Deutsche Oper am Rhein

„Götterdämmerung“ mit Kaffeeklatsch und Karneval

 Corby Welch (Siegfried) mit Anke Krabbe (Woglinde), Annelie Sophie Müller (Wellgunde) und Anna Harvey (Floßhilde).

 Corby Welch (Siegfried) mit Anke Krabbe (Woglinde), Annelie Sophie Müller (Wellgunde) und Anna Harvey (Floßhilde).

Foto: Hans-Jörg Michel / DOR

Duisburg.  Dietrich Hilsdorf inszeniert die Wagner-Oper als Rheinfahrt in den Untergang. Musikalisch hervorragende szenische Premiere unter GMD Axel Kober.

Richard Wagners „Götterdämmerung“ spielt normalerweise nur in „Siegfrieds Rheinfahrt“ auf dem Fluss. Regisseur Dietrich Hilsdorf versetzt die Final-Oper des „Ring des Nibelungen“ vollständig auf den Rhein. Seine Inszenierung, die im Rahmen einer zyklischen Aufführung im Theater der Stadt Premiere hatte, spielt auf einem Schubschiff, das über den Fluss fährt.

Eigentlich sollte die Produktion schon im Mai Duisburg-Premiere haben, wegen des Wasserschadens im Theater ging sie damals nur konzertant über die Bühne der Mercatorhalle. Der hervorragende musikalische Eindruck bestätigt sich nun auch weitgehend im Theater: Die Duisburger Philharmoniker spielen unter ihrem Generalmusikdirektor Axel Kober einen großformatigen Wagner.

Musikalischer Sog entwickelt sich mit großen Chorszenen

Das Orchester klingt in sich gut ausbalanciert, gleichzeitig hat Kober immer im Blick, dass die Sänger von der Musik getragen werden. Während der zweistündige erste Akt etwas spröde daher kommt, entwickelt die Aufführung ab dem zweiten Akt mit seiner Intrige und den großen Chorszenen einen starken musikalischen Sog. Dazu trägt auch der von Gerhard Michalski bestens einstudierte Chor seinen Teil bei.

Beachtlich sind auch die sängerischen Leistungen, zumal die Rheinoper die Produktion vollständig aus dem eigenen Ensemble besetzt: Linda Watson gehört schon seit mehr als 20 Jahren zu den großen hochdramatischen Sopranen und singt immer noch eine kraftvolle Brünnhilde, die in den Ausbrüchen groß auftrumpft und in den dialogischen Szenen auf die Textverständlichkeit achtet.

Corby Welch gestaltet den Siegfried mit schönem und biegsamen Tenor, geht die Rolle jedoch nicht so unbeschwert an, wie in der konzertanten Aufführung. Ein düster-verschlagener Hagen ist Sami Luttinen. Bellt er manche Forte-Passagen zu sehr heraus, so beeindrucken seine Mannen-Rufe im zweiten Akt. Mit großem Heldenbariton glänzt Bogdan Baciu als König Gunther, während sich Sarah Ferede in der Gestalt der Waltraute als großartige Geschichtenerzählerin zeigt.

Unsinnig Regieeinfälle trüben die Begeisterung

Die Begeisterung für die Aufführung wird aber durch die Inszenierung getrübt, denn Dietrich Hilsdorf streut, wie bereits in den anderen Teilen des „Rings“, immer wieder unsinnige Regieeinfälle ein: Eigentlich ist der erste Akt durch die Reisen Siegfrieds zwischen dem Brünnhildenfelsen und der Gibichungenhalle geprägt. Hilsdorf und sein Bühnenbildner Dieter Richter verorten das Stück aber auf dem besagten Schubschiff, das das einzige Bild bleibt. Egal, wo Siegfried hingeht, er kommt immer wieder auf diesem Schiff an, auf dem alle Figuren in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben, ohne voneinander zu wissen.

Oft schraubt Hilsdorf die Wagners Geschichte um die Weltherrschaft auf ein provinzielles Niveau herunter: Die Nornen sind drei „alte Schachteln“ beim Kaffeeklatsch, Hagens Mannen sind ein Düsseldorfer Karnevalsverein, und Gibichungen-König Gunther scheint bloß ein Rheinkapitän zu sein. Der Kampf um den Nibelungen-Ring ist da letztlich sinnlos, da die ganze Welt, die es zu beherrschen gilt, nur aus diesem Kahn besteht, der zudem, trotz des großen personellen Aufkommens dieser Oper, äußert begrenzte Spielmöglichkeiten bietet.

Szenisches Wirrwarr dürfte die Haltbarkeit begrenzen

Waren die Aufführungen von „Die Walküre“ und „Siegfried“ in der letzten Woche nur vor halbvollem Haus über die Bühne gegangen, so war die „Götterdämmerung“-Premiere ausverkauft, die Sänger wurden einhellig gefeiert. Während frühere Rheinopern-„Ringe“ aus den 60er und 90er Jahre 16 beziehungsweise 18 Jahre im Repertoire blieben, dürfte Hilsdorfs szenisches Wirrwarr eine deutliche kürzer Lebenszeit haben.

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