Universität Duisburg-Essen

Forscher wollen die Migrationsforschung breiter aufstellen

Prof. Dr. Andreas Blätte und Prof. Dr. Anja Steinbach leiten an der Universität Duisburg-Essen das neue Interdisziplinäre Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung.

Prof. Dr. Andreas Blätte und Prof. Dr. Anja Steinbach leiten an der Universität Duisburg-Essen das neue Interdisziplinäre Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung.

Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services

Duisburg.   60 Wissenschaftler forschen im frisch gegründeten Interdisziplinären Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (InZentIM) an der UDE.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gemessen an der zeitweiligen Behäbigkeit im Wissenschaftsbetrieb nimmt sich der Start schon fast atemlos aus: Nur kurz nach seiner Gründung hat das Interdisziplinäre Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (InZentIM) soeben mit dem ersten dreitägigen Kongress an der Universität Duisburg-Essen (UDE) eine Duftmarke in der Fachwelt gesetzt. Die hohe Schlagzahl werde man beibehalten, kündigen die Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Anja Steinbach (Institut für Soziologie) und Prof. Dr. Andreas Blätte (Institut für Politikwissenschaft) an: „Wir wollen die Migrationsforschung breiter aufstellen, auch in der Politikberatung stärker werden.“

Die Massenflucht nach Westeuropa vor zwei Jahren war gewissermaßen der Geburtshelfer für das virtuelle Zentrum, in dem fast 60 Wissenschaftler am Doppelcampus Duisburg-Essen forschen. „Schon nach dem ersten Treffen war klar, dass wir die Forscher hier vernetzen wollen“, so Andreas Blätte. Das sind natürlich die Politikwissenschaftler und Soziologen, aber auch Mediziner und Bildungswissenschaftler in Essen, Sprachwissenschaftler, Philosophen und selbst Ingenieurwissenschaftler. Auch das Zentrum für Türkeistudien ist mit im Boot. „Thematisch breit aufgefächert“, konstatiert Anja Steinbach, „wir haben schon seit 40 Jahren Forschungsergebnisse gesammelt.“ Eine Bundestagsinitiative, unterstützt von den Duisburger Abgeordneten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir, bezuschusst die Vernetzung der Wissenschaftler zu einem Forschungszentrum für Integrations- und Migrationsfragen, mit dem die UDE international Akzente setzen kann.

Neue Schwerpunkte setzen

Dank Unterstützung von Land und Wirtschaft kann das InZentIM neue Schwerpunkte setzen: Für eine Professur, die „Migration und Teilhabe“ untersuchen wird, läuft das Besetzungsverfahren, der Start ist zum nächsten Sommersemester geplant. Vorher stehen zwei Seniorprofessuren zu den Themen „Interkulturelle Psychologie“, finanziert von Evonik am Campus Essen, und „Entrepreneurship“ am Campus Duisburg (Mercator School of Management), finanziert von der Haniel-Stiftung. „Menschen mit Zuwanderungshintergrund haben eine besondere Affinität zu Unternehmensgründungen“, begründet Haniel-Vorstand Stephan Gemkow das Engagement: „Dieses Phänomen soll wissenschaftlich untersucht und gesellschaftlich nutzbar gemacht werden.“

Das „Forschungsobjekt“ liegt vor der Haustür. „Ein Vorteil, den ich bisher nicht hatte“, sagt Anja Steinbach, die zuvor in Chemnitz forschte. Nun plant sie eine Untersuchung zu Migranten in der stationären Pflege. „Das wird künftig für viele ein Thema werden“, glaubt die Soziologin. Weiteres ist in der Pipeline: im Mercator-Forum wird sich der Philosoph Andreas Niederberger (Essen) mit Migranten in politischen Organisationen auseinandersetzen und dabei mit der TU Dresden kooperieren, eine regelmäßige Doktoranden-Konferenz wird man einrichten und eine gemeinsame Forschungs-Datenbank aufbauen.

Gemeinsame Projekte

Auch mit dem Zentrum für Erinnerungskultur denkt man über gemeinsame Projekte nach. Neben der gegenseitigen Befruchtung durch die Vernetzung sei es „eines der großen Ziele von InZentIM“ auch den Austausch mit Politik und Verwaltung zu intensivieren, kündigt Andreas Blätte an.

Schließlich ist das junge Institut auch auf Bundesebene gefragt: Gemeinsam mit ihren Kollegen von der Berliner Humboldt-Universität beteiligen sich die UDE-Fachleute am jüngst gestarteten Aufbau eines Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).

Region mit langer Migrationsgeschichte

„Die Universität Duisburg-Essen liegt in einer Region mit langer Migrationsgeschichte. Durch die vielen eingewanderten Menschen entstand eine vielfältige Gesellschaft, für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erleben, Lernen und Arbeiten alltäglich sind. Deshalb ist es konsequent, hier das erste universitäre Zentrum für Integration und Migration Nordrhein-Westfalens zu gründen“, sagte die damalige nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) bei der Eröffnung des InZentIM im Februar dieses Jahres.

Am Campus Duisburg sind neben den Gesellschaftswissenschaftlern Anja Steinbach und Andreas Blätte noch Anja Weiß, Marcel Erlinghagen, und Achim Goerres beteiligt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben