Postzustellung

Großer Postärger in Duisburg: Eine Zustellerin packt aus

Eine Postzustellerin (hier ein Themenbild) hat sich gegenüber der Redaktion den Frust von der Seele geredet.

Foto: imago

Eine Postzustellerin (hier ein Themenbild) hat sich gegenüber der Redaktion den Frust von der Seele geredet. Foto: imago

Duisburg.  Über extrem hohe Arbeitsbelastung und Krankenstände sowie bewusst ausbleibende Zustellungen: Was Verdi und die Post zu den Vorwürfen sagen.

Der langjährigen Zustellerin kam die Galle hoch. Nein, ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, weil sie ihren Job noch länger machen möchte. Aber das, was die Pressesprecherin der Post zuletzt zu den Klagen der Kunden über verspätete oder ausgebliebene Sendungen vor allem an den Montagen gesagt hat, könne sie so nicht stehen lassen. Es handele sich keinesfalls um Einzelfälle oder temporäre Schwierigkeiten aufgrund von aktuell hohen Krankenständen unter den Zustellern, sondern um hausgemachte Probleme. Dann packt die Postangestellte aus.

„An den Montagen muss immer ein Stammzusteller freimachen, weil es ja da angeblich so wenig Post gibt. Dafür übernimmt ein Kollege zwei Bezirke. Das ist aber nicht zu schaffen und das weiß mein Arbeitgeber auch“, so die Zustellerin. „Deshalb wird die Post bewusst gesteuert.“ Und deshalb regten sich die Kunden zurecht auf.

Bezirke werden größer

Aber auch an den anderen Tagen sei die Arbeitsbelastung extrem hoch. Die Bezirke seien in den vergangenen Jahren immer größer und das Personal immer weniger geworden. „Man bespricht häufig morgens mit dem Teamleiter, welche Straße man liegen lassen kann.“ Sie selbst habe trotzdem über 100 Überstunden angesammelt.

Da sei es nicht verwunderlich, dass viele Zusteller krank werden – nicht nur aktuell, sondern schon seit längerem. „Dann wird irgendwie versucht, neue Leute zu bekommen. Die werden mit Halbjahresverträgen ausgestattet, eine Woche eingearbeitet und anschließend auf die Menschheit losgelassen“, so die Zustellerin. „Und nach sechs Wochen sind die meisten aufgrund der hohen Arbeitsbelastung schon wieder weg.“

Die Zustellerin atmet kurz durch, nachdem sie sich den ganzen Frust von der Seele geredet hat: „Jetzt fühle ich mich befreit.“

Gewerkschaft bestätigt die Vorwürfe

Stefan Kaufmann ist Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Duisburg, zuständig für Spedition, Logistik und Postdienste. Er sagt: „Ich kann im Kern die Aussagen nur bestätigen – auch was den Montag betrifft. Einen klassischen Brief wird der Kunde da nicht bekommen, sondern erst am Dienstag.“

Grundsätzlich sei die Unzufriedenheit aktuell unter den Zustellern so groß wie noch nie. „Laut Betriebsvereinbarung dürfen sie zu ihrem eigenen Schutz bei einer 38,5-Stunden-Woche nur bis zu zwei Stunden mehr arbeiten“, so Kaufmann. „Alles darüber hinaus wird nicht erfasst und damit nicht bezahlt. Viele Zusteller fühlen sich aber an der Ehre gepackt, spüren den Unmut der Kunden, arbeiten deshalb länger und damit umsonst. Und trotzdem bleiben aktuell Berge von Post liegen.“

Unmut der Kunden

Das liege an dauerhaft hohen Krankenständen, an zu großen Bezirken, aber auch an einer fehlerhaften Kalkulation, so Kaufmann. „Man hat Anfang des Jahres mit einem Rückgang der Postsendungen von 4,5 Prozent gerechnet und entsprechend Personal vorgehalten.“ Tatsächlich habe es aber nur ein Minus von 0,4 Prozent gegeben.

Britta Töllner, Pressesprecherin der Post, weist die Vorwürfe energisch zurück. „Es kann überhaupt nicht die Rede davon sein, dass Berge von Post liegen bleiben, schon gar nicht bewusst. Ich habe mich zuletzt selbst davon überzeugen können, dass die Schränke unserer Zustellbasis an der Kommandantenstraße leer waren.“

Post: Briefe bleiben nicht liegen

In der Tat seien die Postsendungen erfreulicherweise nicht in dem Maße zurückgegangen wie erwartet. Und die erhöhten Krankenstände ließen sich auch nicht wegdiskutieren. Allerdings werde das Personal laufend angepasst, befristete Verträge von bis zu zwei Jahren seien dabei anfangs üblich.

„In diesem Jahr sind allein für Duisburg unter Berücksichtigung der Abgänge etwa durch Rentner oder Studenten unterm Strich 35 neue Zusteller dazugekommen“, so Töllner. „Die Auswirkungen bleiben für den Kunden deshalb gering, ausbleibende oder verspätete Zustellungen Einzelfälle. Bei der Dialogpost etwa dürfen wir uns bis zu vier Tage Zeit nehmen, aber zum Beispiel ein klassischer Brief ist in der Regel nach einem Tag da – auch montags.“

Die Kunden werden dies heute überprüfen können.

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