menschen Menschen, helfen Firmen und Vereine Trägern und Hilfsdiensten. Die Zahl der Aktionen in der Stadt ist gewaltig und bemerkenswert. Wunschbäume stehen vielerorts, andere verkaufen Weihnachtsbäume für den guten Zweck, die Zahnärzte versilbern Zahngold für karitative Träger oder die Duisburger Tafel verkauft Schokoladentafeln und in Unternehmen wird gespendet statt üppig gefeiert.

Das hilft und ist gut. Es nutzt Hilfsbedürftigen und unterstützt, diejenigen, die ehrenamtlich oder beruflich anderen helfen. Nicht gering schätzen soll man, dass gute Taten auch für diejenigen, die denn spenden und helfen, einen (Selbst-)Wert haben. Indes: All dies stopft nur Löcher in einem zunehmend fadenscheinigen Gewand.

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