Fridays for Future

Fridays for Future: Hunderte demonstrieren in Duisburg

Fridays for Future: Hunderte Duisburger Schüler demonstrieren am Freitag in der Duisburger Innenstadt für eine bessere Klimapolitik.

Fridays for Future: Hunderte Duisburger Schüler demonstrieren am Freitag in der Duisburger Innenstadt für eine bessere Klimapolitik.

Foto: Dennis Vollmer

Duisburg.  Mehr junge Leute als bisher gingen in Duisburg für ihre Überzeugung auf die Straße. Indes arbeiten die Schüler selber an Klimaideen.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft raubt!“ Die Bewegung „Fridays for Future“ hat am Freitag noch einmal reichlich Schwung geholt: Trotz massiven Drucks aus dem Schulministerium gingen mehrere hundert Duisburger Schüler vor das Rathaus und auf die Straße, um gegen die Klimapolitik auch der Landesregierung zu demonstrieren. Oberbürgermeister Sören Link war diesmal „außer Haus“.

Indes spitzt die Landesschulbehörde den Konflikt zu: „Ich bitte Sie, zu dokumentieren, wer am Freitag dem Unterricht fern geblieben ist, um an der o.g. Aktion teilzunehmen“, heißt es in einem Schreiben der Bezirksregierung Düsseldorf an die Schulleitungen. Im Raum stehen neben Bußgeldern nun auch ungenügende Noten wegen „nicht erbrachter Leistung“ für diejenigen, die aus Demonstrationsgründen etwa nicht an Klassenarbeiten teilnehmen.

Mehr Schüler als bisher bei Demo

Dennoch entschieden sich mehr Schüler als bislang – die Polizei spricht von 350, die Veranstalter von mehr als 500 – dafür, statt Unterricht lieber Lehrstunden in Sachen Politik, Umwelt, Kunst, Deutsch und Englisch zu nehmen: „If you breathe air, you should care“ – wer Luft atmet, sollte sich dafür interessieren – reimten sie. Bastelten kreative Plakate, setzten sich mit Klimaproblemen auseinander, erprobten die Mittel der Demokratie. Auf dem Platz vor dem Forum, wo die Demo endete, zeigte eine Schülerin eine Poetry-Slam-Performance: „Nicht abwarten, handeln“, lautete die Botschaft. Aus Theorie wird Praxis.

Der Vorwurf, die Schüler wollten nur schwänzen, lernten hier nicht, geht für Annalena (18) deshalb fehl. Doch auch sie sieht die eigene Generation in der Pflicht, die Welt zu ändern, „in die wir hineingeboren wurden“. Ihre Antwort: Keine Avocados mehr, kein Plastik, weniger Autoverkehr, Industrie und Kapitalismus.

Freundin Sina (17) hat sich überzeugen lassen, mitzumachen, „viele Schüler finden das richtig und ‘cool’, aber demonstrieren nicht mit, weil sie glauben, das bringt nichts“, bedauert sie. „Aber wenn es so ist wie heute, wenn wir mehr werden, dann bewegen wir etwas“.

Konkrete Ideen für Duisburg entwickeln

Längst haben sich die jungen Organisatoren der Duisburger Bewegung aufgestellt, um nicht nur zu demonstrieren, sondern konkrete Änderungsvorschläge für ihre Stadt zu erarbeiten: Sie kümmern sich um mehr und bessere Radwege, Parkgestaltung, Baumschutz, Müll, mehr erneuerbare Energie in der Stadt und günstigeren ÖPNV.

Schüler bilden Arbeitsgruppen

Maike ist in der Wildblumen-Gruppe, „wir sind noch in der Phase, uns zu informieren“, am Ende aber sollen konkrete Maßnahmen an die Politik gehen, sagt sie. Erste Ideen hat die Ortsgruppe schon an OB Sören Link weitergegeben, darunter konkrete Verbesserungen für Radler, Forderungen nach einer Baumschutzsatzung, mehr Grün und Maßnahmen, das Autofahren unattraktiv zu machen, etwa durch eine Citymaut und Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Reaktion bisher? „Wir haben gehört, was alles nicht gehen soll“, sagt Heinrich vom Orga-Team, lobt aber, dass der OB versprochen habe, gemeinsame Gespräche mit der Politik und den jungen Erwachsenen zu organisieren. Konkret wurde das bislang nicht. „Aber wir machen weiter, so lange, bis sich etwas ändert“, sagt Joline (16), den Druck der Landesregierung will sie dafür aushalten: „Ich werde als Entschuldigung nicht ‘Kopfschmerzen’ angeben, sondern die Demo, denn das hier ist meine Überzeugung“.

Applaus gibt es dafür auch aus dem Lehrerzimmer, wissen viele. „Unter vier Augen hören wir oft ‘weiter so’“, bestätigen Heinrich, Maike und Joline, die jeweils von anderen Schulen kommen. Sie wissen: „Offiziell müssen Schulleiter natürlich die Order der Landesregierung vertreten.“

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