Integration

Flüchtlinge aus Nahost lernen in Duisburg Logistik

Beim Projekt Smart Start werden Flüchtlinge in Duisburg auf Arbeit in Logistik und Binnenschifffahrt vorbereitet. Im Bild eine Feuerlöschübung im Rahmen des Lehrgangs

Beim Projekt Smart Start werden Flüchtlinge in Duisburg auf Arbeit in Logistik und Binnenschifffahrt vorbereitet. Im Bild eine Feuerlöschübung im Rahmen des Lehrgangs

Foto: Carsten Schattler

Duisburg.  Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Iran werden in Duisburg auf eine Beschäftigung in Binnenschifffahrt und Transportwesen vorbereitet.

Der Logistik, speziell auch der Binnenschifffahrt, fehlen wie anderen Branchen zunehmend Fachkräfte. Auf entsprechend großes Interesse stieß deshalb ein vor knapp einem Jahr vorgestelltes Projekt, Flüchtlinge für den Einsatz im Transportwesen zu qualifizieren.

Inzwischen ist ein Lehrplan entwickelt und die Ausbildung läuft. Und zwar gut, sagt Uni-Professor Rolf Dobischat, der sich als „geistigen Vater“ der „fachlich-sprachlichen Qualifizierung“ unter dem Motto „Smart Start“ bezeichnet.

Kommunikation üben

Grundgedanke der Ausbildung sei es, so die für den Deutsch-Unterricht verantwortliche Birte Dobischat, „konkrete berufliche Situationen sprachlich zu meistern“. Das heißt: Es wird ganz nah an der späteren beruflichen Realität gelernt. Etwa mit Übungen wie „Bananen für NRW“, bei denen Kommunikation geübt wird von der Lieferung der Südfrüchte über See, per Binnenschiff und Lkw.

„Und natürlich geht auch etwas schief“, so Birte Dobischat, und damit gibt es die Möglichkeit, auch die für Reklamationen erforderliche Sprache zu lernen samt Kenntnissen in Telefonieren, Buchstabieren, Mailen. Ziel ist es, zügig Kenntnisse zu vermitteln, die sich direkt anwenden lassen.

20 überwiegend junge Leute

20 überwiegend junge Leute, davon zwei Frauen, in den 20ern aus Syrien, Iran und Irak haben die Qualifizierung begonnen (einer ist 50), und bisher hat keiner sie abgebrochen. „Wir haben es geschafft, die Leute bei der Stange zu halten“, sagt Rolf Dobischat. Zwei der Teilnehmer hatten Schifffahrtserfahrung, einer vom Euphrat, ein anderer war zuvor zur See gefahren.

In einer Praxisphase ging es kürzlich unter anderem um Brandschutz und Brandbekämpfung, und ab Ende April geht’s für zwei Woche ins Praktikum in ganz unterschiedlichen Betrieben, wofür sich die jungen Leute zuvor bewerben und vorstellen mussten.

„Die wissen ganz gut Bescheid, wie man hier arbeiten kann“, sagt der Uni-Professor und verweist auf die recht gute Vorbildung der Flüchtlinge. Ein großer Teil habe Abitur oder sogar bereits studiert, unter anderem mit dem Abschlussziel Ingenieur.

Bis Ende Mai dauert der Lehrgang, für den zuvor ein spezielles Curriculum entwickelt wurde, im Herbst soll dann der nächste Lehrgang beginnen. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten, von den Binnenschifffahrtsverbänden und vom Hafen unterstützten Projekts ist die Entwicklung von Muster-Lehrgängen, die sich auch auf andere Branchen übertragen lassen.

Vom ersten Lehrgang ist Birte Dobischat sehr beeindruckt: „Es ist eine wunderbare Gemeinschaft und eine tolle Lernatmosphäre“, viele Freundschaften hätten sich gebildet. Und das in einer Gruppe aus Sunniten. Schiiten, Christen, Kurden und Arabern. Und: „Einige sind sprachlich sehr weit gekommen.“

„Klebe-Effekte“ werden erwartet

Klar geworden sei auch, dass alle Lehrgangsteilnehmer in Deutschland bleiben wollen: „Keiner will zurück.“ Wie der Übergang in feste Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse klappt, muss sich noch zeigen, vielleicht schon während der Praktika in den Betrieben. Rolf Dobischat: „Wir rechnen mit Klebe-Effekten.“ Heißt, dass die Praktikumsunternehmen den Lehrgangsteilnehmern schon berufliche Perspektiven bieten. Und für den nächsten Lehrgang gebe es auch schon viele Anfragen. Die Aussicht, in der Logistik und der Binnenschifffahrt zu arbeiten, werde unter Flüchtlingen sehr positiv diskutiert.

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