Trauer

Gemeinde schockiert über Tod des Pfarrers nach der Predigt

Es sollte ein feierlicher Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel (Mitte) werden. Es wurde ein Abschied für immer.

Es sollte ein feierlicher Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel (Mitte) werden. Es wurde ein Abschied für immer.

Foto: Frank Oppitz

Duisburg-Buchholz.   Es wurde ein Abschied für immer: Pfarrer Köhler-Miggel brach in seinem Abschiedsgottesdienst zusammen. Die Bestürzung über seinen Tod ist groß.

Plötzlich, beinahe schon am Ende seiner Predigt, fasst Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel an die Wand der Kanzel. Er sagt, dass er keine Kraft mehr habe, bittet um einen Stuhl. Sofort eilen Helfer zu ihm hinauf. Auf den Altarstufen bricht der Pfarrer zusammen – vor den Augen seiner Familie und von 450 weiteren Menschen. Sie alle waren in die Jesus-Christus-Kirche in Buchholz gekommen, um den Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel zu feiern. Niemand ahnte, dass es ein Abschied für immer sein würde.

Wenige Stunden nach dem Gottesdienst verstirbt der beliebte Pfarrer im St. Anna-Krankenhaus. Die Bestürzung über seinen Tod ist groß. Vor der Kirche haben zahlreiche Trauernde Kerzen und Blumen für ihn aufgestellt.

„Es ist einfach unfassbar“

Es sollte seine letzte Predigt werden. Danach wollte der 65-Jährige seinen Resturlaub antreten, um sich dann Ende des Monats aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Er hatte viele Pläne, wollte sich vor allem seiner Familie widmen – seiner Frau, den Kindern und Enkeln.

„Es ist einfach unfassbar“, sagt Heike Lingnau, die stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums. Sie ist Intensivschwester von Beruf, hat als eine der ersten die dramatische Lage erkannt. Es waren etliche weitere Mediziner in der Kirche, sie versuchten umgehend dem Pfarrer zu helfen, organisierten einen Rettungswagen. Doch es war vergeblich.

Menschen warten im Gemeindesaal auf Nachricht

„Wir alle waren schockiert. Es herrschte Totenstille“, beschreibt Heike Lingnau die Atmosphäre in der Kirche. Die THW-Männer, die zum Abschied Köhler-Miggels gekommen waren, reagierten prompt. „Sie haben dafür gesorgt, dass alles in geordneten Bahnen lief“, so Lingnau. Die Männer des Technischen Hilfswerks haben die Gemeinde gebeten, zunächst in der Kirche sitzen zu bleiben, den Helfern den Weg frei zu halten.

Nachdem der Todkranke aus der Kirche hinausgetragen war, haben die Gläubigen für ihn gebetet. Einige haben im angrenzenden Gemeindesaal, wo eigentlich eine fröhliche Abschiedsfeier stattfinden sollte, gewartet, um zu hören, wie es ihrem Pfarrer geht.

KöMi war seit langem herzkrank

„Werde schnell wieder gesund“, hat ein Mädchen in das große Buch geschrieben, das zu seinem Abschied als Pfarrer in der Kirche an der Arlberger Straße ausliegt. Es sollte zum Kondolenzbuch werden.

Dietrich Köhler-Miggel, der im ersten Berufsleben als Starkstromelektriker gearbeitet hat, war schon seit langem herzkrank. Nichtsdestotrotz machte er stets einen vitalen, fröhlichen Eindruck: ein gestandener Mann mit vielen Lachfältchen um die Augen, einer kräftigen Stimme. „Wenn KöMi in den Raum trat, dann war er präsent. Man konnte ihn einfach nicht übersehen“, so eine Presbyterin.

Auch vor seinem Abschiedsgottesdienst wirkte er kraftvoll. „Er war allenfalls ein wenig angespannt“, sagt Pfarrer-Kollege Björn Hensel. KöMi, wie er in der Gemeinde genannt wurde, war ein Pfarrer mit Leib und Seele, der vielen Menschen in schweren Stunden beigestanden hat. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“, sagt eine ältere Dame, die vor der Kirche gerade eine Kerze für den Verstorbenen anzündet.

>>> INFO: Die Kirche ist für Trauernde geöffnet

  • Für alle, die Abschied von Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel nehmen wollen, ist die Jesus-Christus-Kirche an der Arlberger Straße 10 in Buchholz am Dienstag bis 18 Uhr und am Mittwoch von 10 bis 20 Uhr geöffnet.
  • Es liegt ein Kondolenzbuch aus. Der Trauergottesdienst ist am Samstag geplant. Anschließend soll Dietrich Köhler-Miggel auf dem Friedhof der Gemeinde beigesetzt werden.

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