DRK-Flüchtlingsberatung

Flüchtlingshelfer bauen in Duisburg Brücken für Bildung

„Flucht sucht Zuflucht“:  die Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck, Cornelia Spitzlei (DRK-Flüchtlingsberatung), Charlotte Knoll (Flüchtlingsberatung) und Anna Žalac (Leiterin des Familienbildungswerks, v.l.n.r.)

„Flucht sucht Zuflucht“: die Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck, Cornelia Spitzlei (DRK-Flüchtlingsberatung), Charlotte Knoll (Flüchtlingsberatung) und Anna Žalac (Leiterin des Familienbildungswerks, v.l.n.r.)

Foto: Michael Dahlke

Duisburg.   Über Kunst rückt das DRK das Thema Flucht in den Fokus. Ein Schwerpunkt der Arbeit gilt den Hilfen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Mit vielen kleinen weißen Farbtupfern hat Walburga Schild-Grießbeck die Geflüchteten dargestellt auf einem ihrer Bilder, es dann zerschnitten und als „Asylantrag der Herzen“ kleinteilig an die Gäste bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im DRK-Haus verteilt. Es sei „eine gute Gelegenheit, ein wichtiges Thema unserer Arbeit und der Gesellschaft über die Kunst aufzugreifen“, sagte Anna Žalac, Leiterin des Familienbildungswerks beim DRK.

Das Rote Kreuz ist mit 15 Hauptamtlichen und 200 Honorarkräften einer der großen Träger der Flüchtlingsarbeit in Duisburg. „Wir bieten ein Hilfesystem von der Schwangerschaft bis zum Berufseintritt an“, beschreibt Žalac. Allein in der Beratung der Geflüchteten beschäftigt das DRK mit zwölf Mitarbeitern – die Zahl wird sich zum Jahreswechsel auf sechs reduzieren, weil die Förderung für die Stellen ausläuft.

Besonders verwundbare Gruppe

Seit 1990 ist Cornelia Spitzlei bereits als Flüchtlingsberaterin an Bord, hat seither Tamilen und vietnamesische Bootsflüchtlinge betreut, später kamen Eritreer und Iraner. Die Nationalitäten wechselten, die Sorgen und Nöte der Menschen bleiben gleich. Wichtig für ihre Arbeit: Die Änderung des Asylgesetzes vor vier Jahren, geboren aus der Einsicht, eine Lösung für Tausende langjährige Geduldeter zu finden, für die bis 2005 auch ein Arbeits- und Ausbildungsverbot galt. „Das war das Ende der Abschottungspolitik“, sagt Spitzlei.

Nun gelten die Bemühungen der Berater – einige von ihnen flüchteten einst selbst nach Duisburg – den jungen Erwachsenen, die als unbegleitete Minderjährige kamen. „Es ist eine besonders verwundbare Gruppe“, erklärt Beraterin Charlotte Knoll. Viele hätten schon als Kinder Verantwortung übernehmen müssen, gearbeitet, statt die Schule besucht. Bei anderen unterbrach eine jahrelange Flucht die Schullaufbahn.

Bildungsangebote fehlen

Zu kurz sei deshalb die Zeit, um die neue Sprache zu lernen, den Anschluss in der Schule zu finden. „Bis zur des Vollendung des 18. Lebensjahres ist das Jugendamt zuständig, danach sind sie weitgehend auf sich allein gestellt“, sagt Spitzlei. Es gelte deshalb, „Brücken zu bauen ins Bildungssystem, denn sie haben eine unglaubliche Kraft und wollen sich eine Zukunft aufbauen.“ Die Ausbildungsfähigkeit dürfe deshalb nicht an fehlenden Bildungsangeboten scheitern.

Die Bomben, die immer noch auf die Heimatorte der Syrer fallen, die fehlenden Möglichkeiten der Familienzusammenführung, sie beschweren die Geflüchteten und die Berater, „und sie behindern auch die Integration“, sagt Cornelia Spitzlei. Der Aufbau einer neuen Existenz trete deshalb auch nach Jahren oft noch in den Hintergrund: „Wir leisten noch ganz viel Stabilisierungsarbeit.“

>>>Ausstellung noch bis Mitte Januar zu sehen

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