Haftbefehl

Festgenommene Frau im Fall Mia wurde vom Jugendamt betreut

Im Fall des toten Babys Mia aus Duisburg hat die Polizei nun eine Tatverdächtige festgenommen. In ihrer Wohnung wurde eine weitere Babyleiche gefunden. Die 35-Jährige streitet jedoch eine Verbindung zu Baby Mia ab.

Im Fall des toten Babys Mia aus Duisburg hat die Polizei nun eine Tatverdächtige festgenommen. In ihrer Wohnung wurde eine weitere Babyleiche gefunden. Die 35-Jährige streitet jedoch eine Verbindung zu Baby Mia ab.

Foto: Daniel Elke

Duisburg.  Die Polizei hat in Duisburg eine Frau festgenommen. Bei ihr wurde eine zweite Babyleiche gefunden. Die 35-Jährige wurde vom Jugendamt betreut.

Einen grausigen Fund hat die Polizei in der Nacht zum Samstag gemacht: In der Wohnung einer 35-jährigen Frau im Duisburger Ortsteil Rumeln entdeckten die Beamten die Leiche eines Babys. Die Frau hat gestanden, das Mädchen zur Welt gebracht zu haben. Noch unklar ist, ob sie auch die Mutter des Neugeborenen ist, das in einem Altkleider-Container in Duisburg abgelegt wurde und am 17. November von Arbeiterinnen in einer Altkleider-Sortieranlage im polnischen Kielce aufgefunden wurde. In ersten Befragungen hat die Frau bestritten, auch die Mutter dieses Neugeborenen zu sein, dem die Polizei den Namen Mia gab.

Erste Hinweise aus der Bevölkerung hatten die Ermittler der Duisburger Kriminalpolizei am Freitag auf die Spur der Tatverdächtigen gebracht. „Die Beamten fanden neben der Leiche umfangreiches Beweismaterial, zum Beispiel blutige Bettlaken. Das kleine Mädchen war in Laken und Plastiktüten versteckt“, berichtet Ramon van der Maat, Sprecher der Duisburger Polizei. Die Frau wurde festgenommen, auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ der zuständige Richter aufgrund des Fundes der Babyleiche in der Wohnung am Samstagnachmittag Haftbefehl wegen Totschlags.

35-Jährige wurde vom Jugendamt betreut

Wie die Stadt Duisburg am Sonntagabend mitteilte, stand die 35-Jährige unter Betreuung des Jugendamtes. Bei der Stadt sei man "zutiefst erschüttert" über den Fall. Man werde "die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung der Ursachen mit allen Mitteln unterstützen, die uns zur Verfügung stehen", hieß es in einer Pressemitteilung. Jugend- und Familiendezernent Thomas Krützberg habe bereits "mit der Aufarbeitung des Falles begonnen". Weitere inhaltliche Fragen will die Stadt zunächst nicht beantworten, "um dem Ergebnis der Untersuchung nicht vorzugreifen".

Beide Kinder wohl im gleichen Zeitraum geboren

Der zweite Leichenfund und die zeitliche Nähe zur Entdeckung von Baby Mia legen die Vermutung nahe, dass die 35-Jährige beide Kinder zur Welt gebracht hat. Nach erstem Augenschein lasse auch der Zustand der Leiche darauf schließen, dass beide Kinder im gleichen Zeitraum geboren wurden. Bisher haben die Ermittlungen ergeben, dass Mia zwischen dem 31. Oktober und dem 8. November in einem Duisburger Altkleidercontainer abgelegt wurde. Den polnischen Ermittlern zufolge wurde das Fahrzeug mit den Altkleidern nach dem Start in Duisburg Richtung Polen nicht geöffnet.

Mit Leichenspürhunden hatte die Polizei am vergangenen Donnerstag begonnen, alle 470 Altkleider-Container des Recycling-Unternehmens im Stadtgebiet zu untersuchen, um den Ablageort des Babys ausfindig zu machen. Die Ermittler gingen davon aus, dass die Mutter in der Nähe wohnt.

Altkleidercontainer muss nicht zwingend Ablageort sein

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hatte ein Spürhund an einem Container an der Rheinpreussenstraße in Hochheide angeschlagen. Der Ortsteil gilt in einigen Bereichen als Brennpunktstadtteil, ist allerdings bald zehn Kilometer entfernt vom eher bürgerlich strukturierten Rumeln im äußersten Südwesten des Stadtgebiets. Der Behälter aus Hochheide, der nun untersucht wird, müsse aber nicht der Ablageort sein, erklärt Polizeisprecher van der Maat: „Wenn da mal jemand ein totes Tier hineingeworfen hat, schlägt der Hund auch an.“

Nicht ausgeschlossen ist derzeit, dass die 35-jährige nur das in ihrer Wohnung gefundene Kind zur Welt gebracht hat. „Dann müssten wir eine zweite Frau suchen“, so der Polizeisprecher. Wenn sie aber Zwillinge geboren habe, seien beide Kinder eventuell nicht unmittelbar nacheinander auf die Welt gekommen. Möglich, dass die Mutter das Baby Mia zur Welt gebracht und in einem Container abgelegt habe, nach der zweiten Geburt aber nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich des zweiten Neugeborenen zu entledigen.

Baby Mia ist wohl lebend zur Welt gekommen

Durch weitere Befragungen der 35-Jährigen wird die Polizei nun in den nächsten Tagen zu klären versuchen, ob die Frau aus Rumeln auch die Mutter von Baby Mia ist. Endgültige Gewissheit könnte auch ein DNA-Abgleich zwischen der Tatverdächtigen und Baby Mia bringen. Doch bei einem internationalen Rechtshilfeersuchen, das die Duisburger Staatsanwaltschaft in Gang gebracht hat, mahlen die Mühlen der Justiz langsam.

Auf Nachfrage deutscher Medien hatte der Bezirksstaatsanwalt in Kielce, Daniel Prokopowicz, am vergangenen Freitag erklärt, es gebe keine Hinweise darauf, dass das Kind zum Zeitpunkt des Ablegens noch gelebt hat. Dieses müsse noch durch eine zweite Obduktion geklärt werden.

Polizei will am Montag weitere Informationen bekannt geben

Den bisherigen Erkenntnissen der polnischen Ermittler zufolge ist Baby Mia aber wohl lebend zur Welt gekommen. Bezirksstaatsanwalt Daniel Prokopowicz bestätigte entsprechende Medienberichte am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Das Mädchen habe vorläufigen Untersuchungen zufolge nach der Geburt eigenständig geatmet, so Prokopowicz. Endgültige Ergebnisse sollten in mehreren Wochen vorliegen.

Montag wollen die Ermittler weitere Informationen über den Fall mitteilen. (mit dpa)

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