Politische Bildung

Gesamtschüler sprechen mit Experten über Extremismus

Schülerin Michelle Adoración da Silva Pereira will von Streetworker Ramazan Yildirim wissen, wie leicht man in den Extremismus abrutschen kann.

Schülerin Michelle Adoración da Silva Pereira will von Streetworker Ramazan Yildirim wissen, wie leicht man in den Extremismus abrutschen kann.

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg-Dellviertel.   Die Schüler der Gesamtschule Globus haben Fragen zum Thema Extremismus vorbereitet. Drei Experten stellen sich ihnen in einer Gesprächsrunde.

Extremismus als Gefahr für die Demokratie – damit befassten sich die Oberstufenschüler der Globus-Gesamtschule am Donnerstag. Diskutiert wurden sämtliche Formen des Extremismus, nicht nur der von rechts, sondern auch linker und salafistischer Extremismus.

Als Gäste hatten die Schüler neben Nicole Erkan vom Muslimischen Frauenbildungszentrum (MINA) den Streetworker Ramazan Yildirim und Lenard Suermann von der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz eingeladen. Er hilft beim Ausstieg aus der rechten Szene.

Extremisten-Biografien sind sehr individuell

Zunächst dreht sich das Thema um den Ein- und Ausstieg in den Extremismus. Eine der vier Moderatorinnen, Michelle Adoración da Silva Pereira, möchte von den drei Fachleuten wissen, wie schnell man in den Extremismus abrutschen könne. „Die Biografien sind da sehr individuell, manche Leute nehmen zum Beispiel ihre Kinder mit zu Demos. Auf jeden Fall braucht es ein Umfeld, dass den Wandel mitträgt“, erklärt Suermann.

„Es kann auch eine Trotzreaktion gegenüber den Eltern sein, auch wenn man sich vom Extremismus abwendet“, ergänzt Sozialwissenschaftler Yildirim. „Jeder muss sein Handeln reflektieren, damit er merkt, ob er extremistisch wird.“ Nicole Erkan weist darauf hin, dass Rechtsextremismus kein rein deutsches Phänomen ist.

Schülerin Winner Meg Esther Denadou möchte wissen, ob links, linksextrem und linksradikal ein und dasselbe sind. Suermann differenziert: „Extremisten versuchen, die demokratische Ordnung zu verändern. Viele Antifaschisten demonstrieren friedlich und beobachten die lokale rechte Szene. Dann gibt es aber auch die, die gewaltbereit sind – das sind Extremisten“, erklärt er. Anissa Elaoudati hat einige Punkte zum Thema „Frauen und Extremismus“ vorbereitet – als Beispiel nennt sie AfD-Politikerin Alice Weidel, die in einer Rede kürzlich von „Kopftuchmädchen“ sprach.

Aussteigerprogramme in den Gefängnissen

„Da ist schon früher viel passiert, dass Frau Weidel so denkt. Ihr Argument, dass Frauen von Islamisten angelockt werden, ist aber falsch – die Frauen entscheiden sich bewusst dafür“, meint Erkan. Sollte man sie dafür bestrafen oder ihnen helfen, will die Zwölftklässlerin noch wissen. „Wenn sie Straftaten begehen, muss man diese Frauen dafür natürlich belangen“, sagt Streetworker Yildirim. „Viele Gefängnisse bieten aber auch entsprechende Aussteigerprogramme an.“ Auch auf die persönliche Ebene geht die Gesprächsrunde beim Thema „Extremismus an Schulen“ ein. Um diesem entgegen zu wirken, müsste etwas an den Schulen selbst geschehen, glaubt Suermann. „Vor allem aber sollte man die Diskussion mit Mitschülern nicht scheuen“, gibt er den rund 200 Zuhörern aus der 10. und 11. Klasse mit auf den Weg.

Präventionsstellen zu Extremismus/ Salafismus

Der Sportverein Genc Osman Duisburg fokussiert sich auf islamistisches Handeln und Orientierungen. Er will hauptsächlich junge Menschen erreichen.

Der „Wegweiser Duisburg“ des Vereins LEO ist außerdem eine örtliche Anlaufstelle gegen Salafismus. Er wird durch das Land NRW finanziert.

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