Gericht

Fingerabdruck konnte Raub auf Duisburger (88) nicht klären

Der Geschädigte 88-Jährige wartete, begleitet von einer Zeugenbetreuerin, am Mittwoch im Amtsgericht Duisburg auf seine Vernehmung. Am 23. August 2018 war er in seiner Wohnungstür brutal zu Boden gestoßen worden. Der Täter nahm ihm eine Dose ab, in der sich acht Euro Kleingeld befanden.

Der Geschädigte 88-Jährige wartete, begleitet von einer Zeugenbetreuerin, am Mittwoch im Amtsgericht Duisburg auf seine Vernehmung. Am 23. August 2018 war er in seiner Wohnungstür brutal zu Boden gestoßen worden. Der Täter nahm ihm eine Dose ab, in der sich acht Euro Kleingeld befanden.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Wegen Raubes auf einen Rentner (88) stand ein Duisburger (34) vor dem Amtsgericht. Kurios: Nicht mal ein Fingerabdruck konnte ihn überführen.

Ein 88-jähriger Rheinhauser wusste am Morgen des 23. August nicht, wie ihm geschah. An seiner geöffneten Wohnungstür belud er seinen Rollator mit Leergut, als ihn von hinten ein heftiger Stoß traf. Er stürzte. Ein Mann durchsuchte ihn und nahm ihm die Dose eines Hörgeräts ab, in welcher der alte Herr Kleingeld aufbewahrte. Als mutmaßlicher Täter stand am Mittwoch ein Homberger (34) vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz. Doch nicht einmal ein Fingerabdruck konnte ihn überführen.

Nach dem Überfall hatte der Räuber den alten Herrn auf dem Boden liegen lassen und schloss ihn mit einem Schlüssel, den er ihm ebenfalls aus der Hosentasche gezogen hatte, in der Wohnung ein. Erst nach einiger Zeit konnte sich der 88-Jährige bemerkbar machen und wurde aus seiner Zwangslage befreit.

Die Beweislage schien zu Beginn nur eindeutig zu sein

Die Beweislage schien eindeutig: Die Dose des Hörgeräts war von der Polizei vor dem Haus gefunden worden. Offenbar hatte sie der Räuber, nachdem er sieben oder acht Euro heraus genommen hatte, weggeworfen. Darauf fand sich ein Fingerabdruck des 34-Jährigen.

„Ich war das nicht“, beteuerte der. Und sein Anwalt vermochte vortrefflich zu erläutern, wieso der Fingerabdruck kein Beweis war: „Mein Mandant ist nur drei Wochen zuvor mit einem unbekannten Mittäter in die Wohnung des Geschädigten eingebrochen. Alles wurde durchsucht. Es ist durchaus möglich, dass der Fingerabdruck noch aus diesem Einbruch stammte und nicht von dem Überfall.“

Tatsächlich war der Angeklagte vor einiger Zeit wegen genau dieses Einbruchs rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war.

Vernehmung des 88-Jährigen half auch nicht weiter

Die Vernehmung des Geschädigten half nicht viel weiter. „Ich habe den Täter nicht erkannt“, so der Rentner. Und er habe zwei Dosen für Hörgeräte. „Eine liegt meist im Wohnzimmerschrank.“ Die Schwerhörigkeit des Mannes machte die Vernehmung auch nicht leichter.

Das Schöffengericht folgte dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Es sprach den 34-Jährigen nach kurzer Beratung vom Vorwurf des Raubes frei.

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