Kinderarmut

Runder Tisch bekämpft steigende Kinderarmut in Duisburg

Die Kinderarmut in Duisburg bleibt auf einem hohen Niveau.

Die Kinderarmut in Duisburg bleibt auf einem hohen Niveau.

Foto: Stephanie Pilick

Duisburg.   Die Zahl der Kinder, die in Duisburg von Hartz-IV-Bezügen leben, ist auf einem hohen Niveau. Erstmals tagte jetzt ein Runder Tisch zum Thema.

Die Kinderarmut in Duisburg nimmt seit Jahren zu. Immer mehr Kinder und Jugendliche leben in Hartz-IV-Haushalten – zuletzt rund 26.041 aller in der Stadt lebenden 0-15-Jährigen, das sind rund 37 Prozent dieser Altersklasse. „Das sind Zahlen, die sind inakzeptabel“, sagt Martina Ammann-Hilberath, Fraktionschefin der Linken.

Auf Initiative der Partei traf sich jetzt zum ersten Mal der im Jugendhilfeausschuss mehrheitlich beschlossene Runde Tisch zum Thema „Kinderarmut“. Mit dabei ist auch der Jugendring der Stadt. Ein Ergebnis der ersten Sitzung: Der Sozialbericht zum Schwerpunktthema „Prekäre Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen“ aus dem Jahr 2012 soll überarbeitet werden. Wie und in welcher Form ist noch offen, heißt es bei der Stadt.

An welchen Stellen es besonders brennt

Aber klar ist: Die Zahlen haben sich verändert. So ging der Bericht noch von 488.000 Einwohnern aus (mittlerweile sind es rund 500.000), die Arbeitslosenquote lag noch bei 12,5 Prozent (mittlerweile liegt sie bei 10,7 Prozent), der Anteil von Hartz IV-Beziehern an der Bevölkerung unter 65 Jahre lag bei 18,5 Prozent und drei von zehn Duisburger Kindern unter 15 Jahren waren auf Sozialgeld nach SGB II angewiesen. „Wir befürchten, dass sich diese Zahlen verschlechtert haben“, erklärt Ammann-Hilberath.

Deshalb sei es wichtig, deutlich zu machen, „an welchen Stellen es besonders brennt“, erklärt Martina Ammann-Hilberath. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund des neues „Gute-Kita-Gesetzes“, das noch vor der Jahreswende im Bundestag verabschiedet wurde. Wieviel Geld konkret nach Duisburg fließen wird, ist noch offen.

Aber: „Die kommunalen Vertreter sind die Akteure, die am besten bewerten können, wo und wie Geld in die Hand genommen werden muss, um die Situation für die Kinder zu verbessern“, sagt die Linken-Politikerin. Auch deshalb sei es gut, dass sich die Fraktionen „auch die von SPD und CDU“ bei diesem Thema jetzt an einen Tisch setzen.

Natürlich seien die städtischen Finanzmittel begrenzt. „Wir müssen in Duisburg immer wieder deutlich machen, dass eine nachhaltige Bekämpfung der Kinderarmut nur durch weitere Maßnahmen auf Bundesebene zu erzielen ist“, so Ammann-Hilberath.

„Viele Familien arbeiten in prekären Verhältnissen“

Sie erklärt: In Deutschland ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen. „Während die Kinderarmutsquote in vielen Städten Deutschlands nur geringfügig steigt oder sogar rückläufig ist, stieg diese in den letzten Jahren in Duisburg deutlich an. 2017 lebten über 30 Prozent der Kinder im Grundschulalter in Duisburg in Haushalten im SGB II-Bezug. In einigen Stadtteilen betraf dies sogar mehr als jedes zweite Kind.“ Gemeint sind Hochfeld und Marxloh.

Die Gründe seien vielfältig. „Duisburg ist die Stadt mit einem hohen Anteil an Niedriglöhnen. Viele Familien arbeiten in prekären Verhältnissen“, so die Linken-Fraktionschefin. Hinzu komme, dass die Zahl der Zuwanderer aus Südosteuropa gestiegen ist und mit ihr auch die Zahl der Kinder, die in Armut leben.

Es gibt viele gute Projekte, aber ...

Es gebe zwar bereits viele gute Projekte, wie die „Frühen Hilfen“, und auch die Familienzentren seien ein gutes Angebot. „Aber diese müssen ausgebaut und verstetigt werden“, seien sich die Teilnehmer an Runden Tisch einig.

Klar sei auch, dass längst nicht mehr nur SGB-II-Bezieher und „arme Familien“ betroffen sind. Beispielsweise würden die „hohen Kita-Gebühren“ auch für viele Mittelstandsfamilien immer mehr zur finanziellen Belastung.

Das nächste Treffen des „Runden Tisches“ soll es im März geben. Für Ammann-Hilberath ist es ein gutes Zeichen, „dass alle Fraktionen bei diesem wichtigen Thema an einem Strang ziehen.“

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