Theater am Mairentor

Goethes Faust im Gewand der Peking-Oper in Duisburg

Faust (Liu Dake) mit langem weißem Bart schließt einen teuflischen Pakt mit Mephisto (Wang Lu).

Faust (Liu Dake) mit langem weißem Bart schließt einen teuflischen Pakt mit Mephisto (Wang Lu).

Foto: Wu Promotion

Duisburg.   Die deutsche Regisseurin Anna Peschke inszeniert Goethes Tragödie mit chinesischen Darstellern. Die Musik komponierten auch Italiener mit.

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Eine solche Deutung von Goethes „Faust“ hat es noch nicht gegeben: Künstler der Peking-Oper stehen am 19. und 20. Mai auf der Bühne des Theaters am Marientor, um Goethes deutschen Klassiker mit den traditionellen Mitteln dieser chinesischen Theaterform aufzuführen. Die Musik haben die Italiener Luigi Ceccarelli und Alessandro Cipriani sowie der chinesische Komponist Chen Xiaoman für europäische und chinesische Instrumente geschrieben.

Die deutsche Regisseurin Anna Peschke, die in der freien Szene arbeitet, war 2011 für die Musikperformance „Mein chinesisches Herz singt dir ein Lied“ mit dem Berliner Opernpreis ausgezeichnet worden. 2012 entwickelte sie Büchners „Woyzeck“ mit einem Schauspieler der Peking-Oper. „Es ist eine ganz andere Form der Sprache“, sagt sie.

Hohe Anforderungen an die Darsteller

Fünf Kunstfertigkeiten müssen die Darsteller beherrschen: Neben Gesang und Schauspiel auch Akrobatik, Klangkunst sowie Tanz und Pantomime. „Das ist faszinierend für deutsche Zuschauer: ein sehr eigener Gesang und spannende körperliche Aktionen.“

Nicht zuletzt attraktiv fürs Auge sind die Kostüme, Kopfbedeckungen und die besonders geschminkten Gesichter.

Ein stärkeres Gretchen

Der bekannte „Faust“-Stoff werde aus einer ganz anderen Perspektive gezeigt, sagt Anna Peschke. Die Zahl der Darsteller wurde auf vier reduziert, der Text gekürzt, manche Aspekte herausgelassen, „etwa die philosophischen Diskurse und die Massenszenen“, so die Regisseurin. „Dafür war uns wichtig, was nicht bei Goethe steht“, beziehungsweise zwar gesagt, aber nicht auf der Bühne gezeigt wird: Wie das von Faust geschwängerte Gretchen ihr Kind tötet, wie sie, ausgestoßen von der Gesellschaft, trauert und verzweifelt.

Das wird etwa durch einen Fratzentanz um Gretchen herausgestrichen.

Auch die Figur des Gelehrten Faust, der aus Gier nach mehr Erkenntnis und Lust den Pakt mit Mephisto eingeht, werde nicht so positiv gedeutet wie etwa in der chinesischen Literaturwissenschaft. Dort werde er als Mann gesehen, der weiterkommen und etwas erreichen will, während der für Anna Peschke für den heutigen Menschen steht, der für seine eigenen Gelüste alles ausbeutet: die Natur ebenso wie Menschen.

Peking-Oper hat viele Regeln

Die Arbeit an der chinesisch-europäischen Koproduktion aus Italien (Emilia Romagna Teatro Fondazione) sei nicht immer einfach gewesen, sagt Anna Peschke. Unter anderem, weil die Peking-Oper sehr viele Regeln habe – sowohl ästhetischer als auch szenischer Art. Sie habe einen zeitgenössischen Umgang mit der Tradition gewollt. „Es war eine lange Annäherung mit vielen Diskussionen, wir haben uns zusammengerauft.“

Offenbar mit Erfolg, denn die Aufführungen an 15 italienischen Theatern hätten viel Beifall bekommen, vor allem die hohe Kunstfertigkeit und die Präzision der Darsteller seien gut angekommen.

>> Zwei Vorstellungen am Marientor

Die chinesisch-europäische Koproduktion kommt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 45-jährigen Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Deutschland für einige Vorstellungen nach Deutschland.

Zwei Vorstellungen sind im Theater am Marientor an der Plessingstraße vorgesehen: am Freitag, 19. Mai, um 19.30 Uhr, und am Samstag, 20. Mai, um 16 Uhr. Die Kartenpreise werden angegeben etwa zwischen 30 und 60 Euro.

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