Projekt

Flüchtlingsschiff legte im Duisburger Innenhafen an

Neben der ägyptischen Flagge wurde auch die der Geflüchteten (l.) gehisst: 2015 nähte eine Syrerin diese aus den Resten ihrer Rettungsweste.

Neben der ägyptischen Flagge wurde auch die der Geflüchteten (l.) gehisst: 2015 nähte eine Syrerin diese aus den Resten ihrer Rettungsweste.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Das sozial-kulturelle Schiffsprojekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ legte im Duisburger Hafen an. 70 Kupferfiguren sorgten für Aufsehen.

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Das in Bremen gestartete ehemalige Flüchtlingsschiff Al-hadj Djumaa, legte am Wochenende im Duisburger Hafen an. Mit an Bord waren 70 Kupferfiguren des dänischen Künstlers Jens Galschiøt. Der Hingucker wurde von einem bunten Bühnenprogramm und zahlreichen Infoständen rund um das Thema Flucht und Migration begleitet.

2013 kam die Al-hadj Djumaa mit 217 Eritreern und 65 Äthiopiern an Bord aus Ägypten und wurde vor Lampedusa von der italienischen Küstenwache beschlagnahmt. Heute wird sie in Amsterdam von der Rederij Lampedusa betrieben und ist derzeit für das Projekt „Mit Sicherheit gut ankommen“ der Hammer Stiftung „Outlaw“ im Einsatz.

Kurze Führungen über das Schiff

„282 Geflüchtete wurden damals an Deck untergebracht und in die einzelnen Stauräume gestopft“, erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Outlaw-Stiftung Gerald Mennen. Mittels kurzer Führungen auf dem Schiff will der Initiator den Besuchern die Strapazen der Flucht nahelegen. Die 70 Figuren stellen ein Viertel der Geflüchteten aus Ägypten dar und bereits jetzt ist es an Deck ziemlich ungemütlich. „Es gibt keine Toiletten an Bord, daher roch es nach Fäkalien und Erbrochenem. Viele von ihnen wurden auf der zweieinhalbtägigen Reise ohnmächtig und mussten an Deck gebracht werden“, erklärt Mennen den Duisburgern. Susanne Berg ist eine der Besucherinnen und sichtlich bestürzt: „Unvorstellbar, wie die Menschen den Gestank in den Stauräumen ausgehalten haben.“

Trotz des bedrückenden Themas, ist das Rahmenprogramm auf dem Johannes-Corputius-Platz heiter gestaltet. Flüchtlingshelfer aus Duisburg informieren an zahlreichen Ständen über ihre Arbeit, daneben basteln Kinder Armbänder oder schießen auf eine Torwand. Auch die Wohlfahrtsverbände sind vertreten und bieten Kindern Mitmachaktionen, die Kreativwerkstatt von Outlaw schminkt ihre Gesichter bunt. Auf der Bühne singt Musiker Simon Josua Elter und rundet die Stimmung mit feinstem Soul ab.

Buntes Rahmenprogramm im Hafen

Neben einem Glücksrad und dem gesponserten Büfett des Vereins Mabilda, gibt es noch eine weitere Aktion: Besucher flechten symbolisch bunte Tücher ins Brückengeländer. „Wenn jeder ein Stück dazu beiträgt, können wir gemeinsam Brücken übers Wasser schlagen“, erklärt Mitarbeiterin Anna Freitag.

Die szenische Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“ vom Bunten Tisch Moers sorgt für Gänsehaut: „Sie besteht aus Originalzitaten der Geflüchteten – das ist unglaublich berührend“, sagt Outlaw-Bereichsleiterin Babara Mag. Auch die Podiumsdiskussion „An(ge)kommen in Duisburg – und jetzt...“ legt den Besuchern die Situation der Betroffenen nahe. „Die Menschen stumpfen durch die Nachrichten ab. Sie betrachten Flüchtlinge nicht mehr als Menschen, sondern als Gegenstände“, erklärt Mag. Für Gerald Mennen ist es wichtig, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die Thematik dürfe die Gesellschaft nicht spalten. „Deswegen wollen wir mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen.“

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