Flüchtlinge

Flüchtlinge machen Schnupperkurs auf Schiff in Duisburg

Zu Abschluss des Tages durften sich die Flüchtlinge auf dem Schulschiff „Rhein“ umsehen und von Experten die Arbeit erklären lassen.

Zu Abschluss des Tages durften sich die Flüchtlinge auf dem Schulschiff „Rhein“ umsehen und von Experten die Arbeit erklären lassen.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   50 Flüchtlinge erfahren bei einem Projekt in Duisburg, was die Berufe in der Binnenschifffahrt und Logistik für Möglichkeiten bieten.

In Deutschland durchstarten. Auf dem Wasser. Oder im Hafen. Bei dem Modellprojekt „Smart Start“ sollen Flüchtlinge auf eine berufliche Ausbildung beziehungsweise eine Integration in den Arbeitsmarkt im Bereich der Binnenschifffahrt und Hafenlogistik vorbereitet werden. An einem Infotag haben jetzt rund 50 ausgewählte Flüchtlinge während einer Hafenrundfahrt mit Bus und Schiff erfahren, was die Berufe in Binnenschifffahrt und Logistik mit sich bringen.

„Das Interesse ist enorm und der Bedarf ist einfach da“, sagt Rolf Dobischat von der Uni Duisburg-Essen, der das Projekt mit initiiert hat.

15 Teilnehmer werden ausgewählt

Die meisten derjenigen, die nach der Hafenrundfahrt auf dem Schulschiff „Rhein“ Genaueres über die Ausbildungsmöglichkeiten lernten, sind Syrer. „Viele junge Geflüchtete hatten ihr Interesse bekundet, dann wurde eine Vorauswahl getroffen“, sagt Dobischat. „Der Tag heute dient dazu, den nächsten Schritt zu gehen, zu sehen, wer dabei sein und will und dann danach ernsthaft mit einer Ausbildung weitermachen möchte“, sagt er. „Wir werden etwa 15 Teilnehmer auswählen, die dann verschiedenen Jobs erlernen können“, sagt er.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Mechatroniker, Binnenschifffahrer oder auch Gabelstaplerfahrer sind mögliche Berufe, die erlernt werden können. „Alle Berufe haben jedoch ganz unterschiedliche Voraussetzungen“, erklärt Dobischat. „Während man den Gabelstaplerschein in kürzerer Zeit machen kann und es etwa sechs Monate dauert, bis man so arbeiten kann, braucht es natürlich eine umfangreiche Ausbildung, um als Binnenschifffahrer Karriere zu machen“, erklärt er.

Motivation der Flüchtlinge ist unterschiedlich

Doch auch die Motivation der Flüchtlinge ist ganz unterschiedlich. Einige streben eine Ausbildung und eine entsprechende Laufbahn an, während andere über die Maßnahme mit einem Job Zeit überbrücken wollen, bis sie etwa in Deutschland ein bereits in der Heimat angefangenes Studium beenden können.

Letzteres trifft auf den Syrer Osama Kuri (25) zu. Bereits in seinem Heimatland hat er Medizintechnik studiert, und das möchte er gerne hier fortsetzen. „Außerdem kann ich bei einem Job besser Deutsch lernen und neue Leute treffen“, sagt er in noch gebrochenem Deutsch. Unbedingt will er aber in Deutschland bleiben.

„Ich möchte gerne Kfz-Mechatroniker werden“

So wie Kuri plant auch Abdallah Khalifa Ajaber (22), hier zu bleiben, obwohl seine Familie in Syrien lebt. „Ich möchte gerne Kfz-Mechatroniker werden“, sagt er. „Und da kann ich ja jetzt vielleicht schon ein bisschen technische Erfahrungen sammeln“, sagt er. Vielleicht bleibt er ja sogar bei der Schifffahrt hängen. Wichtig sei, dass er Arbeit finde.

Starten soll die Maßnahme mit den 15 Auserwählten im Dezember. Zunächst geht die Maßnahme in den verschiedenen Berufen dann sechs Monate. Danach entscheidet sich, wer anfängt zu jobben und wer eine richtige Ausbildung anfängt. „Dafür ist dann die Sprache sehr wichtig“, so Dobischat.

>>WIE IN EINEM INTERNAT

Seit über 60 Jahren werden Binnenschiffer aus ganz Deutschland und Europa während des Berufsschulbesuchs auf einem Schulschiff wie in einem Internat untergebracht.

1984 wurde das in den Homberger Rheinanlagen vor Anker liegende Schulschiff vom mittlerweile mit dem BDB fusionierten Arbeitgeberverband der deutschen Binnenschiffahrt gebaut.

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