Musikleben

Fazil Say wird mit dem Duisburger Musikpreis ausgezeichnet

Fazil Say bei einem Auftritt im April 2016 in Istanbul ihm Rahmen einer Friedenspreisverleihung.

Fazil Say bei einem Auftritt im April 2016 in Istanbul ihm Rahmen einer Friedenspreisverleihung.

Foto: Getty Images

Duisburg.   Der renommierte türkische Pianist verbindet musikalische Welten – und steht für die Freiheit. Köhler-Osbahr-Stiftung leitet Veränderungen ein.

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Mit der Verleihung des Duisburger Musikpreises an den türkischen Pianisten Fazil Say leitet die Köhler-Osbahr-Stiftung behutsame Veränderungen ein. Das gelte sowohl für die Münzsammlung im Kultur- und Stadthistorischen Museum, so Prof. Jürgen Schläder, stellvertretender Vorsitzender der Köhler-Osbahr-Stiftung, als auch für den mit 10 000 Euro dotierten Musikpreis. Mit ihm wolle man künftig nicht nur herausragende Künstler und Wissenschaftler fördern, „sondern auch einen Menschen“. Die Gründergeneration der Stiftung habe beim 1990 ins Leben gerufenen Musikpreis „eher an ein Lebenswerk“ gedacht. Jetzt sollen verstärkt junge Musiker gekürt werden, denen der Preis noch einen Schub für die Karriere geben könne, sagt Philharmoniker-Intendant Alfred Wendel.

Musikalischer Kommentar zu Gezi-Protesten

Der 1970 in Ankara geborene Fazil Say kam bereits als 17-Jähriger an die Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, studierte dann in Berlin und gewann 1994 den „Young Concert Artist“-Wettbewerb in New York. Heute gehört zu seinen Kammermusikpartnern auch der in Duisburg als Residenzkünstler der Philharmoniker bestens bekannte Cellist Nicolas Alt-staedt. Schläder nennt Say einen „ganz herausragenden Pianisten“, der weltweit mit klassischen Programmen unterwegs ist. „Hinreißend“, wie er in Konzerten klassische Musik „ins 21. Jahrhundert weiterdenkt“, etwa Mozarts „Alla Turca“ in der 11. Klaviersonate. Darüber hinaus wirke er in zwei Kulturen verbindend – und beziehe klar Stellung etwa beim Thema Bürgerrechte. Bereits 2002 beklagte der Atheist schleichende Islamisierung und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Zehn Jähre später musste er sich wegen Blasphemie vor Gericht verantworten, weil er sich ironisch über den Islam geäußert hatte; er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, das Urteil 2015 aufgehoben. Die gewaltsam niedergeschlagenen Proteste im Istanbuler Gezi-Park 2013 kommentierte er mit drei Werken unter dem Titel Gezi-Park, von denen eines im September 2014 im Dortmunder Konzerthaus uraufgeführt wurde. Neben vier Echo-Klassik-Preisen wurde Say mit dem Preis der Beethoven-Akademie Bonn für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion ausgezeichnet.

Say, der eine „außerordentliche Leidenschaft und Liebe zur Musik“ pflegt, stehe für die Freiheit des Denkens, so Wendel.

Auch das „Ritual der Preisverleihung“ werde mit dem Ziel veränderte, mehr Publikum zu gewinnen, kündigte Schläder an. Statt in einer Laudatio stelle der Musikjournalist Holger Noltze den Preisträger im Gespräch vor – und der wird auch in die Tasten greifen.

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