Neubaugebiet

Gegenentwurf zu Bauplänen fürs Rahmerbuschfeld vorgestellt

Das geplante Neubaugebiet Rahmerbuschfeld stößt bei den Rahmern auf wenig Gegenliebe, von der Duisburger Verwaltung ist es gewünscht.

Das geplante Neubaugebiet Rahmerbuschfeld stößt bei den Rahmern auf wenig Gegenliebe, von der Duisburger Verwaltung ist es gewünscht.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg-Rahm.  Der SPD-Ortsverband Großenbaum/Rahm hat einen Gegenentwurf zu den Bauplänen fürs Rahmerbuschfeld vorgestellt. Die Kernidee: weniger, höhere Häuser.

Noch ist das Rahmerbuschfeld eine blühende Wiese, noch können die Rahmer in ihrem kleinen Edeka-Markt gegenüber der Kirche einkaufen gehen. Doch sowohl die Tage der Wiese als auch die des Marktes sind gezählt: Im Rahmen des Neubauprojekts Rahmerbuschfeld sollen hier 65 Häuser und ein Edeka-Markt gebaut werden. Dagegen protestiert eine Bürgerinitiative, und der SPD-Ortsverband Großenbaum/Rahm hat einen Gegenentwurf zu den bisherigen Bebauungsplänen erarbeitet.

Und zwar in Person des Mitglieds und Architekten Dieter Düster, der die Ideen am Mittwochabend auf einer Infoveranstaltung des SPD-Ortsverbands Großenbaum/Rahm präsentierte. Düster spricht sich gegen die derzeitigen Pläne für das Rahmerbuschfeld aus. „Die Bebauung wäre zu dicht und zu nah an den alten Häusern.“ Er präsentiert einen eigenen Entwurf inklusive Edeka-Neubau, auf dem weniger, dafür höhere Häuser stehen und mehr Platz zu den Altbauten bleibt. Auf seiner Karte bliebe auch ein Teil der Weideflächen des Ventenhofs erhalten. „Der Landwirt könnte außerdem Ausgleichsflächen nebenan erhalten, die Eigentümer haben sicher auch ein Interesse zu verkaufen“, mutmaßt er.

Rahmerbuschfeld war schon 1999 als Baugebiet vorgesehen

Dem Ziel der Bürgerinitiative „Naturerhalt Rahmerbuschfeld“, auf das Baugebiet ganz zu verzichten, erteilt Stadtplanungsdezernent Martin Linne erteilt eine Absage. Auch andere Gebiete innerhalb Rahms seien nicht möglich, weder für die Häuser noch für den Supermarkt. „An der Autobahn können Sie nicht bauen, weil ein Mindestabstand von 40 Metern eingehalten werden muss. Da wird auch nie etwas hinkommen“, versichert er. In trockenen Tüchern sei das Rahmerbuschfeld aber noch lange nicht: „Für den Umweltplan müssen noch verschiedene Dinge geplant werden, erst dann können wir die Umweltverträglichkeit prüfen. Mit Ergebnissen ist aber erst im Frühjahr zu rechnen.“

Linne weist darauf hin, dass das Rahmerbuschfeld schon 1999 im Gebietsentwicklungsplan des Regionalverbands Ruhr als Baugebiet vorgesehen war. „Zwar verliert Duisburg Einwohner, das heißt aber nicht, dass unser Bedarf an Wohnraum gesunken ist. Heute leben mehr Menschen allein als früher, und die brauchen Platz. Wir müssen uns außerdem um Leute außerhalb der Stadtgrenzen bemühen, das hier ist eine Region. Duisburg braucht die Einwohner für die Vereine und Kirchen“, unterstreicht er. Der Bedarf an Schul- und Kitaplätzen werde berücksichtigt.

Bürgerinitiative will das Baugebiet Rahmerbuschfeld verhindern

Anders sehen das viele Rahmer, und das emotional. Ihre Sicht bringt Thomas Anthonj, Mitbegründer der Bürgerinitiative „Naturerhalt Rahmerbuschfeld“, auf den Punkt: „Das Rahmerbuschfeld ist die schönste Fläche Rahms und ein tolles Biotop. Für viele Rahmer waren die Dorfidylle und die Natur der Grund, hierher zu ziehen. Es gibt im Duisburger Süden bereits so viele Baustellen, und nun wird auch die letzte Fläche zugebaut.“ An diesem Punkt mahnt Stadtplanungsdezernent Linne zu mehr Sachlichkeit: „Wenn Sie glauben, das Rahmerbuschfeld sei das letzte Stück Natur, dann gehen Sie mal spazieren.“

Eine Baustelle im übertragenen Sinn ist der bisherige kleine Edeka-Markt des Dorfes. „Eventuell schließt der Laden sogar noch in diesem Jahr“, sagt Holger Müller, dem Grundstück und Gebäude gehören. Grund sei die Liefersituation, die seit den 1970er Jahren besteht. „Es gab zu viele Unfälle mit Lkw, die an Balkone gestoßen sind. Und der Lärm spielt auf einmal eine Rolle. Ich weiß nicht, warum die Anwohner auf einmal so dünnhäutig geworden sind, aber wenn die Lkw da ein Fahrverbot erhalten, müssen wir zumachen. Denn durch den Vordereingang können wir den Laden nicht beliefern.“ Das Grundstück zu erweitern, sei unmöglich. „Die angrenzenden Grundstücke gehören mir nicht, und die Leute haben da ihre Garagen drauf. Die werden sie wohl kaum abreißen – das Ding ist durch.“

Edeka-Supermarkt schließt vielleicht schon Ende des Jahres 2019

Falk Tonscheidt, Inhaber des Edeka-Marktes, lässt zwar durchblicken, dass er den kleinen Supermarkt gerne beibehalten hätte, malt für die Zukunft aber ein düsteres Bild: „Sie können froh sein, überhaupt noch so einen kleinen Markt in der Dorfmitte zu haben. Wir haben voriges Jahr allein 140.000 Euro in die Renovierung gesteckt. Der Laden wirft kaum Gewinn ab.“ Deswegen sei spätestens 2020 Schluss.

Thomas Anthonj entwirft ein anderes Szenario: Der Edeka, entgegnet er, sei durchaus zu retten: „Wir haben Analysen durchgeführt, auch mit Architekten, und sehen die Möglichkeit, den Markt zu erhalten. Wenn er verschwindet, haben wir in Rahm nichts mehr zu essen. Außerdem gibt es andere Interessenten als Edeka, die den Markt übernehmen würden.“ Eine Quelle für diese Aussage nennt er allerdings nicht.

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