Kultur

Frischzellenkur für Grabplatte von Gerhard Mercator

Rund 30 Epitaphe erinnern in der Salvatorkirche an die berühmten Bürger der Stadt.

Rund 30 Epitaphe erinnern in der Salvatorkirche an die berühmten Bürger der Stadt.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Restaurator flickte einen Finger und behob andere Schäden. Grabmal porträtiert den Gelehrten. Führungen informieren über Grabplatten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wie wichtig eine Person war, konnte man früher an der Ausführlichkeit ihrer Grabplatte, auch Epitaph genannt, sehen. In der Salvatorkirche erinnern rund 30 an die wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt. Das des Gelehrten von Gerhard Mercator musste nun allerdings restauriert werden. Nachdem Dr. Christoph Hellbrügge und sein Team das Epitaph behutsam bearbeitet haben, kann man die Inschrift sogar wieder lesen.

Auf der Platte von Gerhard Mercator steht ein halber Roman: „Dem Allgütigen Allmächtigen Gott geweiht. Gerhard Mercator liegt hier begraben, stammend aus dem Jülicher Land, geboren zu Ruppelmonde in Flandern. (...) Er war bei weitem der erste Mathematiker seiner Zeit, der auf kunstvollen, sorgfältig ausgemessenen Globen den Himmel und die Erde von innen und von außen, soweit es möglich war, dargestellt hat.“


Charakterzüge und Beschreibungen

Es folgen weitere positive Charakterzüge und Beschreibungen. Mercator starb am 2. Dezember 1594 in Duisburg. „Das Porträt über der Inschrift zeigt den älteren Mercator. Leider fehlte ein Teil eines Fingers. Den haben wir erneuert“, erklärt Dr. Christoph Hellbrügge, der Kunstgeschichte studierte und eine Mauerlehrer absolvierte, bevor er einige Jahre im Denkmalamt arbeitete. Pfarrer Martin Winterberg weiß: „Auf dem Bildnis sieht man sogar einen hängenden Augenwinkel. Wir wissen, dass Mercator früher einmal einen Schlaganfall hatte.“ Wer sich für weitere Details interessiert – Margret Stohldreier führt regelmäßig Interessierte durch die Salvatorkirche. Sie zeigt, gekleidet, als käme sie aus dem 17. Jahrhundert, den Besuchern die Grabmale und berichtet von den Schicksalen der dahinter stehenden Personen.

Bedeutung für die gesamte Stadt

„Solche Arbeiten haben immer einen technischen, aber auch einen historischen Aspekt.“ Es gehe keinesfalls um ein Lifting, sondern die Feinheiten heraus zu arbeiten. Das Epitaph von Mercator besteht aus belgischem Kalksandstein „mit schieferigem Charakter“. Seit Herbst 2017 ist Hellbrügges Werkstatt mit Mercator betraut. Die Kosten für die Restaurierung hat die Mercator-Stiftung übernommen. „Das Epitaph hat eine Bedeutung für die gesamte Stadt. Wir befinden uns hier zwischen Mercatorquartier, Mercatorbrunnen und ehemaliger Schatzkammer“, erklärt Winterberg.

Gesäubert wurde übrigens auch die Platte von Clauberg. Beide Andenken können nun wieder in der Südkapelle von Besuchern begutachtet werden. Auch im wahren Leben waren beide verbandelt. Mercator war mit der Enkelin Claubergs verheiratet.

>> GOTTESDIENST ZUR RÜCKKEHR

Mit einem Gottesdienst am Sonntagmorgen, 10 Uhr, wird das erneuerte Epitaph wieder der Gemeinde vorgestellt. „Es kommt auch jemand, der Mercator noch zu Lebzeiten kannte“, macht Pfarrer Winterberg neugierig. Gemeint ist wohl Corputius von Mercators Nachbarn.

Im Anschluss sind Denkmalschützer Dr. Tromnau und Dr. Hellbrügge zu Gast und berichten von ihrer Arbeit.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben