Kino & Kultur

Flüchtlingsschicksale im Fokus der 41. Duisburger Filmwoche

Ergreifende Schicksale von Flüchtlingen schildert der Festival-Beitrag „What The Wind Took Away".

Ergreifende Schicksale von Flüchtlingen schildert der Festival-Beitrag „What The Wind Took Away".

Foto: Filmwoche

Duisburg.   Die Migration ist nur ein Themen-Schwerpunkt der 41. Duisburger Filmwoche. 26 Dokus sind zwischen dem 6. und 12. November im Filmforum zu sehen.

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Hedil und Naam sind zwei Mütter, die zur religiösen Minderheit der Jesiden gehören. Verfolgt von marodierenden IS-Banden, wagten sie mit ihren Familien über Nacht die Flucht aus Nordsyrien in die Türkei. Und ihre Verzweiflung und Erschöpfung war unterwegs so groß, dass sie zwischenzeitlich sogar daran dachten, sich und ihre eigenen Kinder zu töten.

„What The Wind Took Away“ heißt jene aufwühlende Dokumentation, die diese beiden Frauen zu Wort kommen lässt und die den Alltag in einem Flüchtlingscamp zeigt. Die Arbeit von Celik Helin und Martin Klingenböck haben die Macher der Duisburger Filmwoche bewusst als Abschlussfilm der 41. Auflage ausgewählt. Denn das Thema Flucht und Migration spielt beim Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms auch diesmal wieder eine zentrale Rolle.

Preise von „Arte“ und „3sat“ ausgelobt

26 Dokus mit einer Spielzeit von 30 Minuten bis anderthalb Stunden werden vom 6. bis 12. November im Filmforum am Dellplatz gezeigt. Die Auswahlkommission hatte im Vorfeld über 800 Arbeiten gesichtet. Unter den Auserwählten sind neben den deutschen Filmen auch fünf österreichische Produktionen und zwei aus der Schweiz. Sie alle bewerben sich um die Hauptpreise (jeweils dotiert mit 6000 Euro), die die beiden Medienpartner „Arte“ und „3sat“ ausgelobt haben. Hinzu kommen Förderpreise der Stadt Duisburg und des Landes NRW (je 5000 Euro) sowie der Publikumspreis der Rheinischen Post (1000 Euro).

„Neben Flucht und Migration bildet auch der Rechtsruck in Europa einen Schwerpunkt innerhalb der Beiträge“, verrät Festivalleiter Werner Ružička. Auch das Altern und der Umgang der einer immer älter werdenden Gesellschaft mit diesem Thema stehe bei mehreren Dokus im Fokus.

Doch bei der Filmwoche wird ja traditionell nicht nur geschaut, sondern immer auch ausgiebig über das zuvor Gesehenen diskutiert. Und zwar mit den Filmemachern, die vor Ort sind. „Das zeichnet dieses Festival aus“, lobte Kulturdezernent Thomas Krützberg bei der gestrigen Vorstellung des Programms und fügte im Brustton der Überzeugung hinzu: „Duisburg ist Dokumentarfilmstadt.“

Großes Lob richtete Krützberg aber auch an Dr. Gerhard Jahn. Als Leiter der VHS trägt Jahn seit über 15 Jahren die Gesamtverantwortung für die Filmwoche – letztmals bei der jetzigen Auflage im November. Denn im Frühjahr 2018 verabschiedet er sich in den Ruhestand. „Die Filmwoche ist unverändert und einzigartig“, stellte Jahn fest. Mit ihrem seit Jahrzehnten bewährten Format sei sie „ein Edelstein in der Festivallandschaft“, so Jahn, „den es zu bewahren und zu pflegen gilt“. Er richtete einen dringenden Appell an die Stadt und das Land: „Wir müssen zukunftsfähige Strukturen für das Festival schaffen, um es auch für kommende Generationen fit zu machen.“ Trotz aller Sparzwänge müsse Duisburg zwingend weiter an seinem kulturellen Profil arbeiten, so Jahn. Denn kulturelle Aushängeschilder wie die Filmwoche seien wichtig für die Lebensqualität einer Stadt.

Prominente Dokumentaristen

Auch bei der 41. Filmwoche, deren Motto „Mittel der Wahl“ lautet, werden „wieder zahlreiche namhafte Vertreter aus der Dokumentaristen-Szene zu Gast in Duisburg sein“, kündigte Festivalleiter Ružička an. Dazu gehört Hans-Dieter Grabe, der seinen Nachbarn – den Bauern Anton – mit der Kamera begleitet hat. Aber auch Peter Braatz, Romuald Karmakar oder Thomas Heise werden in Duisburg vorbeischauen.

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