Schule

Gefährlicher Schulweg: Jede Elterngeneration muss neu lernen

Kurze Beine, kurze Wege: Polizei und Stadtverwaltung plädieren dafür, dass Schüler zumindest das letzte Stück zur Schule zu Fuß gehen.

Kurze Beine, kurze Wege: Polizei und Stadtverwaltung plädieren dafür, dass Schüler zumindest das letzte Stück zur Schule zu Fuß gehen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Duisburg.  Der Schulweg birgt gefährliche Situationen, oft durch Elterntaxis. Schülerlotsen werden in Duisburg trotzdem nicht mehr ausgebildet.

Kolossales Gewusel vor den Schultoren. Hunderte Kinder kommen morgens gleichzeitig an und drängen auf den Schulhof. Jährlich verunglücken auf dem Schulweg 20 bis 30 Kinder in Duisburg, sagt Stefanie Bersin von der Polizei Duisburg. In diesem Jahr waren es bislang 12 Unfälle, 2018 waren es 28. Stadtweit sind Kinder im letzten Jahr in 170 Verkehrsunfälle verwickelt gewesen, mal als Fußgänger (79 Fälle), mal als Fahrradfahrer (49 Fälle) oder als Beifahrer in Auto, Bus oder Bahn.

Damit Grundschüler gefahrlos zur Schule kommen, gibt es seit einigen Jahren zumindest an fünf Grundschulen sogenannte Elternhaltestellen. Sie sind 100 bis 200 Meter von der Schule entfernt eingerichtet worden, wo die Kinder sicher ein- und aussteigen können und die restlichen Meter zu Fuß gehen können. Die Stadt Duisburg will damit die Bring- und Abholphasen vor der Schule entzerren.

Elternhaltestellen sollen Gefahrenstellen entschärfen

An manchen Standorten hat die Elternhaltestelle vor allem in Kombination mit häufigen Kontrollen Erfolg. So sank die Summe der Verwarnungen an einer Schule signifikant von 660 Verwarnungen in 2017 auf 375 im letzten Jahr und bislang 144. An den anderen Standorten sanken die Zahlen etwa um ein Drittel. Allerdings: Je mehr kontrolliert wird, je mehr werden erwischt. Die Zahlen sind also nur bedingt vergleichbar.

Gabi Priem, Sprecherin der Stadt Duisburg, erklärt: „Wer den Bring- und Abholverkehr beobachtet, sieht sehr schnell, dass das Gefahrenpotenzial für Kinder, die zu Fuß kommen oder mit dem Fahrrad fahren, durch die Vielzahl an Autos enorm ansteigt. Wir werden deshalb immer weiter Kontrollen durchführen und Verstöße ahnden, denn zum einen gibt es Eltern, die sich nicht an Vorgaben halten und zum anderen kommen jedes Jahr neue Eltern hinzu, die mit dem Thema erstmals konfrontiert werden.“ Weitere Elternhaltestellen seien nicht geplant, im Vordergrund stehe die Pflege des Bestands.

Schülerlotsen werden in Duisburg aktuell nicht ausgebildet

Neben den Geschwindigkeitskontrollen von Polizei und Ordnungsamt vor den Schultoren sowie mahnenden Plakaten der Verkehrswacht gibt es für Polizeisprecherin Bersin vor allem eine wirksame Unfallprävention: „Üben, üben, üben! Eltern müssen den Schulweg mit ihren Kindern immer wieder abgehen, sie so lange begleiten, bis sie sich sicher fühlen.“

Eltern klagen an vielen Schulstandorten über heikle Verkehrslagen

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage in einer Mütter-Gruppe auf Facebook klagten viele über die Verkehrssituation an den Schulen ihrer Kinder. So werde an der van-Gogh-Grundschule in Trompet häufig in zweiter Reihe geparkt oder sogar am Fußgängerüberweg in drei Zügen gewendet. An der Schule am Park in Marxloh werde auch der Parkplatz vor der Schule zur Gefahrenzone für eintrudelnde Schulkinder.

Nur noch mit elterlicher Faulheit ist offenbar die Situation vor der GGS am Mattlerbusch zu beschreiben, wo zwei große Parkplätze rund um die Therme in nicht mal 100 Metern Entfernung reichlich Platz bieten würden, die Elterntaxis sich dennoch vor der Schultüre drängen.

Auf die Vernunft der Eltern angewiesen

Die meisten Kommentare erntete die Grundschule Böhmer Straße in Buchholz. Rundherum sind viele enge Straßen, Elterntaxis parken hier in zweiter Reihe, auf Gehwegen. Es sei schwer, den Überblick zu behalten, mitunter „super gefährlich“, wie eine Mutter schreibt. In das Bringchaos schiebe sich regelmäßig die Stadtreinigung, die eine halbe Stunde später freie Bahn hätte, aber gern gegen 7.45 Uhr die Schule passiere. Schulleiterin Ellen Langhanki von der Katholischen Grundschule kennt die Klage. Schon lange kommt ein Verkehrspolizist in die Schule, spreche mit den Kindern, übe mit ihnen den Schulweg.

Um die Sicherheit der 370 Kinder zu gewährleisten, die morgens zu den beiden Grundschulen kommen, gibt es eine praktikable Lösung: Parken auf dem nahe gelegenen Marktplatz, die Kinder über die Straße begleiten - und sie das letzte Stück mit den Klassenkameraden gemeinsam gehen lassen. Leider würden viele Eltern die Kinder vor dem Schultor herauslassen. „Wir führen regelmäßig Gespräche mit den Eltern, aber wir sind auf deren Vernunft angewiesen“, macht Langhanki deutlich.

Dauerbrenner ist die internationale St. Georges School in Ungelsheim, wo viele Kinder aus umliegenden Städten gebracht werden und zwischen anfahrenden Autos Richtung Schule rennen, wie eine Mutter beklagt.

Verkehrswacht: Keine Schülerlotsen mehr in Duisburg

Die Verkehrswacht stattet in Duisburg keine Schülerlotsen mehr aus. Sie haben jahrelang für Sicherheit vor den Schulen gesorgt. Da überall inzwischen Tempo-30-Zonen, an manchen Stellen auch Ampeln oder Zebrastreifen eingerichtet wurden, ist der Dienst nicht mehr nötig, erklärte Günter Walter gegenüber der Rheinischen Post.

Landesweit sind aber weiterhin 3729 Verkehrshelfer im Einsatz, rund 2000 Erwachsene und 1700 Jugendliche. Die Landesverkehrswacht beobachtet eine Verschlechterung der Verkehrssicherheit für Kinder und belegt das mit der Unfallstatistik: Während 2017 noch 1082 Kinder in NRW verunglückten, waren es 1201 in 2018. Die Zahl der tödlich verunglückten Kinder sank von sechs auf drei.

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