Feuer und Elektromobilität

Feuerwehrleute brauchen keine Angst vor E-Autos haben

Bei Unfällen mit Elektrofahrzeugen müssen Retter keine Angst vor Stromstößen haben. Foto:

Bei Unfällen mit Elektrofahrzeugen müssen Retter keine Angst vor Stromstößen haben. Foto:

Foto: Patrick Pleul / picture alliance/dpa

Duisburg.   Elektroautos fahren zwar mit Strom, bei Unfällen deaktiviert sich das System selbst, so dass keine Gefahr für Insassen und Ersthelfer besteht

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In Duisburg gibt es 306 Elektroautos. Manche sind durch ihr auffälliges Design erkennbar, andere haben hinter den Ziffern des Nummernschildes ein E. Wieder andere sind auf den ersten Blick nicht vom Verbrenner zu unterscheiden. Doch was ist, wenn ein Elektroauto in einen Unfall verwickelt wird? Darf man den Personen dann helfen, oder besteht die Gefahr eines tödlichen Stromschlages? Immerhin hat eine Autobatterie 400 bis 600 Volt. „Das ist kein Problem, für uns ist ein Unfall mit einem Elektroauto genauso ein Einsatz wie alle anderen auch“, beruhigt Nils Radtke von der Feuerwache 6 in Rheinhausen.

Seiner Aussage nach gehört der Umgang mit Elektroautos zur Grundausbildung der Feuerwehrleute und wird auch nicht in Seminaren oder Lehrgängen separat geübt. Wieso die österreichische Feuerwehr im Herbst erst in Amerika anrufen musste, um nachzufragen, wie man einen Tesla vernünftig löscht, ist ihm ein Rätsel. „Wenn wir sehen, dass es sich um ein Elektrofahrzeug handelt, dann checken wir im Internet sofort den spezifischen Bauplan des Fahrzeuges und können dann zielgenau die Stromversorgung unterbrechen. Die relevanten Leitungen sind sowohl dort, als auch im Auto orange markiert.“

Rettungskarte am besten unter die Sonnenblende klemmen

Diesen Bauplan, Rettungskarte genannt, gibt es im Internet und Radtke fordert die Fahrer von Autos mit alternativen Antrieben (also auch Hybrid oder gasbetriebene Fahrzeuge) dazu auf, sich diese Karte herunterzuladen und unter die Sonnenblende des Fahrersitzes zu klemmen. Dort gucken Feuerwehrleute regelmäßig nach, um ggf. noch schneller an Informationen zu kommen. Nötig war das in Duisburg bislang noch nicht, denn alle Unfälle liefen glimpflich ab.

Stromversorgung wird automatisch unterbrochen

Wenn bei einem Elektroauto der Airbag ausgelöst wird, dann wird automatisch die Stromversorgung unterbrochen. Genauso, wenn die Gurtstraffer eine überdurchschnittliche Belastung ans System melden. Und zu guter Letzt hat jedes Fahrzeug einen Notschalter, mit dem sich die Elektrik auch manuell jederzeit deaktivieren lässt. „In den letzten Jahren haben die Entwickler die Technik noch mal deutlich verbessert. Die Batterien sind massiv ummantelt und sicher in der Mitte der unteren Karosserie verbaut. Da kann bei Auffahrunfällen in der Stadt, also bis 70 km/h wirklich nicht viel passieren“, erklärt der 36-Jährige und hat auch in seiner Funktion als Rettungskraft keinerlei Bedenken, jemanden aus einem E-Auto zu retten. „Wir sind natürlich zum Erfahrungsaustausch mit anderen Feuerwehrwachen vernetzt und mir ist kein Fall bekannt, bei dem es Probleme mit Stromschlägen gegeben hätte“, erklärt er.

Doch was, wenn ein E-Auto brennt? Das passiert zwar statistisch gesehen viermal weniger als beim Verbrenner (und auch da ist ein in Flammen stehendes Fahrzeug in der Realität viel seltener, als im Film), aber es kommt vor. Auch dieses Szenario lockt Radtke nicht aus der Reserve: „Klar kann das passieren. Wir haben aber in ganz Duisburg sowohl in der Stadt, als auch bei der Versorgung auf den Autobahnen jederzeit genügend Wasser zur Verfügung, um die Batterien zu löschen.“ Denn wenn die Batterie brennt, dann produziert sie durch diverse chemische Kettenreaktionen ihren eigenen Sauerstoff, der das Feuer dann quasi autark am Leben hält. Und dann hilft Wasser, viel Wasser.

Viel Wasser bei Bränden

Tesla empfiehlt 11.000 Liter insgesamt. „Wenn wir ein brennendes Elektrofahrzeug haben, dann löschen wir es so gut es geht vor Ort und schleppen es dann auf eine sichere Fläche in Quarantäne, denn es kann immer sein, dass es wieder von neuem anfängt zu brennen. Aber wenn man das weiß, ist das ja auch kein Problem, dann löschen wir eben öfter.“

Vorgekommen ist das in Duisburg aber ebenfalls bislang noch nicht. Alles in allem sieht der Wachvorsteher der Feuerwache in Rheinhausen keine größere Gefahr durch Elektroautos, im Gegenteil: „Wenn sie ein E-Auto haben, dann ist das Fahrzeug in der Regel recht neu und mit viel Sicherheitstechnik ausgestattet. Das macht das Fahren deutlich ungefährlicher als mit einer 20 Jahre alten Rostlaube.“

Tipps der Feuerwehr

Die Rettungskarte ist bei Neuwagen meist schon in den Unterlagen enthalten und muss nur noch hinter die Sonnenblende geklemmt werden. Bei älteren Fahrzeugen kann die Karte im Internet zum Beispiel bei www.adac.de oder auf der Homepage des jeweiligen Herstellers heruntergeladen werden.

Sie enthält die Position des Kraftstofftanks, die Karosserieverstärkung, den Airbag, Gurtstraffer und den Sitz der Batterie. Durch die Kenntnis der genauen Position kann die Feuerwehr die optimalen Punkte, an denen sie mit Spreizer und Schere ansetzen kann wesentlich genauer bestimmen.

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